Was benötigte Emunctator sorbens zur Ernährung?

Andreas Jahn
a) Nasenschleim
b) Milch von Columnifax
c) Darmgase
d) Schwanzklauengift
e) Mundgeruch

Antwort:

Emunctator sorbens, zu deutsch: Schneuzender Schniefling, fischte mit langen Schleimfäden aus der Nase Insektenlarven aus dem Wasser.

Erklärung:

Emunctator sorbens gehörte zu der inzwischen ausgestorbenen Säugetierordnung der Rhinogradentia, die auf der Südsee-Inselgruppe Heieiei ansässig waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Inseln durch einen versehentlichen Atombombenversuch restlos zerstört worden. Ohne die kurz zuvor vom Kustos am Museum des Darwin-Instituts in Mairúwili, Harald Stümpke, fertig gestellte Beschreibung, die der Heidelberger Zoologe Gerolf Steiner 1957 publiziert hat, wäre das Wissen über diese Tiergruppe mit untergegangen.

Die Rhinogradentia oder Naslinge zeichneten sich durch eine bei den Wirbeltieren einzigartige Ausgestaltung der Nase aus. Bei dem zur Familie der Rhinocolumnidae (Säulennaslinge) zählenden Emunctator sorbens diente das langgezogene Geruchsorgan als Produzent von Fangfäden. Das rattengroße Tier lebte auf der Insel Heidadaifi am Ufer langsam fließender Gewässer und klammerte sich an über das Wasser reichende Pflanzenstängel fest. Von hier aus schneuzte Emunctator feine Schleimfäden ins Wasser, an denen Wasserinsekten, Kleinkrebse oder auch kleine Fische hängen blieben. Der Schniefling gelangte dann leicht an die Beute, indem er die hochgezogenen Fäden ableckte.

Zur gleichen Familie wie die Schnieflinge gehörte die Gattung Columnifax (Säulennase). Diese auf ihrer Nase festgewachsenen Tiere konnten selbst keine Beute machen und waren deshalb auf eine Symbiose mit Hopsorrhinus mercator (Healeys Nasenhopf) angewiesen. Hopsorrhinus wiederum war zwar durch seine zu einem Sprunggelenk umgewandelte Nase äußerst agil, seine Beute – kleine Einsiedlerkrebse in der Gezeitenzone – konnte er aber wegen seines verkümmerten Munds nicht selbst verzehren. Daher bot er seinen Fang den sessilen Säulennasen an, die ihn dafür an ihren Brüsten Milch trinken ließen.

<i>Nasobema lyricum</i>
© Spektrum Akademischer Verlag
(Ausschnitt)
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Das Große Morgenstern-Nasobem (Nasobema lyricum) gehört zu den bekanntesten Vertretern der Rhinogradentia. Der Dichter Christian Morgenstern hat ihm ein lyrisches Denkmal gesetzt.


Der bekannteste Nasling dürfte Nasobema lyricum (Großes Morgenstern-Nasobem) gewesen sein. Bei dem zur Unterordnung Polyrrhina (Vielnasen-Naslinge) zählenden Tier waren die vier gleichartigen Nasen, auf denen es voranschritt, besonders markant. Das vegetarisch lebende Tier gelangte an hoch gewachsene Früchte, indem es schlagartig Darmgase aus dem Blinddarm in den langen Schwanz pumpte, der sich daraufhin prall aufblähte und über vier Meter nach oben schoss. Mit dem Schwanzende konnte dann das Nasobem die Frucht ergreifen. Anschließend entwich das Gas unter leisen Pfeifen, sodass der Schwanz sich wieder kontrahierte und die Nahrung zum Mund führte.

Nasobema lyricum wurde häufig Opfer des räuberischen Tyrannonasus imperator. Die Raubnase besaß am Schwanzende eine Giftklaue, mit der es seine hilflose Beute lähmte und tötete.

Die festsitzenden Nasenblümchen (Cephalanthus) zeichneten sich durch kurze, breite Nasen aus, die um den Mund blumenblattartig gespreizt angeordnet waren. Mit dem hier ausströmenden süßlichen Geruch lockten die Tiere, deren geistige Fähigkeiten eher gering gewesen sein dürften, Insekten an und ergriffen sie durch die schnell zusammenklappbaren Nasen. Wichtigster Vertreter dieser Gattung ist das Wundernasenblümchen Cephalanthus thaumasios, das auch unter dem Namen Corbulonasus longicauda bekannt ist.

Die Rhinogradentia haben auch Eingang in die Literatur gefunden. So beschreibt der Dichter Christian Morgenstern (1871-1914) in seinen 1905 erschienen "Galgenlieder" das Nasobem:

Auf seinen Nasen schreitet
einher das Nasobem,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.

Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum ersten Mal ans Licht.

Auf seinen Nasen schreitet
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobem.

Was benötigte Emunctator sorbens zur Ernährung?