Häufig ist auf Joghurt-Verpackungen etwas von "rechtsdrehend" zu lesen. Wer oder was dreht dabei eigentlich?

a) Polarisiertes Licht
b) Milchsäurebakterien
c) Milchsäure
d) Verkäufer am Preis
e) Laktose

Antwort:

Die Milchsäure dreht die Schwingungsebene des linear polarisierten Lichts.

Erklärung:

Milchsäure (CH3-CHOH-COOH) ist eine optisch aktive Substanz; das heißt, die Moleküle kippen auf Grund ihrer asymmetrischen Struktur die Schwingungsebene linear polarisierten Lichtes. Es gibt zwei Arten von Milchsäuremolekülen: L- und D-Milchsäure. Sie sind aus den gleichen Atomen zusammengesetzt und haben die gleichen chemischen und physikalischen Eigenschaften, unterscheiden sich aber wie zwei Handschuhe in der räumlichen Anordnung: Bei der L-Milchsäure befindet sich die entscheidende OH-Gruppe am mittleren Kohlenstoff-Atom links, bei der D-Milchsäure rechts. Leitet man polarisiertes Licht durch eine Lösung von D-Milchsäure, wird die Schwingungsebene des linear polarisierten Lichtes an den Molekülen nach links abgelenkt; L-Milchsäure ist dagegen rechtsdrehend. Sind in einer Lösung gleich viele links- und rechtsdrehende Milchsäure-Moleküle vorhanden, hebt sich deren Wirkung auf die Schwingungsebene polarisierten Lichts gegenseitig auf.

In der Natur kommen rechts- und linksdrehende Milchsäure tatsächlich meist im gleichen Verhältnis vor, im Kühlregal dagegen seltener: Da der menschliche Körper rechtsdrehende Milchsäure mit Hilfe eines speziellen Enzyms schnell abbauen kann, gilt sie als besonders gesund – daher wird Joghurt häufig mit einem höheren Anteil rechtsdrehender Milchsäure abgefüllt und beworben. Infolgedessen kann auch der Verkäufer am Preis drehen – besonders gesund lässt sich auch besonders teuer verkaufen. Linksdrehende Milchsäure wird dagegen vom Körper deutlich langsamer abgebaut. Dadurch bleibt die Säure bei der Verdauung lange erhalten und kann Patienten mit Erkrankungen des Darms oder Säuglinge gefährden. Für gesunde Erwachsene hingegen halten Ernährungsexperten linksdrehende Milchsäure für ungefährlich.

Die Milchsäurebakterien wandeln den ebenfalls optisch aktiven Milchzucker (Laktose) in Milchsäure um und sind daher unverzichtbar für die Herstellung saurer Milchprodukte wie Joghurt oder Buttermilch. Die Laktose-Konzentration im Joghurt ist daher gering. Auch wenn es rechtsdrehende Laktose-Moleküle gibt, haben sie mit dem werbewirksamen Packungsaufdruck ebenso wenig zu tun wie die Milchsäurebakterien: Wie auch immer die sich bei ihrer Arbeit bewegen – einen Links- oder Rechtsdrall haben sie jedenfalls nicht.
Polarimeter
© Spektrum Akademischer Verlag
(Ausschnitt)
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Der Polarisator stellt aus nicht-polarisiertem Licht linear polarisiertes her. a) Das polarisierte Licht ist nicht zu sehen, da der Analysator A senkrecht zur Polarisationsrichtung des ankommenden Lichts eingestellt ist - die nur in einer Ebene schwingenden Lichtwellen können die Spalten des Analysators nicht passieren. b) Eine in den Strahlengang gebrachte optisch aktive Substanz, beispielsweise Milchsäure, dreht die Polarisationsebene des Lichts: Das Licht ist im Gesichtsfeld G zu sehen. c) Der Winkel, um den die Substanz die Schwingungsebene des polarisierten Lichts gedreht hat, lässt sich durch Nachdrehen des Analysators bestimmen - indem man ihn so weit dreht, bis das Licht nicht mehr zu sehen ist.

Häufig ist auf Joghurt-Verpackungen etwas von "rechtsdrehend" zu lesen. Wer oder was dreht dabei eigentlich?