Wann gelang der Zahl Null der Durchbruch in Europa?

a) Zur Zeit Cäsars
b) Im 8. Jahrhundert
c) Im 13. Jahrhundert
d) Mit der französischen Revolution

Antwort:

Erst mit der französischen Revolution wurde offiziell die Zahl Null eingeführt.

Erklärung:

Die Null ist heute aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, dabei wurde sie im Vergleich zu anderen Ziffern erst sehr spät "erfunden" und kam nach einer wechselvollen Geschichte auch als letzte in Europa an.

Zwar kannten die Babylonier schon ein Leerzeichen, das der Zahl Null entspricht, es war aber wohl eher ein Notbehelf, um Verwechslungen zwischen ähnlichen Zahlen zu vermeiden. Außerdem kam noch niemand auf die Idee, damit zu rechnen. Auch die Maya kannten ein Zeichen für die Null, das dort als Symbol des Todes aber wohl eher mystische als mathematische Bedeutung hatte. Sowohl Ägypter als auch Römer kamen ganz ohne die Null aus. Sie sahen offensichtlich keine praktische Veranlassung dazu, dem "Nichts" eine Zahl zuzuweisen.

Erst die Inder erfanden im fünften nachchristlichen Jahrhundert den eigentlichen Vorläufer unserer Null und begriffen ihre ungeheure Bedeutung in der höheren Mathematik: "Dividiert man irgendeine Zahl durch das Nichts, so wird Unendlichkeit", schrieb der indische Gelehrte Brahmagupta im siebten Jahrhundert und begründete damit die moderne Algebra.

Die Araber stießen auf ihren Handelsreisen auf die indische "Erfindung", importierten sie kurzerhand und entwickelten sie weiter. So wurde Mohammed Ibn Musa al-Charismi um 800 nach Christus mit seinen Büchern über die indische Mathematik zu einem weiteren Wegbereiter der modernen Mathematik. Ihm zu Ehren nannten sich die Verfechter der neuen arabisch-indische Zahlenlehre "Algoristen". Während die Befürworter des alten römischen Systems, weil sie beim Rechnen einen Abakus benutzten, "Abakisten" genannt wurden.

Und letztere dominierten bei weitem in der mittelalterlichen gelehrten Welt. Es ist also kein Wunder, dass sich in Europa zunächst geschlossener Widerstand gegen die Einführung der "teuflischen" arabischen Zahlen regte. Vor allem die nihilistische Null wurde mit geradezu abergläubischer Furcht beäugt. Erst der Mathematiker Leonardo Fibonacchi konnte die Kaufleute vom Wert der Null überzeugen. Erschloss sich doch für sie dadurch die Welt der negativen Zahlen und die Möglichkeit, Defizite oder Schulden einfach auszuzeichnen und zu berechnen.

Dennoch setzte sich die Null immer noch nicht durch. 1299 wurde in Florenz gar das Verwenden von arabischen Zahlen in Verträgen und offiziellen Dokumenten verboten. So tobte jahrhundertelang der ideologische Kampf zwischen Algoristen und Abakisten, und die Segnungen der modernen Zahlenlehre blieben lange Zeit der breiten Bevölkerung vorenthalten – die zu diesem Zeitpunkt aber auch ganz andere Sorgen hatte und kaum lesen und schreiben konnte.

Den definitiven Durchbruch schafften die indisch-arabischen Zahlen erst mit der französischen Revolution. Die Revolutionäre verbannten den Abakus als Zeichen der alten Knechtschaft aus Schule und Verwaltung und führten die leichter verständliche und daher "demokratische" Arithmetik ein. Damit war die Null endlich offiziell in Europa angekommen.

Wann gelang der Zahl Null der Durchbruch in Europa?