Mehr Himmelskörper als bisher angenommen könnten von einem Ring umgeben sein. Darauf deutet eine Entdeckung aus dem Kuipergürtel am Rand des Sonnensystems hin, die ein internationales Astronomenteam im Fachmagazin "Nature" präsentiert. Die Forscher haben dort den bereits länger bekannten Zwergplaneten Haumea beobachtet und dabei Hinweise auf einen etwa 70 Kilometer breiten Reif aus Bröckchen aufgespürt, der den gefrorenen Himmelskörper umgibt.

Für Astronomen ist dieser Ring eine Überraschung. Bisher gingen sie davon aus, dass in erster Linie große Gasplaneten wie Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun von Scheiben aus kleinen Körnchen geziert werden. Zwar sind in den vergangenen Jahren auch bei einigen Asteroiden im Umfeld der Gasriesen, den so genannten Zentauren, kränzchenartige Strukturen aufgetaucht. Dass jedoch ebenfalls deutlich größere Felsbrocken Ringe haben können, hatten Wissenschaftler nicht unbedingt erwartet.

Haumea ist nach Pluto, Eris und Makemake der viertgrößte Zwergplanet, der jenseits des Neptuns seine Bahnen um die Sonne zieht. Seine Form erinnert an ein lang gezogenes, 2300 Kilometer großes Ei, das schnell um seine Längsachse rotiert. Da der Himmelskörper, von dem zwei Monde bekannt sind, extrem weit von der Sonne entfernt ist, studierten die Astronomen ihn mittels eines Tricks: Als Haumea am 21. Januar 2017 vor einem Stern im Hintergrund vorbeizog, verdunkelte sich dieser ein klein wenig, was die Astronomen mit insgesamt zwölf Teleskopen beobachteten.

Da Haumeas Bahnbewegung bekannt ist, konnten die Wissenschaftler auf diese Weise seine Größe und Form genauer als bisher ermitteln. Überraschenderweise verdunkelte sich der Stern im Hintergrund auch kurz vor und nach der Passage. Dies lasse sich am besten mit einem dünnen Ring erklären, der den Zwergplaneten in einem Abstand von etwa 1000 Kilometern umgibt.

Wie der Ring entstehen konnte, ist bisher unklar. Die Forscher vermuten jedoch, er könnte keine Ausnahme sein: Möglicherweise weisen auch andere der zahlreichen Eisbrocken am Rand des Sonnensystems eine ähnliche Struktur auf. Dafür spreche, dass wohl auch die Zentauren, bei denen ebenfalls Ringe bekannt sind, einst im Kuipergürtel entstanden sind. Simulationen legen nahe, dass sie ihr Kränzchen bei der Wanderung ins innere Sonnensystem behalten haben.