Seit wann gibt es den Wecker?

Cornelia Reichert
a) Antike
b) Mittelalter
c) Renaissance
d) Industriezeitalter

Antwort:

Bereits seit der Antike verhindern gezielte Weckvorrichtungen morgendliches Verschlafen.

Erklärung:

Schon in der Antike kam man nicht ohne präzise Zeitabsprachen aus, und bereits damals war der allmorgendliche Kampf ums Aufstehen nicht ohne Hilfsmittel zu gewinnen. Den ersten Weckapparat erfand vermutlich der griechische Philosoph Platon im 4. Jahrhundert v. Chr., indem er eine Wasseruhr umfunktionierte: Aus einem Gefäß tröpfelte permanent Wasser in ein zweites Gefäß, das bei einer zeitabhängigen Füllhöhe umkippte und sich in einen dritten Behälter entleerte. Die darin befindliche Luft wurde schlagartig komprimiert und entwich über ein Pfeifenventil, dessen schriller Ton offenbar auch Tote hätte wieder beleben können.

Seitdem hat unser Erfindungsgeist eine Menge skurriler Weckmethoden hervorgebracht. Nach den eher gewöhnlichen mechanischen Weckern des Mittelalters, die vor allem bei Mönchen sehr beliebt waren, sann in der Renaissance das Universalgenie Leonardo da Vinci darüber nach, wie sich seine Zeitgenossen möglichst abrupt aus dem Schlaf reißen ließen. Seine Wasserweckmaschine von etwa 1420 war mehr als brutal: Füllte sich die Waagschale einer Wasseruhr bis zu einer bestimmten von der gewünschten Weckzeit abhängigen Höhe, löste sie einen Hebel aus, der dem Schlafenden die Decke wegzog oder einfach nur sein Bett zum Wackeln brachte.

Ebenso brachial bereiteten Kerzenwecker jedem Schlaf ein jähes Ende: In das Wachs waren Bleigewichte eingelassen, die nach der gewünschten Brenndauer in eine darunter stehende Blechschale polterten. Bis ins 19. Jahrhundert knallte es auf diese Weise in den Schlafzimmern des einfachen Volkes.

Auch während des Industriezeitalters nahmen die fiesen Weckrituale kein Ende. Von sich auf andere schloss beispielsweise Levi Hutchins, als er 1787 einen Wecker baute, der zwar vollautomatisch, aber nur morgens um vier läutete. Das war die Zeit, zu der Hutchins gewöhnlich aufstand – und eben auch jeder Käufer seines Wunderwerks, denn verstellen ließ sich die Weckzeit nicht.

Auch die deutschen Weckzeremonien scheinen eher gewöhnungsbedürftig: Um die letzte Jahrhundertwende ließ man sich hier Elektrisierweckapparate und Weckvorrichtungen patentieren, bei denen die Kopfplatte des Bettes hochschnellt – inklusive einer verstärkten Mechanik für schwere Köpfe. Auch da Vincis Idee vom gelüfteten Federbett tauchte wieder auf. Modern und einfach dagegen funktioniert der "Frankfurter Wecker": mit Beginn des morgendlichen Flugbetriebs am Rhein-Main-Flughafen fallen die Anwohner seiner Einflugschneise aus ihren Betten.

Da lassen wir uns doch viel lieber milde und gefühlvoll auf unser Tagesgeschäft einstimmen. Nach französischem Patent mutiert der Wecker zum Butler, den auch der tüftelnde Knetmassehund Gromit nicht hätte besser ausstatten können: Pünktlich schließt er den Kontakt für den Heizwiderstand der Kaffeemaschine und fürs Licht. Und kaum ist der Kaffee in der Tasse, schaltet sich das Radio mit dem Lieblingssender ein.

Seit Anfang 2006 gehört die rohe Weckgewalt aber endgültig der Vergangenheit an: Der Schlafphasenwecker AxBo von Axel Ferro und Boris Eis, den man nur auf eine halbe Stunde genau einstellt, verspricht ein Aufwachen der angenehmsten Sorte. In dieser Zeit misst er die Körperbewegungen des Schlafenden und passt so die günstigste Schlafphase ab, damit wir uns fühlen, als seien wir von selbst aufgewacht.

Seit wann gibt es den Wecker?