Der Name welcher Frühmenschenart geht auf einen deutschen Kirchenliederdichter zurück?

Elena Bernard
a) Homo rudolfensis
b) Homo helmei
c) Homo neanderthalensis
d) Homo floresiensis

Antwort:

Die Bezeichnung Homo neanderthalensis bezieht sich auf den Fundort im Neandertal. Dieses hat seinen Namen allerdings von dem Kirchenliedautor Joachim Neander (1650-1680), der in dem nach ihm benannten Tal gelebt hat.

Erklärung:

Fünf Jahre lang, von 1674 bis 1679, lebte der in Bremen geborene reformierte Theologe Joachim Neander in der Nähe von Düsseldorf. Viele seiner Lieder soll er auf Spaziergängen durch das später nach ihm benannte Tal gedichtet haben. Noch heute beliebt ist sein Klassiker "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren". Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus der einst naturschönen Schlucht ein Kalksteinbruch. Bei Abbauarbeiten tauchten im August 1856 fossile Knochen auf, die sich später als Überbleibsel einer ausgestorbenen Menschenart herausstellten: des Homo neanderthalensis.

Zunächst spekulierten Wissenschaftler wie der Berliner Pathologe Rudolf Virchow, ob es sich um einen missgestalteten Homo sapiens gehandelt haben könnte. Der Bonner Anatom August Franz Mayer schlug gar vor, die Knochen stammten von einem krummbeinigen Kosaken aus den Napoleonischen Kriegen. Den Status einer eigenen Art bekam der Neandertaler erst 1864 durch den irischen Geologen William King, der ihm den wissenschaftlichen Namen Homo neanderthalensis verlieh.

Den wohl bekanntesten Namensvater hat der Homo rudolfensis, der mit einem geschätzten Alter von 1,8 bis 2,5 Millionen Jahren einigen Forschern als die ursprünglichste Menschenart gilt. Sein Fundort, der kenianische Rudolfsee, erhielt seine Bezeichnung zu Ehren des österreichischen Kronprinzen Rudolf, dem Sohn der berühmten Kaiserin Sissi. Namensgeber war der ungarische Graf Samuel Teleki, der den See als Erster beschrieb. Auch wenn der Rudolfsee heute als Turkana-See bekannt ist, hält der Homo rudolfensis die Erinnerung an den früheren Namen wach – zumindest solange er noch als eigene Art anerkannt wird. Denn inzwischen spekulieren Forscher auf Basis neuer Fossilfunde, dass Homo habilis, Homo erectus, Homo ergaster und Homo rudolfensis alle zu einer Art gehören.

Damit würde ihn das gleiche Schicksal ereilen wie den Homo helmei. Unter diesem Artnamen wurde einst ein 1932 im südafrikanischen Florisbad gefundenes Fossil geführt, das heute entweder als archaischer Homo sapiens oder als Homo heidelbergensis eingestuft wird. Geldgeber der Ausgrabungen war Robert E. Helme, Sohn eines Industriellen aus der englischen Grafschaft Lancashire. Ihm verdankt der Homo helmei seinen Namen. Die rund 250 000 Jahre alten Schädelfragmente, die dem vermeintlichen Homo helmei gehören sollten, stammen aus Thermalquellen, die der Unternehmer Floris Venter zu Bädern ausgebaut hatte. Angeblich soll er aus Angst vor Einnahmeverlusten nicht erlaubt haben, die Bäder zwischenzeitlich trocken zu legen, so dass der Entdecker, der Zoologieprofessor T.F. Dreyer im Wasser stehend auf dem Grund nach Fossilien tasten musste.

Mit ganz anderen Problemen hatten 2003 die Entdecker des Homo floresiensis zu kämpfen: Die Knochen ihres Fundes waren nicht versteinert und somit sehr empfindlich. Erst getrocknet und mit Leim ausgegossen konnten die Forscher sie von ihrem Fundort, einer Höhle auf der indonesischen Insel Flores, abtransportieren. Die kleinwüchsige Gestalt des Homo floresiensis hat ihm in Anlehnung an J.R.R. Tolkien den Spitznamen "Hobbit" eingebracht. Die Insel selbst bekam ihren Namen von den Portugiesen: Als portugiesische Händler 1544 das östliche Kap sichteten, müssen sie es wohl für besonders blumenreich gehalten haben, denn sie nannten es "Cabo des Flores", also "Kap der Blumen". Spätere Siedler behielten den Namen Flores für die gesamte Insel bei, auch wenn dort vermutlich nicht mehr Blumen wachsen als anderswo in Indonesien.

Der Name welcher Frühmenschenart geht auf einen deutschen Kirchenliederdichter zurück?