Was verbirgt sich hinter der mittelalterlichen medizinischen Diagnose "Antonius-Feuer"?

a) Milzbrand
b) brennender Hautausschlag
c) Mutterkorn-Vergiftung
d) Typhus

Antwort:

Das Antonius-Feuer bezeichnet das durch den Mutterkorn-Pilz verursachte Krankheitsbild.

Erklärung:

Der weitläufig als Mutterkorn bekannte und parasitär auf Roggen und anderen Süßgräsern lebende Schlauchpilz Claviceps purpurea hat sich schon früh in der Geschichte der Menschheit einen Namen gemacht und wahre Epidemien ausgelöst, die als Antonius-Feuer oder Brandseuche bekannt wurden.

Die von diesem Pilz infizierten Getreidegräser bilden an Stelle von gesunden Körnern schwarze, gebogene Dauerstadien, Sklerotien genannt. Bei der Ernte gelangten sie in das Mehl und führten bei den betroffenen Personen zu schweren Vergiftungen. Als Folge der toxische Wirkung des Mutterkornpilzes krampften sich die Muskeln zusammen, und die Blutgefäße verengten sich zunehmend. Falls kurz danach die Haut anfing zu kribbeln und sich taub anfühlte, war das ein sicheres Zeichen für Durchblutungsstörungen und erst der Beginn eines schmerzhaften Verlustes: Finger, Zehen und nicht selten ganze Gliedmaße fingen an, abzusterben und hinterließen nur noch verstümmelte Überreste.

Aufgrund spezieller Reinigungsverfahren des Getreides sind Mutterkornvergiftungen in den Industrienationen jedoch im heutigen Zeitalter sehr selten geworden. Einige, chemisch den Alkaloiden zuzuordnende Bestandteile des Mutterkornpilzes werden gezielt in der modernen Medizin eingesetzt, wofür der Pilz sogar gezüchtet wird. Von den über 30 Alkaloiden aus Claviceps wird die Verbindung Ergometrin beispielsweise zur Einleitung der Geburt verabreicht. Die wehenfördernde Wirkung der Mutterkornalkaloide war jedoch auch schon im Mittelalter bekannt.

Bei Milzbrand handelt es sich um die von Bacillus anthracis hervorgerufene Erkrankung, die in erster Linie Huftiere betrifft, aber auf den Menschen übertragen werden kann. Im Verlauf der Infektion verfärbt sich die Milz rötlich-schwarz, was der Krankheit ihren Namen gab.

Das unheilvolle, stäbchenförmige Bakterium ruft beim Menschen je nach Infektionsweg entweder Haut-, Lungen- oder seltener Darmmilzbrand hervor. Hat Bacillus anthracis seine Eintrittspforte aber gefunden, so ereilen den Betroffenen sehr schnell Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Hautblutungen, Lungenentzündungen mit blutigem Auswurf und Kreislaufversagen. Wird die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt oder bleibt unbehandelt, enden alle drei Krankheitsformen nach wenigen Tagen tödlich. Besonders gefährlich ist der Erreger deshalb, da die von ihm gebildeten infektiösen Sporen Jahrzehnte bis Jahrhunderte in der Umwelt überdauern können, um dann beim nächsten Opfer zuzuschlagen.

Typhus wird ebenfalls durch ein Bakterium ausgelöst und kommt heutzutage überwiegend in den Entwicklungsländern vor. Der Keim, Salmonella typhi, wird hauptsächlich durch Trinkwasser oder kontaminierte Nahrungsmittel übertragen. Hat eine genügende Anzahl an Typhus-Erregern das saure Bad im Magen überlebt, beginnt nach einigen Tagen das für diese Erkrankung typische Martyrium.

Zu den Symptomen zählen starkes Fieber, Bauchschmerzen, eine vergrößerte Leber und Milz und der für Typhus charakteristische Durchfall sowie ein krankheitsspezifischer Hautausschlag. Dank moderner Antibiotika kann Typhus aber erfolgreich behandelt werden und führt bei weitem nicht mehr zu solchen Sterblichkeitsraten wie noch im Seuchen-gebeutelten Mittelalter.

Was verbirgt sich hinter der mittelalterlichen medizinischen Diagnose "Antonius-Feuer"?