Wer schon einmal ohne Streichhölzchen oder ähnliches Equipment Feuer gemacht hat, der weiß, welche Fähigkeiten dabei vor allem gefragt sind: Ausdauer in den Armen und eine hohe Schmerztoleranz. Denn um ein Stückchen Zunder, wie beim "Feuerbohren", allein durch Reibungshitze zu entzünden, muss man sich ordentlich ins Zeug legen. Aber kannten die Neandertaler womöglich eine Abkürzung? Das vermuten Wissenschaftler um Marie Soressi von der Universität Leiden. Sie gehen davon aus, dass Neandertaler das Mineral Mangandioxid (auch Braunstein genannt) einsetzten, um die Entzündungstemperatur von Holz herabzusetzen. Das hätte es ihnen erlaubt, leichter und schneller eine Flamme zu erzeugen.

Die Forscher kamen auf diese Idee, als sie sich fragten, warum in Neandertalerfundstätten wie der französischen Höhle Pech-de-l’Azé verhältnismäßig große Mengen dieses Manganminerals gefunden wurden – und mehr noch: warum die einstigen Bewohner offenbar bevorzugt das Mineral Mangandioxid unter anderen manganhaltigen Mineralen auswählten. Laut der gängigsten Theorie nutzten sie die Brocken als schwarzes Farbpigment, vielleicht in Kombination mit Ocker, das einen rötlichen Farbton hervorruft. Doch Soressi und Kollegen wenden nun ein, dass es für die Neandertaler wesentlich einfacher gewesen wäre, sich mit Asche und Ruß schwarz zu färben. Warum also der Umweg über dieses spezielle Mineral? Wenn es tatsächlich nur um das Färben gegangen wäre, würde zudem jedes andere Manganmineral genauso gute Dienste leisten, argumentieren die Forscher. Sicher ist allein, dass die Neandertaler aus den "blocs" genannten Manganbröckchen Pulver herstellten. Entsprechende Abriebspuren sind deutlich zu erkennen.

Da die blocs jedoch häufig in Zusammenhang mit einer Feuerstelle stehen, könnte ihr eigentlicher Einsatzzweck im Feuermachen liegen. Ihre eigenen Tests, bei denen sie Holz und Mangandioxid kombinierten, unterstützten diese Annahme, sagen die Forscher: Das Mangandioxid habe die Temperatur, bei der ihre Holzproben Feuer fingen, von rund 350 Grad Celsius auf 250 Grad Celsius gesenkt.

Sollten die Neandertaler in Pech-de-l’Azé tatsächlich das Mineral für diesen Zweck verwendet haben, hätten sie einen chemischen Kniff genutzt, auf den der moderne Mensch bislang noch nicht gekommen ist – zumindest gebe es in den anthropologischen Berichten über heutige Jäger-und-Sammler-Völker keinen Hinweis darauf. Auch stecke eine beachtliche Transferleistung dahinter, ein nicht brennbares Material für das Feuermachen einzusetzen.

Bislang handelt es sich bei ihren Untersuchungen allerdings um reine Spekulation – ob sich die Neandertaler überhaupt aufs Feuermachen verstanden, ist noch nicht eindeutig geklärt. Sie könnten auch durch natürliche Auslöser entfachte Brände ausgenutzt haben.