Wann erleidet eine Katze die wenigsten Knochenbrüche? Bei einem Fall aus dem ...

Sandra Czaja
junges Bengal-Kätzchen beim Fallen
© iStock / Anna Utekhina
(Ausschnitt)
a) 1. Stock?
b) 3. Stock?
c) 5. Stock?
d) 7. Stock?

Antwort:

In der Regel ist die erste Etage die sicherste, allerdings nehmen ab dem siebten Stockwerk die Knochenbrüche ebenfalls wieder ab.

Erklärung:

Egal aus welcher Höhe eine Katze fällt, nach weniger als einer halben Sekunde hat sie sich gedreht und landet mit den Füßen zuerst. Wie sie dies schafft, klärte Étienne Jules Marey bereits im Jahr 1894, nachdem die Pariser Akademie der Wissenschaften zur Lösung dieses "wissenschaftlichen Problems" aufgerufen hatte. Er zeigte mit Hilfe von Fotografien, dass Katzen erst ihren Vorderkörper drehen und anschließend ihren Hinterleib, wobei sie wechselseitig die Beine anziehen und wegstrecken, um das jeweilige Trägheitsmoment zu verändern. Der Reflex hierzu ist angeboren und bereits in der siebten Lebenswoche vollständig ausgebildet.

Doch nur weil eine Katze immer auf ihren Füßen landet, heißt dies noch lange nicht, dass sie sich dabei keine Verletzungen zuzieht. Besonders das dritte bis fünfte Stockwerk könnte man als Todeszone Nummer eins bezeichnen – zehn Prozent aller Katzen, die aus dieser Höhe stürzten, überleben ihre Brüche und Quetschungen nicht. Fallen sie dagegen sieben oder mehr Stockwerke tief, verletzten sie sich weniger schwer, und nur fünf Prozent lassen ihr Leben. Die Zahlen erhoben zwei New Yorker Tierärzte bereits 1987, als sie innerhalb von fünf Monaten Fallhöhe und Verletzungsschwere von mehr als hundert gestürzten Stubentigern aufzeichneten.

Das Katzenskelett an sich ist anatomisch perfekt, um Stürze abzufedern: Mit nur noch einem rudimentären Rest-Schlüsselbein ohne Verbindung zum übrigen Skelett und mit einer äußerst flexiblen Wirbelsäule können sie sich extrem verbiegen. Die Polster unter ihren Pfoten zusammen mit der Dehnbarkeit ihrer Gelenke erlauben ihnen die Erschütterung des Aufpralls fast vollständig zu absorbieren. Allerdings erklärt dies noch nicht, warum sie Stürze aus größerer Höhe besser abfedern können als solche aus mittlerer.

Dabei kommen der Katze physikalische Gesetzmäßigkeiten zugute: Im freien Fall wirkt der Luftwiderstand gegen die Erdanziehung, und wenn beide gleich groß sind, hat ein fallender Körper seine Endgeschwindigkeit erreicht und kann nicht weiter beschleunigen. Eine Katze beschleunigt deshalb maximal auf 80 Kilometer pro Stunde, bei denen sie nach etwa 30 Metern (sechs bis sieben Stockwerke) angekommen ist. Das Tier mit der größten Fallhöhe in der besagten Studie der New Yorker Tierärzte überlebte das 32. Stockwerk mit einem abgebrochenen Zahn und einer leichten Lungenverletzung. Anstatt Knochenbrüche haben gefallene Samtpfoten nach einem solchen Erlebnis häufiger innere Verletzungen und noch öfter Nasenbluten.

Im Mittelalter fürchteten die Menschen diese unheimliche Fähigkeit der Katzen, immer mit dem Leben davonzukommen. Die christliche Kirche sah sie als Abbild Satans an, und die abergläubischen Massen dachten sich immer neue schreckliche Todesarten für die einst heiligen Tiere aus. Doch selbst vom Kirchturm geworfen, überlebten sie in der Mehrheit der Fälle, wodurch sie nur noch gefährlicher erschienen. Im Volk verbreitete sich die Ansicht, in ihnen hausten mehrere Dämonen, die ihnen sieben Leben bescherten – im englischen Sprachraum sogar neun.