Madagaskar exportiert viele Gewürze. Mit welchem beherrscht es sogar den Weltmarkt?

Antje Findeklee
a) Gewürznelken
b) Zimt
c) Vanille
d) Muskatnuss

Antwort:

Trotz eines verheerenden Einbruchs Anfang des neuen Jahrtausends, der unter anderem auf Ernteverluste durch Wirbelstürme zurückging, ist Madagaskar inzwischen wieder der größte Produzent von Vanille. Doch die Position wankt.

Erklärung:

Ursprünglich stammt Vanille, die Orchideenart Vanilla planifolia, aus Mexiko. Die Azteken, so berichten die spanischen Eroberer, würden damit ihr königliches Schokoladengetränk verfeinern. Das begeisterte schnell auch die europäischen Hoheiten, die bitteren Kakao mit Vanillegeschmack zum Modegetränk machten. In England wird das Gewürz "geadelt" und für den Gebrauch am Hofe zugelassen, während Kardinal Richelieu lieber die Damen mit Hilfe daraus hergestellter Duftkügelchen betört.

Blieb nur ein Problem: Die begehrte Pflanze gedieh nur im tropischen Amerika – weil ihr woanders die Bestäuber – bestimmte Bienen- und Kolibri-Arten – fehlten. Zwar wuchsen geschmuggelte Vanille-Lianen andernorts bereitwillig an, die Schoten aber bildeten sie nicht. Die Spanier genossen daher Jahrhunderte lang eine erquickliche Geldquelle. Bis der belgische Botaniker Charles Morren erkannte, dass Vanille ein Selbstbestäuber ist, der eigene Pollen einer Pflanze die Blüten also befruchten kann.

Seine 1838 vorgestellte Methode ebnete damit den Weg für den weltweiten Vanille-Anbau, der Ruhm für den eigentlichen Durchbruch aber gebührt dem Sklavenjunge Edmond Albius. Er hatte drei Jahre später auf der Insel La Réunion – die früher Ile der Bourbon hieß, daher der Begriff Bourbon-Vanille – mit einem Kaktusstachel die Membran zurückgebogen, die sonst Pollen und Stempel von einander trennt und eine Befruchtung verhindert. Ein sanfter Druck von Daumen und Zeigefinger vereint die beiden Geschlechter, und eine Frucht reift heran.

Seit 1912 wird auch in Madagaskar Vanille angebaut, die als eine der hochwertigsten im internationalen Vergleich gilt. Bis in die 1970er Jahre kamen bis zu vier Fünftel der weltweiten Produktion von der Insel. Exportsteuern, Verwüstungen durch Wirbelstürme und der Einstieg in den Anbau auch in anderen Staaten brachte den Weltmarktpreise Berg- und Talfahrten und für Madagaskar die Vorherrschaft jedoch ins Wanken. Nachdem sich der Wirtschaftszweig gerade wieder einigermaßen erholt hatte, zerstörte Anfang des Jahres 2007 der Wirbelsturm Indlala achtzig Prozent der Ernte an der "Vanilleküste" im Nordosten der Insel. Hier in der Provinz Sava leben fast siebzig Prozent der Bevölkerung vom Vanille-Anbau.

Bekannt für ihre Qualität sind auch die Gewürznelken von Madagaskar – doch liegt deren Hauptanbaugebiet auf der zu Tansania gehörenden Insel Pemba. Die getrockneten Blütenknospen des Nelkenbaums (Syzygium aromaticum) sind seit dem Mittelalter in Europa bekannt. Das Myrtengewächs stammt ursprünglich von der Inselgruppe der Molukken, die ehemals als Gewürzinseln bezeichnet wurden und heute zu Indonesien zählen. Sie eignen sich nicht nur als Würzmittel, sondern wirken auch hervorragend gegen Zahnschmerzen.

Bei Zimtstangen sind vor allem zwei Arten zu unterscheiden: der Ceylon-Zimtbaum (Cinnamomum zeylanicum) und der Chinesische Zimtbaum (Zimtkassie; Cinnamomum aromaticum oder auch Cinnamomum cassia). Es handelt sich um die abgeschälte Rinde junger Zweige, die fermentiert werden. Anbauregionen sind vor allem Sri Lanka, China, Vietnam, Indien die Sunda-Inseln und Brasilien.

Auch die Muskatnuss (Myristica fragrans) stammt ursprünglich von den Molukken, heute wird sie insbesondere im östlichen Indonesien und auf der Antilleninsel Grenada angebaut. Letztere hat dieses ihr Hauptexportprodukt sogar in seiner Flagge verewigt.

Übrigens: Spannende Berichte von der Vanille-Insel finden Sie in den Mails aus Madagaskar von Lennart Pyritz.