Welche Altstadt darf sich nicht mit dem Titel "Weltkulturerbe" schmücken?

Antje Findeklee
a) Bamberg
b) Heidelberg
c) Lübeck
d) Stralsund
e) Quedlinburg

Antwort:

Seit Jahren hofft Heidelberg auf Anerkennung als Welterbestätte durch die Unesco - doch bislang vergeblich.

Erklärung:

Seit Ende der 1990er Jahre verfolgt die Stadt am Neckar das Ziel, aufgenommen zu werden in die Liste der Welterbestätten. Doch noch müssen sich die Heidelberger Bürger gedulden: Der 2004 schließlich eingereichte Antrag war dem Unesco-Welterbekomitee noch nicht ausführlich genug. Im Juli 2005 hatten die Entscheidungsträger Nachbesserungen gefordert – man solle den "außergewöhnlichen universellen Wert" des Ensembles aus Altstadt, Schloss und umgebender Landschaft noch genauer herausstellen, insbesondere im Vergleich mit anderen Welterbestätten wie Prag, Salzburg oder Wien. Außerdem sollten die Antragsteller noch genauer auf den Streit um den Wiederaufbau oder die Erhaltung der Ruine des Heidelberger Schlosses eingehen, der Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entbrannt war und die moderne Denkmalpflege prägte. Und zuletzt wäre ja auch die herausragende Bedeutung der universitären Tradition der Stadt ausführlicher auszuarbeiten, als das bislang geschehen war. Schließlich wurde hier 1386 ein der ältesten deutschen Universitäten gegründet. Und so steht Heidelberg nun noch immer auf der Kandidatenliste – in der Hoffnung, es 2007 in den Kreis der Erlesenen zu schaffen.

Dieser Kreis, der herausragende Zeugnisse der Geschichte der Menschheit und der Natur würdigen soll, umfasst weltweit inzwischen 644 Kultur-, 162 Natur- und 24 Welterbestätten, die beiden Kategorien zugeordnet werden. In Deutschland sind es derzeit 31, wobei nur die Fossillagerstätte Grube Messel, deren Tonschiefer unzählige Organismenreste aus den Zeiten des Eozäns vor 49 Millionen Jahren bergen, ausschließlich den Naturwelterben zugeordnet ist. Die sonstigen Träger wurden aufgenommen für ihr kulturelles Erbe – und die Liste ist bunt: Von historischen Gartenanlagen bis hin zu Industriedenkmälern, von Einzelbauwerken bis zu ganzen Altstädten reicht das Spektrum.

So punktete die Altstadt von Bamberg – schon seit 1993 Unesco-Welterbestätte – mit beeindruckenden Bauwerken wie Dom, Altem Rathaus, Neuer Residenz sowie Kloster St. Michael und der die Stadt durchziehenden Wasserläufe der Regnitz mit ihren zahlreichen Brücken, die dem Ganzen eine ausgeprägt romantische Atmosphäre verleihen. Da die Stadt kaum Kriegsschäden erleiden musste, gilt sie heute als größtes zusammenhängendes Altstadtensemble Deutschlands. So sind noch immer die ursprünglichen mittelalterlichen Stadtstrukturen erhalten, die einst Gründer und Förderer Kaiser Heinrich II. legte, wenn sich Bamberg auch eher als Barockstadt präsentiert.

Die Altstadt von Lübeck genießt den Welterbestatus seit 1987. Die "Königin der Hanse" wurde 1143 als erste "abendländische Stadt an der Ostseeküste" gegründet. Das Stadtbild bietet bis heute mittelalterliches Ambiente und kulturhistorische Sehenswürdigkeiten, die an die große Vergangenheit als freie Reichs- und Hansestadt erinnerten. Dabei gilt die vom Wasser umschlossene Altstadtinsel mit dem historischen Stadtkern als eines der bedeutendsten Zeugnisse der Backsteingotik. Seit dem Mittelalter prägen die sieben Türme der Kirchen die Silhouette der Stadt, und das Holstentor, das ehemalige Stadttor nach Westen, ist weltberühmt. Mit Lübeck wurde zum ersten Mal eine Altstadt in der Bundesrepublik Deutschland offiziell zum Kulturdenkmal erklärt. Selbst der archäologische Untergrund der Altstadt mit den mittlerweile fast drei Millionen Funden ist Bestandteil des Welterbes.

Stralsund teilt sich den Welterbetitel mit Wismar, die idealtypisch die entwickelte Hansestadt während der Blütezeit des Städtebundes im 14. Jahrhundert präsentierten. Auch hier haben sich die mittelalterlichen Grundrisse der historischen Stadtkerne nahezu unverändert bewahrt und legen Zeugnis für die Anlage von Seehandelsstädten nach Lübischem Recht ab. Zahlreiche Einzeldenkmäler dokumentierten anschaulich die politische Bedeutung und den außerordentlichen Reichtum der Ostseestädte im Mittelalter – so bilde die Gruppe der sechs monumentalen Backsteinkirchen einen einzigartigen Querschnitt durch die berühmte Sakralarchitektur der Hansestädte. Für Wismar wird noch betont, dass es die einzige in dieser Größe und Geschlossenheit erhaltene Hansestadt im südlichen Ostseeraum ist. Stralsund glänzt dafür mit seiner einmaligen Insellage zwischen dem Strelasund und den im 13. Jahrhundert aufgestauten Teichen, was den mittelalterlich geprägten Stadtkörper betone.

Quedlinburg schließlich gilt mit 1300 Fachwerkbauten aus acht Jahrhunderten und dem historischen Stadtgrundriss als außergewöhnliches Beispiel für eine gut erhaltene mittelalterliche Stadt. Die ehemalige Kaiserpfalz an der Straße der Romanik ist damit eines der bedeutendsten Flächendenkmale Deutschlands. Die Stiftskirche St. Servatius mit den Gräbern des ersten deutschen Königs, Heinrich I., und seiner Frau Mathilde sowie dem berühmten Domschatz ist ein Meisterwerk der Romanik. In einer Kaiserurkunde des 10. Jahrhunderts wird Quedlinburg "Metropole des Reiches" genannt.

Der Welterbestatus ist dabei keine Verleihung auf Lebenszeit, wie Köln oder Dresden erfahren mussten: Scharf kritisierte die Unesco hier Bauvorhaben, die den Eindruck der Welterbestätte schädigten und drohte, die Auszeichnung zurückzuziehen. Und auch Hamburg musste erfahren, dass die Pläne zum Ausbau der Speicherstadt mit dem Antrag auf Welterbestatus kollidierten. Während der Kölner Dom nun noch immer auf der Liste bedrohter Welterbestätten verharrt, wird in Dresden inzwischen vor Gericht verhandelt. Hamburg hingegen steht nun wie Heidelberg noch auf der Warteliste.