Mehr als sieben Milliarden Plastiktüten gingen bei den sieben größten Supermärkten Großbritanniens 2015 über die Ladentheke. Dann führte das Land eine Zwangsabgabe von fünf Pence pro Tüte ein – und der Verbrauch ging drastisch zurück. Im ersten Halbjahr 2016 verlangten die Kunden nur noch nach 500 Millionen Tüten: ein Rückgang von 85 Prozent im Vergleichszeitraum, so der "Guardian". Und diese dramatisch verringerte Nachfrage macht sich wohl auch schon rasch in der Umwelt bemerkbar, wie die Umweltschutzorganisation Great British Beach Clean nach ihrer jährlichen Strandsäuberung meldet. 6000 freiwillige Helfer reinigten dabei 364 Strände im Königreich und dokumentierten ihre Funde; eine Aktion, die seit einem Jahrzehnt regelmäßig wiederholt wird.

So wenige Plastiktüten wie 2016 hätten sie noch nie im Beach Clean aufgesammelt, so die Vereinigung. Allerdings gibt es regional deutliche Unterschiede. Die wenigsten Tüten fanden sich demnach in Wales, wo schon seit fünf Jahren die Abgabe kostenpflichtig ist: Hier sammelten die Freiwilligen nur noch vier Tüten pro 100 Meter Strand ein – der niedrigste Stand seit 2011. Den größten Rückgang ermittelten die Teilnehmer allerdings in Nordirland und England, wo das Tütengeld später eingeführt wurde. Insgesamt nahm die Zahl der Plastiktaschen am Strand um 40 Prozent verglichen mit dem Vorjahr ab: auf sieben Stück pro 100 Meter.

Sie machen jedoch nur einen Teil des Mülls aus, den der Beach Clean erfasste. Am häufigsten verunstalten Plastikdeckel und -verschlüsse die Umwelt. Auch Wattestäbchen und Feuchttücher finden sich zunehmend in der Natur. Sie werden in Kläranlagen nicht zersetzt und oft ins Meer gespült. Bei Luftballons stellten die Helfer sogar eine Zunahme um mehr als die Hälfte zu 2015 fest: Heliumgefüllte Ballons landen nach dem Ausgasen sehr oft in der Umwelt und gelangen dann über Bäche und Flüsse ins Meer. Seevögel und Meeresschildkröten halten sie oft für Nahrung und verschlucken sie. Neun von zehn tot aufgefundenen Seevögel etwa weisen Plastik in ihrem Magen auf, und viele sterben daran, weil sie mit diesem gefüllten Magen verhungern.