Auf welches Tier trifft der Lazarus-Effekt zu?

Maria Hirsch
a) Baumhummer
b) Karibische Mönchsrobbe
c) Hommingberger Gepardenforelle
d) Baiji-Delfin

Antwort:

Nur beim Baumhummer (Dryococelus australis) hat der Lazarus-Effekt seine Wirkung gezeigt: Seit den 1930er Jahren galt das Insekt als ausgestorben, wurde aber im Jahr 2001 wiederentdeckt. Der Begriff wurde von der Wiedererweckung des Heiligen Lazarus durch Jesus inspiriert.

Erklärung:

Wir schreiben das Jahr 1918, das Versorgungsschiff Makambo läuft kurz vor der australischen Insel Lord Howe auf einen unter der Wasseroberfläche verborgenen Felsen auf. Mannschaft und Ladung können gerettet werden, sogar die an Bord ansässigen Ratten des Frachters schwimmen mit letzter Kraft an Land. Happy End? Nein, denn die Nager zeigten sich als zu gefräßig für das ausbalancierte Ökosystem der Vulkaninsel. Kurz nach ihrer Ankunft fanden die Tiere Gefallen an einer endemischen Spezies des Eilands: dem Baumhummer.

Die flügellose Gespenstschrecke hatte den Nagern nichts entgegenzusetzen, bisher existierte sie in ihrem Lebensraum ohne natürlichen Feind. So dauerte es nicht lange, bis Dryococelus australis völlig von Lord Howe verschwunden war. Etwa seit den 1930er Jahren galt die Art als ausgestorben.

Dann jedoch wollte es der Zufall, dass ein Kletterer im Jahr 2001 auf einem kahlen Felsmassiv 23 Kilometer südöstlich der Insel ein Exemplar des Insekts entdeckte. Bis dorthin schafften es die Ratten nicht, und so blieb dem Baumhummer der karge Felsen als letzte Zufluchtsstätte. Wissenschaftler erforschten die Fundstelle, brachten einige Exemplare in Sicherheit und züchteten die Insekten erfolgreich nach.

Die Karibische Mönchsrobbe (Monachus tropicalis) war das erste Säugetier, das Christoph Kolumbus auf seiner Reise in die Neue Welt entdeckte. Der Seefahrer beschreibt in einem Reisebericht, wie er und seine Mannschaft die Tiere an der Küste von Santo Domingo entdeckt und acht Exemplare erlegt haben. Mönchsrobben wurden vor allem wegen ihres Öls gejagt, aber auch weil damalige Fischer sie als Konkurrenz beim Fischfang sahen.

Bereits in den 1880er Jahren wurde die einzige in der Karibik und im Golf von Mexiko heimische Robbenart selten, die letzte bestätigte Sichtung stammt von 1952 auf einer Koralleninsel südlich von Jamaika. Suchexpeditionen verschiedener Institutionen entdeckten die Tiere nicht wieder, und 1996 wurde die Karibische Mönchsrobbe in die Rote Liste der ausgestorbenen Säugetiere der IUCN aufgenommen. 2008 hat die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) der USA die Art schließlich offiziell als ausgestorben erklärt.

Es gibt weder einen Ort Hommingberg noch eine Gepardenforelle: Dieser Fantasiebegriff wurde erdacht, um verschiedene Suchmaschinen im Internet auf ihre Rankingmechanismen zu testen. Der Optimierungs-Wettstreit fand im Jahr 2005 statt. Das Ziel war es, mit einer Webseite über den skurrilen Fisch hohe Treffer bei bekannten Suchportalen zu erzielen.

Der Baiji-Delfin (Lipotes vexillifer) erlebte schon so manches Auf und Ab in seiner Geschichte. Mal deklarierten Forscher diese seltensten Delfine der Welt als so gut wie ausgestorben, mal sichteten chinesische Fischer die Tiere.

Noch in den 1980er Jahren war der Baiji als eine der letzten Arten von Süßwasserdelfinen zu Hunderten im Jangtse verbreitet. Mittlerweile führt die World Conservation Union (IUCN) ihn allerdings als "stark gefährdet und wahrscheinlich ausgestorben". Überfischung, starker Schiffsverkehr und Verschmutzung führten dazu, dass die sensiblen Tiere aus dem längsten Fluss Chinas verschwanden. Erst nach 50 Jahren ohne Sichtung gilt eine Art allerdings endgültig als ausgestorben, vorher wäre also gar kein Lazarus-Effekt möglich.

Auf welches Tier trifft der Lazarus-Effekt zu?