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Angstforschung

Zuckerabbau produziert angstlösendes Molekül

Methylgloxal gegen Angst

Wissenschaftler von der University of Chicago entdeckten einen Stoffwechselweg, der bei ängstlichem Verhalten von zentraler Bedeutung ist. Im Mittelpunkt steht dabei das Molekül Methylglyoxal (MG), das während des Zuckerabbaus in der Zelle entsteht. Aufgrund seiner toxischen Eigenschaften muss die Zelle den Stoff mit Hilfe des Enzyms Glyoxalase 1 (Glo 1) zersetzen. Die Forschergruppe um Abraham Palmer berichtete nun über eine andere Seite von MG: Im Gehirn bindet es an einen bestimmten Rezeptortyp des Neurotransmitters GABA (γ-Aminobuttersäure) und lindert so das Angstverhalten.

Palmer und Kollegen untersuchten den Zusammenhang von Glyoxalase 1 und Methylglyoxal im Experiment, nachem sie im Erbgut von Versuchsmäusen die Anzahl der Glo 1-Genkopien variiert hatten. Mit steigenden Genverdopplungen im Mäuse-Genom sank die Konzentration von MG und die ängstliche Reaktion der Nager im Test verstärkte sich.

Steigerten die Forscher die natürliche Menge von MG, blieben die Mäuse merklich ruhiger. Auch die Hemmung von Glo 1 hatte diesen Effekt: Als ein Medikament die enzymatische Aktivität von Glo 1 blockierte, konnte sich mehr MG im Nagergehirn anreichern und seine angstlösenden Effekte vermitteln. Eine Schädigung der Zellen schlossen die Forscher indes aus: Offenbar tritt die zytotoxische Wirkung erst nach Stunden ein, während sich der angstlösende Effekt schon binnen Minuten niederschlägt.

Diese Erkenntnisse könnten für die Behandlung von Angsterkrankungen in Zukunft wichtig sein, meinen die Wissenschaftler. Arzneimittel, die die GABA-Rezeptoren aktivieren, können die Angst schnell und effektiv lindern. Derartige Benzodiazepine sind jedoch im hohen Maße suchterzeugend. Ein Präparat, das die Wirkung des Enzyms Glo 1 hemmt, könnte demnach der Therapie von Angststörungen sehr dienlich sein – vor allem, da es möglicherweise anderen Psychopharmaka in der Angsttherapie überlegen ist.

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