Warum sind Vogeleier gefleckt?

Immo Wille
a) Orientierung der Eltern
b) Tarnung vor Feinden
c) Robustheit der Schale
d) optische Angleichung

Antwort:

Im Prinzip sind alle Varianten möglich. Auf jeden Fall aber handelt es sich bei den Flecken der Vogeleier auch um eine Art Kleber, der die Schale festigt.

Erklärung:

Einst waren sie wegen ihrer Schönheit das Objekt der Begierde von Sammlern – ein Habitus, der heutzutage in vielen Ländern verboten ist: Vogeleier sind oft mit Flecken oder Tupfern verziert. Besonders ausgeprägte Sprenkelungen zeigen Sperlingsvögel, wie Kohlmeisen, Blaumeisen, Grasmücken oder Spatzen.

Seit über hundert Jahren wird heiß über die Frage diskutiert, warum Vogeleier gefleckt sind. Und es gibt eine Reihe von Annahmen, die gar nicht so abwegig erscheinen.

So könnten Flecken nistenden Vögeln bei der Orientierung helfen, um die verschiedenen Eier zu unterscheiden. Damit wäre es den Eltern möglich, ihre Eier gleichmäßig zu wärmen und zu drehen.

Als Haupttheorie galt allerdings bislang, die Sprenkelung diene der Tarnung, um die Eier vor Räubern zu verbergen. Bei am Boden nistenden Wasservögeln – beispielsweise Regenpfeifer und Möwen – ist das tatsächlich der Fall. Doch die Färbung kommt bei verschiedenen Arten vor – auch solchen, die keine Tarnung brauchen: Kohlmeisen bedecken ihr Gelege mit Gras und Zweigen, wodurch es von oben nicht erkennbar ist.

Beim Kuckuck dienen die Flecken dazu, die Eier optisch anzugleichen: Als Brutschmarotzer legt er seine Eier in fremde Nester und passt die Färbung seines Geleges jeweils der Vogelart an.

Doch viel wichtiger ist es, die Unversehrtheit der Eier zu gewährleisten. Bei Wassereiern reicht dafür eine Membran aus. Da Luft aber achthundertmal dünner als Wasser ist, benötigen die Eier von Landtieren eine feste Schale – nicht zuletzt, um das kostbare Innere vor der Austrocknung zu schützen.

So scheint die Robustheit der Schale, die zu 94 Prozent aus Kalzium besteht, eine entscheidende Rolle zu spielen. Tatsächlich ließ sich ein Zusammenhang der Flecken mit der Kalzium-Versorgung bei Kohlmeisen (Parus major) nachweisen: Vögel aus kalziumarmen Regionen legen Eier mit mehr Flecken als Artgenossen mit einer guten Kalzium-Versorgung. Die Flecken könnten also dazu beitragen, die dünneren Schalen der kalziumunterversorgten Vögel zu stabilisieren und für mechanische Einwirkungen weniger anfällig zu machen.

Protoporphyrin heißt der Stoff, aus dem die Flecken sind – ein Farbstoff, dessen Ringsystem sich durch besondere Stabilität auszeichnet und deshalb vielfältig in der Natur vorkommt. Gerade die dünneren Bereiche der Schale sind es, in die Protoporphyrin eingelagert wird. Diese werden hierdurch elastischer und können Stöße besser abfangen.

Warum sind Vogeleier gefleckt?