"1 Pfd. Zucker, ½ Seidlein oder 1/8erlein Honig, 4 Loth Zimet, 1 ½ Muskatrimpf, 2 Loth Ingwer, 1 Loth Caramumlein, ½ Quentlein Pfeffer, 1 Diethäuflein Mehl - ergibt 5 Loth schwer."
- Was wird hier gebacken?

a) Zimtsterne
b) Honigkuchen
c) Bärentatzen
d) Lebkuchen

Antwort:

Probieren Sie's aus - und Sie werden Lebkuchen nach dem ältesten schriftlich überlieferten Lebkuchen-Rezept aus dem 16. Jahrhundert backen. Entgegen anders lautender Gerüchte wird es nicht im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg aufbewahrt.

Erklärung:

Schon in der Antike wurde mit Honig und Gewürzen gebacken, im alten Griechenland kannte man Honigkuchen, und in einer Handschrift des Klosters Tegernsee aus dem 11. Jahrhundert taucht der Ausdruck "Pfefferkuchen" auf – wobei Pfeffer damals ganz allgemein für Gewürze stand.

Doch die mit Nürnberg so untrennbar verbundenen Lebkuchen wurden wohl tatsächlich in einem fränkischen Kloster "erfunden", als man dort im Mittelalter neue Varianten von Pfeffer- und Honigkuchen ausprobierte. Und dort dürfte auch die Idee entstanden sein, die Teigmasse auf Oblaten zu setzen, damit sie nicht anklebte – der Oblaten-Lebkuchen war geboren.

Um die "Meisterwerke der Zunft", die beliebten Elisenlebkuchen, ranken sich viele Geschichten. Die sicherlich romantischste davon erzählt, ein Lebzelter habe damit seiner mit 17 Jahren verstorbenen schönen Tochter ein Denkmal setzen wollen und ab 1808 (einer anderen Quelle zufolge erst 1864) nur den zartesten Lebkuchen ihren Namen gegeben. Vielleicht stammt der Name aber auch schlicht von der Heiligen Elisabeth, der Schutzpatronin der Bäcker und Lebküchner.

Entscheidend für den Ruhm und die Tradition der Lebküchnerei in Nürnberg war, dass der Reichswald vor den Toren der Stadt reichlich Honig bester Qualität lieferten. Außerdem lag die alte Reichsstadt am Schnittpunkt der Handels- und Gewürzstraßen, sodass die Versorgung mit den kostbaren Zutaten stets gesichert war. Städtische Gewürzkontrolleure, die so genannten Schauer, wachten strikt darüber, dass nur das ausgesucht Beste den Weg in die Backstuben fand.

Erstmals urkundlich erwähnt werden die Lebzelter allerdings nicht in Nürnberg, sondern in Ulm – in einer Schrift von 1296. Der älteste Nachweis für die Mittelfranken stammt aus dem Jahr 1395, und das Wort "Lebkuchen" findet sich erstmals 1409 in einem alten Zinsbuch.. Woher die Bezeichnung stammt, ist allerdings noch unklar. Sehr verbreitet ist die Ansicht, dass sich der Ausdruck vom lateinischen "libum" für "Fladen" ableitet.