Welche amerikanische Behörde wurde infolge des "Sputnikschocks" etabliert?

Vinzenz Schönfelder
Sputnik 1
© NASA
(Ausschnitt)
a) Defense Advanced Research Agency (Darpa)
b) Departement of Education (Bildungsministerium)
c) National Aeronautics and Space Administration (Nasa)
d) National Science Foundation (NSF)

Antwort:

Ein kleiner sowjetrussischer Satellit namens Sputnik 1 (russ.: Begleiter) schockte am 4. Oktober 1957 die westliche Welt und veranlasste die Regierung der Vereinigten Staaten zur Gründung der Nasa und der Darpa.

Erklärung:

Nachdem die Russen den 58 Zentimeter großen Sputnik 1 erfolgreich ins All geschickt hatten, tat er dort im Grunde nichts weiter, als harmlose kurzwellige Funksignale auszusenden, die Amateurfunker auf der ganzen Welt aufzuspüren suchten. Abgesehen von dem Gedanken einer militärischen Bedrohung, konnten es die Amerikaner jedoch nicht auf sich sitzen lassen, dass die "Kommunisten" damit ihren Anspruch auf die wissenschaftliche und technologische Weltführerschaft anmeldeten – keiner drückte das schöner aus als der demokratische Gouverneur Gerhard Williams:

"Oh little Sputnik, flying high
With made-in-Moscow beep,
You tell the world it's a Commie sky
and Uncle Sam's asleep."


Die eigene Unterlegenheit wurde vor allem mit Mängeln in der Bildungspolitik begründet. Folgerichtig unternahm die amerikanische Regierung in den anschließenden Jahren große Anstrengungen in der Bildungsförderung. Der erste große Brocken von einer Milliarde Dollar floss mit dem "National Defense Education Act" im Jahr 1958 sowohl in eine verbesserte Schulausstattung, wie beispielsweise Bibliotheken, als auch in neue Unterrichtsmethoden, besonders in den Natur- und Technikwissenschaften, der Mathematik und den Fremdsprachen.

Auch das Bildungsfernsehen, das bis dahin einen schweren Stand hatte und um Respekt kämpfen musste, profitierte: im Jahr 1962 erhielt die "National Association of Educational Broadcasters" nach langem Tauziehen schließlich die großzügige Summe von 32 Millionen Dollar für neue Einrichtungen. Im Zuge des "Kriegs gegen die Armut" folgte 1965 der "Elementary and Secondary Education Act", die umfangreichste Bildungsinvestition, die bis heute besonders benachteiligten Schülern zugute kommen soll, vom Kindergarten bis zur Oberstufe. Aber erst im Oktober 1979 konnte sich der amerikanische Kongress zur Gründung des Bildungsministeriums durchringen, das es sich seitdem zur Aufgabe gemacht hat, gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle Bürger zu schaffen.

Schon 1950 wurde dagegen die National Science Foundation (NSF) gegründet als unabhängige Regierungsbehörde zur Forschungsförderung. Das Gegenstück zur Deutschen Forschungsgemeinschaft beschränkt sich allerdings auf nicht-medizinische Natur- und Ingenieurwissenschaft. Dem Sputnik verdankte sie im Jahr 1959 mit 134 Millionen Dollar das Vierfache des vorjährigen Budgets, 1968 waren es schon 500 Millionen und 2006 verfügten die 1700 Angestellten der NSF über eine Summe von 5,6 Milliarden Dollar, um jährlich etwa 10 000 Projekte zu fördern.
Sputnik 1
© NASA
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernSputnik 1 expandiert
Als direkte Folge der kommunistischen Machtdemonstration wurde am 29. Juli 1958 die National Aeronautics and Space Administration (Nasa) gegründet, die am 1. Oktober mit bescheidenen vier Labors und achtzig Angestellten ihre Arbeit aufnahm. Im Rahmen des Mercury-Programms, das noch im Jahre 1958 startete, befasste sie sich mit so einfachen Fragen, ob Menschen überhaupt im Weltraum überleben können. Ihre Arbeit basierte zu einem Großteil auf der Technologie des deutschen Raketenprogramms unter der Leitung von Wernher von Braun, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Amerika fortgeführt wurde. Einige Kritik musste die Raumfahrtagentur einstecken, besonders nach so kapitalen Katastrophen wie dem Challenger- und dem Columbia-Absturz, die eine träge und recht kostspielige Bürokratie ans Tageslicht kommen ließen. Die Nasa verschluckt heute mit jährlich 16,2 Milliarden Dollar mehr als das dreifache Budget der NSF.

Weniger im Rampenlicht steht die Darpa, die ebenfalls 1958 als Teil des Pentagon unter dem Namen "Advanced Research Projects Agency" (Arpa) ins Leben gerufen wurde. Mit dem Zusatz "Defense" (engl.: Verteidigung) wurde sie 1972 in Darpa umbenannt und behielt diesen Namen seitdem - bis auf eine dreijährige Pause nach Ende des Kalten Krieges, in der das "Defense" vorübergehend gestrichen wurde. Ihr primäres Ziel war und ist die Verbesserung der amerikanischen Militärtechnologie, dazu steht den 240 Angestellten heute ein großzügiges Jahresbudget von über 3 Milliarden Dollar zur Verfügung. Als eine der Hauptsponsoren amerikanischer Forschungseinrichtungen sorgt sie dafür, dass militärisch relevanter Wissenschaft nicht das Geld ausgeht.

Doch ohne Arpa/Darpa läsen Sie jetzt vermutlich auch nicht diese Internetzeitung - die Behörde entwickelte im Auftrag der US-Luftwaffe bereits 1962 den Vorläufer des heutigen Internet. Und auch die GPS-Positionsbestimmung würde den Autos, Schiffen und Wanderern heute nicht so zuverlässig den Weg weisen.

So hat der kleine piepsende Satellit und harmloseste Vertreter der zehnköpfigen Sputnikflotte doch einiges mehr in der Welt bewegt, als selbst die stolzesten Sowjetrussen damals vermutet hätten.
Sputnik 1

Welche amerikanische Behörde wurde infolge des "Sputnikschocks" etabliert?