Was lässt mexikanische Bohnen springen?

Silja Inhülsen
a) Präziser Kopfstoß
b) Sechs Beine
c) Wärmende Hände
d) Hungrige Fressfeinde

Antwort:

Wärmende Hände oder ein präziser Kopfstoß lassen die Bohnen springen.

Erklärung:

Sie erinnern ein bisschen an Bohnen, die Samen des in Mexiko heimischen Baumes Sebastiana pavoniana und des Sapium biloculare, eines Strauches aus den Südstaaten der USA. Sie können aber weit mehr als Bohnen: In den Sommermonaten, wenn die Samenkapsel aufspringt, fangen manche Samen an, unter dem Baum hin und her zu rollen und gelegentlich zu springen.

Was die Samen hüpfen lässt, ist der präzise Kopfstoß einer Schmetterlingslarve der Art Cydia saltitans. Diese Raupe hat sich in den frühen Sommermonaten ihren Weg aus dem Ei, welches das Weibchen auf die Blätter geklebt hat, in die reifende Samenkapsel der Pflanze gesucht. Am Samen frisst sich die Raupe satt und macht dabei mehrere Larvenstadien durch. In dieser Zeit scheint das Tier sehr temperaturempfindlich zu sein: Wird es ihm im Samen zu warm, so fängt es an zu protestieren. Dabei spinnt die Larve einen Seidenfaden im Inneren, hält sich mit den Vorderbeinen an diesem fest, zieht seinen Oberkörper zurück und stößt schließlich mit dem Kopf an die Samenwand. Der Kraftakt überträgt sich auf den Samen, der daraufhin anfängt zu rollen, im besten Fall in kühleres Gebiet. Mit Beginn des Winters wird es dann im Samen wieder ruhig, denn das Tier beginnt sich nun in der Springbohne zu verpuppen.

Springen tut der Samen auch dann, wird er in wärmende Hände genommen. Wer die Bohne über Nacht unters Kopfkissen legt, findet am nächsten Morgen oft bloß ein böses Erwachen, mehr nicht.

Wespenbeine bewegen sich oft viel zu aktiv in unserer Nähe, aber nicht in mexikanischen Springbohnen. Wenn es darum geht, sich kühl zu halten, bedienen sich die Larven der amerikanischen Gallwespe Cynips saltatorius aber des gleichen Tricks wie die Schmetterlingslarven: In den Sommermonaten lassen sie ebenfalls ihren Unterschlupf springen, den Gallapfel bestimmter Eichen. Bis zu tausend Galläpfel hüpfen dann beispielsweise unterm Blätterdach der nordamerikanischen Roteiche Quercus lobata.

Die Springbohnen sind gewiss nicht nur bei den Schmetterlingslarven ein begehrtes Fressen. Dass der Samen jedoch seinen hungrigen Fressfeinden enthüpft, wäre vielleicht etwas zu viel erwartet. Zumindest uns können die Bohnen nicht entkommen, sind wir auch mehr passiver Beobachter als alles andere. So verkaufte eine mexikanische Firma zeitweilig mehr als zwanzig Millionen Springbohnen im Jahr, damit sie sich bei uns zu Hause verlieren.

Was lässt mexikanische Bohnen springen?