Der Apothekenhelfer August Engelhardt ...

Angelika Jacobs
a) gründete einen Orden nudistischer Sonnenanbeter
b) glaubte an die Unsterblichkeit durch Kokosnuss-Diät
c) erklärte das Tragen jeglicher Kopfbedeckung für gehirnschädigend
d) rief das Weltreich der Obstesser aus

Antwort:

Alle Antworten sind richtig.

Erklärung:

August Engelhardt wurde am 27. November 1875 in Nürnberg geboren. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Apothekenhelfer und studierte Physik und Chemie an der Universität Erlangen. Berufsbedingt begann er, sich mit gesunder Ernährung zu befassen und wurde bald darauf Vegetarier. 1899 schloss er sich einer Vereinigung für ein naturnahes Leben an, dem so genannten "Jungborn". In dieser Zeit entwickelte er seine Philosophie auf den Grundpfeilern der Sonnenverehrung und der Kokosnuss-Diät ("Kokovorismus").

Nach dem Tod seiner Eltern erbte er eine erhebliche Summe Geldes und beschloss, nach Deutsch-Neuguinea auszuwandern. 1902 kaufte er ein 75 Hektar umfassendes Gebiet auf der Insel Kabakon, auf der sich zu dieser Zeit Kokosnussplantagen befanden. Dort gründete er seinen nudistischen Sonnenorden, um seine Idealvorstellungen von einer naturverbundenen Lebensweise zu verwirklichen. Er verzichtete vollständig auf Kleidung und ernährte sich von tropischen Früchten. Nachdem er am rechten Bein ein Geschwür entwickelte, stellte er seine Ernährung komplett auf Kokosnüsse um, da er den Früchten die Schuld für seine Gesundheitsprobleme gab.

Mit Hilfe von Prospekten, die in Deutschland veröffentlicht wurden, gewann er neue Anhänger für seine Weltanschauung und lockte sie nach Kabakon. Einer seiner Aussprüche lautet "Nackter Kokovorismus ist Gottes Wille. Die reine Kokosdiät macht unsterblich und vereinigt mit Gott." Dieser Aussage zum Trotz starben die meisten Anhänger des Kokovorismus binnen weniger Monate nach ihrer Ankunft oder kehrten Kabakon und Engelhardt bald den Rücken.

August Engelhardt, 1911
© E. A. Hurry
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAugust Engelhardt, 1911
Im Laufe der Zeit wurden seine Lehren immer abstruser: So erklärte er das Gehirn zum edelsten Teil des menschlichen Körpers und negierte, dass dieser seine Energie von einem so unreinen Körperteil wie dem Verdauungstrakt beziehen könnte. Stattdessen erhielte es seine Kraft aus den Haarwurzeln, die ihrerseits Energie aus dem Sonnenlicht gewannen. Daher sei das Tragen jeglicher Kopfbedeckung schädlich.

Im Jahre 1905 war er schließlich so entkräftet, abgemagert und von Geschwüren gebeutelt, dass er in das Krankenhaus in Herbertshöhe (heute Kokopo) gebracht werden musste. Nach seiner Genesung bemühte er sich um offizielle Anerkennung seines Sonnenordens, was der deutsche Gouverneur jedoch ablehnte.

Mit seinem treuesten Mitstreiter, August Bethmann, verfasste er weitere Werbeschriften und entwickelte die Vorstellung, die Kokosnuss-Diät schütze vor Malaria. Nachdem Bethmann 1906 an ebendieser Krankheit verstarb, warf Engelhardt dessen Ehefrau Anna Schwab vor, sie habe ihn umgebracht, indem sie ihn zum Verzehr tropischer Früchte überredet hätte. Sie kehrte daraufhin nach Deutschland zurück und wurde zur schärfsten Kritikerin des Sonnenordens.

Auf öffentlichen Druck hin erließ der Gouverneur ein Verbot der weiteren Rekrutierung für Engelhardts Sekte. Die Kolonie auf Kabakon war zu diesem Zeitpunkt beinahe ausgestorben; 1909 war nur noch Engelhardt selbst übrig.

Ein früherer Anhänger des Kokovorismus, Wilhelm Bradtke, überzeugte Engelhardt schließlich davon, die reine Kokosnuss-Diät aufzugeben und Fleisch zu essen, da sich sein Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte. Engelhardt wandte sich wieder dem Schreiben zu und veröffentlichte das Magazin "Für Sonne, Tropen und Kokosnüsse".

Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch die Aussage, dass er ein "internationales tropisches Kolonialreich des Fruktivorismus" begründen wolle, das den gesamten Pazifik, Südamerika, Südostasien und Zentralafrika umfassen sollte: "Der Sonnenorden wird zunächst Kabakon besiedeln, von da aus den Bismarck-Archipel, dann Neuguinea und die Inseln des Stillen Ozeans, schließlich das tropische Zentral- und Südamerika, das tropische Asien und das äquatoriale Afrika. Ich fordere alle Fruktivoren und Freunde der naturgemäßen Lebensweise auf, mitzuhelfen bei dem Bau des Palmentempels des Fruktivorismus, den es aufzurichten gilt, mitzuwirken bei der Gründung des fruktivorischen Weltreichs."

Weitere Anhänger konnte er dadurch jedoch nicht nach Kabakon locken. Auch die Pläne einer amerikanischen Vegetarier-Vereinigung, sich Engelhardt anzuschließen, zerplatzten mit Beginn des ersten Weltkriegs. Nach der Eroberung Deutsch-Neuguineas durch Australien wurde er drei Wochen lang als Kriegsgefangener festgehalten, dann jedoch als "harmloser Irrer" entlassen. Er verfolgte seinen bisherigen Lebensstil auf Kabakon weiter bis zu seinem Tod im Jahre 1919.

Der Apothekenhelfer August Engelhardt ...