Hat man es nicht bereits selbst geahnt? Die neuartigen, oftmals komplexen Fahrzeug-Infosysteme können einen Autofahrer enorm ablenken. Sowohl Augen als auch Aufmerksamkeit sind nicht mehr auf die Straße gerichtet, und die Hände sind mitunter ebenfalls gefährliche lange vom Lenkrad weg. Wissenschaftlich ist das nun durch die neuen Forschungsergebnisse der AAA Foundation for Traffic Safety belegt, einer US-amerikanischen Stiftung, die sich der Rettung von Menschenleben durch Verkehrssicherheitsforschung und -erziehung widmet.

Für die Untersuchung arbeitete die Stiftung eng mit Forschern der University of Utah, USA, zusammen. In den durchgeführten Studien mussten insgesamt 120 Teilnehmer verschiedene Aufgaben erledigen, während sie ein Auto steuerten – etwa mittels der Sprachsteuerung einen Anruf tätigen oder eine Textnachricht senden, sowie den Touchscreen bedienen, um die Navigation einzustellen. Die Wissenschaftler bestimmten dann das Maß und die Dauer der visuellen und kognitiven Ablenkung.

Das wenig überraschende Ergebnis: Bedient ein Fahrer das Infosystem, lenkt das seine Aufmerksamkeit immer weg von der Straße. Lediglich der Grad der Ablenkung hängt sowohl von der Aufgabe als auch vom System ab. Am erheblichsten wirkte sich die Programmierung des Navigationssystems aus: Sie beanspruchte durchschnittlich 40 Sekunden, und in dieser Zeit war der Autofahrer massiv – sowohl visuell als auch mental – von seiner eigentlichen Aufgabe abgelenkt. Frühere Untersuchungen belegten, dass bereits eine Zeitspanne von nur zwei Sekunden, in der man die Augen von der Straße nimmt, das Risiko für einen Unfall verdoppelt.

Allerdings hängt das Level der Ablenkung offenbar davon ab, wie gut die Technik durchdacht ist. Insgesamt testete die Forscher 30 neue Fahrzeugmodelle aus dem Jahr 2017. Zwölf davon hatten Systeme an Bord, welche eine sehr hohe Aufmerksamkeit erforderten, also stark vom Autolenken ablenkten. Dazu zählten etwa die Modelle Audi Q7 QPP, Honda Civic Touring, Mazda3 Touring, Tesla Model S sowie Volvo XC60 T5 Inscription.

Elf Systeme schnitten nur leicht besser ab, zum Beispiel zwei Modelle von Jeep, Compass Sport und Grand Cherokee Limited und der Kia Sorento LX. Eine moderate Einschränkung der Fahreraufmerksamkeit attestierten die Forscher 7 der 30 getesteten Infosysteme. Sie waren unter anderem an Bord des Ford F250 XLT, des Hyundai Santa Fe Sport sowie dreier Modelle von Toyota: Camry SE, Corolla SE und Sienna XLE.

Da aber kein einziges System den Fahrer unbehelligt in Bezug auf seine Aufmerksamkeit lässt, warnt die AAA Foundation vor den gefährlichen Folgen dieser Technologie. Dennoch sind die Studienverantwortlichen der Meinung, dass bereits geringe Maßnahmen die Systeme sicherer machen könnten. Dazu zählen das Sperren von Textnachrichten, sozialen Medien und der Bedienung des Navis während der Fahrt.