Auch im Tierreich gibt es alleinerziehende Väter. Doch wer hat sich hier zu Unrecht in die Liste geschmuggelt?

a) Kaiserpinguin
b) Ganges-Gavial
c) Anemonenfisch
d) Färberfrosch
e) Seepferdchen

Antwort:

Beim Ganges-Gavial (Gavialus gangeticus) zeigen die Männchen wenig Interesse an den eigenen Sprösslingen - hier bleibt die Sorge für den Nachwuchs allein in weiblichen Händen.

Erklärung:

Die Weibchen dieser fischfressenden Krokodile bewachen die Gelege nach dem Schlüpfen, helfen teilweise dem Nachwuchs sogar beim Verlassen des Nestes und bleiben anschließend noch mehrere Wochen in der Nähe der Jungtiere. Ausgewachsen wird ein Gavial bis zu sieben Meter lang. Das auffälligste Merkmal ist die lange und sehr schmale Schnauze, die bei männlichen Tieren an der Spitze des Oberkiefers eine knollige Erhebung aufweist, die durch eine Wucherung des Gewebes rund um die Nasenöffnungen entsteht. Von ihr kommt auch der Name "Gavial" – eine ungenaue Wiedergabe des indischen Begriffs Ghara für einen kleinen Topf: Offensichtlich meinte man, die Tiere würden einen kleinen Topf auf ihrer Nasenspitze balancieren.

Gaviale waren früher in den großen Flusssystemen von Ganges, Indus und Brahmaputra weit verbreitet. Heute ist er in den letzten beiden Flüssen bis auf ein paar verstreute Individuen ausgestorben. Größere Populationen finden sich nur noch in den Ganges-Zuflüssen im südlichen Nepal, im nordindischen Chambal und im ostindischen Mahanadi.

Beim Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri) liegt die Sorge für den Nachwuchs dagegen ganz in väterlicher Hand beziehungsweise Fuß: Das Männchen brütet das einzige Ei in einer Hautfalte verborgen auf seinen Füßen aus, während das Weibchen zwei Monate lang auf Jagd weilt. Sie bekommt ihr Junges erst nach dem Schlüpfen zum ersten Mal zu Gesicht. Die Überlebenschancen junger Pinguine sind allerdings eher schlecht, bei ungünstigen Bedingungen kommt häufig nur jedes zehnte Junge durch. Kaiserpinguine sind die größten Pinguine: Sie können sich auf immerhin bis zu 1,30 Meter Größe recken, und erwachsene Tiere wiegen bis zu 45 Kilogramm. Normalerweise stehen sie aber eher zusammengesunken da und sind dann nicht höher als ein Tisch.

Auch bei Anemonenfischen kümmert sich der Vater um die Familie: Er fächelt den Eiern mit den Flossen frisches Wasser zu und entfernt tote Exemplare, die womöglich faulen könnten. Diese Riffbewohner sind außerdem für ihre interessanten Hausgemeinschaften im Innern von Seeanemonen bekannt, bei denen die Körpergröße eine strenge Hierarchie erzeugt: Das größte Exemplar ist das Weibchen, und nur das nächstkleinere Männchen darf sich fortpflanzen, während die bis zu vier Wohnungsgenossen auf ihre Chance warten müssen. Diese kommt, wenn das Weibchen stirbt, denn dann wandelt sich das größte Männchen in ein Weibchen um, und der nächste in der Orgelpfeifenreihe darf zum Zuge kommen.

Die südamerikanischen Färberfrösche (Dendrobates tinctorius) setzen ebenfalls auf das Vatermodell. Hier legt das Weibchen Eier auf einer glatten, geschützten Stelle wie Bromelienblätter ab und verschwindet. Ein Männchen befruchtet die Eier und bewacht und wässert, wenn nötig, sein Gelege. Schlüpfen die Kaulquappen, lässt der Vater ein bis zwei Larven auf seinen Rücken krabbeln und trägt sie zu einer passenden Wasserstelle – häufig einem Bromelientrichter –, wo er sie absetzt. Von nun an sind die Kleinen ihrem Schicksal selbst überlassen. Bei anderen Angehörigen der Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae) übernehmen die Weibchen den Transport, teilweise haben die Tiere auch richtige Bruttaschen auf dem Rücken.

Solche Taschen besitzen auch die Seepferchen-Papas: Sie nehmen die befruchteten Eier auf, verschließen sie in diesem Beutel und tragen sie mit sich herum, bis nach etwa vier Wochen die Jungfische reif zum eigenständigen Schwimmausflug sind. Untersuchungen an australischen Seepferdchen haben gezeigt, dass die Tiere übrigens streng monogam sind. Im Mittelmeer leben sowohl das Kurzschnauzige (Hippocampus hippocampus) als auch das Langschnauzige Seepferdchen (H. guttulatus), letzteres findet sich sogar manchmal auch an der britischen oder niederländischen Küste. Insgesamt umfasst die Gattung 25 Arten.