Was können Tachyonen?

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© John Foxx
(Ausschnitt)
a) die Geschwindigkeit messen
b) schneller als das Licht fliegen
c) den Herzschlag beschleunigen
d) ein Kurzschriftensystem bilden

Antwort:

Hypothetische Teilchen namens Tachyonen bewegen sich mit Überlichtgeschwindigkeit.

Erklärung:

Hatte Albert Einstein in seiner Speziellen Relativitätstheorie nicht genau so einen Fall ausdrücklich verboten? Na ja, genau genommen hat er nur den Übergang von einer Geschwindigkeit unterhalb derjenigen des Lichts im Vakuum, also rund 300 000 Kilometer pro Sekunde, darüber untersagt. Und das machen sich die Tachyonen zu Nutze: Sie fliegen einfach immer schneller als das Licht.

Und das schaffen sie mit Hilfe eines Tricks: Nähert sich ihr Tempo dem des Lichts an, wächst ihre Energie und ihr Impuls ins Unendliche – und das hindert sie "auf natürliche Weise" daran, die magische Grenze jemals zu durchbrechen. Bislang existieren die sonderbaren Teilchen aber nur in den Köpfen einiger Physiker. Denn während sich ihre ungeheure Geschwindigkeit noch irgendwie begründen lässt, bringen sie andere und nicht so leicht lösbare Makel mit sich.

So müsste das Quadrat ihrer Masse laut Einsteins Formeln negativ und ihre Ruhemasse damit imaginär sein, um schneller als das Licht sein zu können. Was die mathematische Realität aber physikalisch gesehen bedeutet, weiß bis jetzt keiner. Außerdem widersprechen Tachyonen dem Kausalitätsprinzip – also der vertrauten Tatsache, dass eine Ursache stets vor ihrer Wirkung auftritt.

Albert Einstein drückte diesen Sachverhalt mit den inzwischen berühmten Worten "Gott würfelt nicht" aus. Würde es Tachyonen tatsächlich geben, könnte die Wirkung aber vor der Ursache auftreten. Zwar würde das interessante Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen, was Sciencefiction-Autoren dankbar aufnehmen und ihre Akteure mit Hilfe von Tachyonentechnologie beispielsweise Nachrichten in längst vergangene Zeiten senden lassen; leider nur stellt dieser Spaß ziemlich wasserdichte Theorien, wie etwa Aussagen der Thermodynamik, in Frage. Und bei all diesen Widersprüchen stellen die meisten Physiker doch lieber die fiktiven Tachyonen in Frage. Zumal es bislang noch keinen einzigen experimentellen Beleg für dieses exotischen Teilchen gibt.

Ach, und dann gibt es da ja auch noch Menschen, die bizarre Tachyon-Produkte – von Wasser über Einlegesohlen bis hin zu Schmuck – anpreisen, mit deren Hilfe man die Urenergie direkt anzapfen kann oder so ähnlich. Ganz einig über die abenteuerlichen Wirkmechanismen scheint man sich auch in den esoterischen Kreisen noch nicht zu sein. Hauptsache in den Begleittexten tauchen neben heillosen Versprechungen einige physikalische Fachbegriffe und namhafte Wissenschaftler auf – nach dem Wahrheitsgehalt darf man ja ohnehin nicht fragen. Fest steht bis jetzt wohl nur, dass sich damit jede Menge Geld machen lässt.

Zurück zu alltäglicheren Dingen: Die Geschwindigkeit misst man immer noch mit dem guten, alten Tachometer oder kurz Tacho. Kämpft jemand mit einem beschleunigten Herzschlag, dann hat er unter Tachykardie oder ganz einfach Herzrasen zu leiden. Und eine Kurzschrift des Altertums und Mittelalters bezeichnet man als Tachygrafie: Um die Niederschrift gesprochener Wort zu beschleunigen, werden dabei Wörter, Silben oder Laute mit Hilfe gewisser Zeichen erfasst. Übrigens haben alle Wörter ihren Ursprung im selben griechischen Wort: tachýs – schnell. Im Fall der Tachyonen prägte der amerikanische Physiker Gerald Feinberg 1967 den Namen.
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