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Bei welcher dieser Praktiken handelt es sich nicht um ein Diagnoseverfahren für Epilepsie?

Julian Jakubiak
a) Wagenrad-Verfahren
b) Riechtest
c) Hyperventilationsaktivierung
d) Radon-Methode

Antwort:

Geschichten von plötzlich zu Boden fallenden Menschen, die in tranceartigem Zustand unwillkürlich zu zucken beginnen, findet man schon bei den alten Ägyptern. Kein Wunder, dass im Laufe der Jahrhunderte demnach viele Verfahren entwickelt wurden, mit denen die Menschen Epilepsie zu diagnostizieren versuchten  -  doch die Radon-Methode war keines davon.

Erklärung:

Stattdessen lassen sich mit der Radon-Methode Erdbeben vorhersagen. Bei diesem Verfahren nutzen Seismologen ein so genanntes Vorläuferphänomen von Erderschütterungen: Unterirdische Gesteinsschichten erleiden kurz vor einem Beben Risse und dehnen sich dann aus, wodurch das Edelgas Radon freigesetzt wird. Das dringt daraufhin in höher liegende Erdschichten ein und sammelt sich letztlich unmittelbar unter der Erdoberfläche. Forscher messen bei der Radon-Methode also, in welchen Mengen das Gas aus der Erde austritt. Vor allem im Wasser von Schächten schlagen sich diese Veränderungen deutlich nieder. Dort kann der Radongehalt auf das bis zu Vierfache seines Normalwerts ansteigen. Das Radon-Verfahren ist bis heute die zuverlässigste Methode, um Erdbeben vorherzusagen.

Hätte der im 15. und 16. Jahrhundert lebende Schweizer Universalgelehrte Paracelsus die Radon-Methode gekannt, wäre sie womöglich doch einmal als Epilepsie-Test zur Anwendung gekommen. Paracelsus glaubte an das so genannte Konzept der Übereinstimmung von Makro- und Mikrokosmos. Er hielt die Epilepsie, die eigentlich dadurch ausgelöst wird, dass sich Neuronen im Gehirn anfallsartig entladen, für die mikroskopische Spiegelung von Erdbeben.

Das Wagenrad-Verfahren hingegen diente tatsächlich zur Diagnose von Epilepsie  -  und zwar im antiken Rom. Angehende Soldaten mussten damals bei ihrer Musterung durch ein rotierendes Wagenrad in eine Lichtquelle schauen, zum Beispiel die Sonne. Erlitten sie einen Anfall, wurden sie ausgemustert. Die Methode ist somit eine primitive Art, Menschen auf Fotosensibilität zu testen, einer typischen Eigenschaft von Epileptikern. Heutzutage ist dieses Erscheinungsmerkmal als unwillkommene Nebenwirkung flackernder Fernseher oder Videospiele bekannt.

Beim so genannten Riechtest wird dem Patienten ein qualmendes Ziegenhorn unter die Nase gehalten. Diese Idee hatte sich der griechische Arzt Alexandros von Tralleis einfallen lassen, der im 6. Jahrhundert lebte. "Wasche dem Anfallkranken den Kopf und beräuchere seine Nase mit einem Ziegenhorn  -  er wird hinstürzen", wird der Mediziner zitiert. Seine Idee fußt darauf, dass manche Epileptiker kurz vor einem Anfall einen merkwürdigen Geruch in der Nase verspüren; das Phänomen wird Geruchsaura genannt. Zudem galt die Ziege in der Antike als das Säugetier, bei dem es am häufigsten zu epileptischen Anfällen kommt. Wie der Geruch ihres Horn jedoch zu Anfällen bei Epileptikern führen soll, bleibt wohl das Geheimnis des Alexandros von Tralleis.

Eine der modernen Methoden zur Diagnose von Epilepsie ist hingegen die Hyperventilationsaktivierung. Mit Hilfe eines EEG werden die Hirnwellen des Patienten gemessen, während er in eine Plastiktüte atmet und daraufhin zu hyperventilieren beginnt. Mit diesem Verfahren kann erkannt werden, inwieweit das Gehirn bereit ist, sich epileptisch zu entladen.

Bei welcher dieser Praktiken handelt es sich nicht um ein Diagnoseverfahren für Epilepsie?

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