Welche der folgenden ist die einzig wahre Beere?

Katharina Schulz
Beerensalat
© fotolia / Bob Folscheid
(Ausschnitt)
a) Erdbeere
b) Himbeere
c) Johannisbeere
d) Holunderbeere

Antwort:

Nur die wenigsten -beeren haben tatsächlich auch die Morphologie einer Beere. Die Johannisbeere (Ribes) gehört dazu. Denn sie ist
"eine Saftfrucht, bei der die Fruchtwand [...] völlig aus Fruchtfleisch besteht, in das die Samen (meist mehrere) eingebettet sind." [1]

Erklärung:

Das ist ziemlich viel botanische Fachsimpelei für einen Satz. Denn für einen Botaniker ist Fruchtfleisch nicht gleich Fruchtfleisch. Er klassifiziert das schmackhafte Gewebe entsprechend seiner Morphologie. Und diese hängt davon ab, aus welchem Blütenorgan sich nach der Befruchtung die Frucht entwickelt.

Eines dieser für den Fruchttyp entscheidenden Blütenorgane ist das Fruchtblatt. Ausgestattet mit Narbe, Griffel und Fruchtknoten ist es Flugplatz für pollentragende Insekten und Lagerhalle für die Keimzellen der Pflanze. Nachdem die Blüte erfolgreich bestäubt wurde, wandelt sich das Fruchtblatt zu einer dreischichtigen Fruchtwand, die die befruchteten Keimzellen – also die Samen – umgibt. Je nachdem, wie die drei Schichten sich entwickeln (von innen nach außen Endo-, Meso- und Exokarp genannt), unterscheidet man nun verschiedene Fruchttypen – ganz unabhängig von der Art der Pflanze. Werden alle oder mindestens Endo- und Mesokarp zu saftigem Fruchtfleisch, so haben wir es mit einer Beere zu tun. Dazu gehören neben der Johannisbeere das halbe Gemüsebeet: Tomate, Aubergine, Gurke und Kürbis, auch Melone und Banane. Die letzten drei sind so genannte Panzerbeeren – bei ihnen ist das Exocarp verhärtet.

Verholzt die innerste Fruchtwand, das Endokarp, zu einer harten Samenhülle, so trägt die Frucht einen Stein. Zu den Steinfrüchten gehört neben Kirsche, Nektarine und Mirabelle auch die Holunderbeere (Sambucus nigra).

Die Himbeere (Rubus) ist eine Sammelsteinfrucht aus vielen verklebten Steinfrüchten. Denn auch ihr Same – einer pro Früchtchen – ist umgeben von einem verholzten Endokarp.

Die Erdbeere (Fragaria) schließlich ist weder Beere, noch Stein- oder Sammelsteinfrucht. Denn ihre Frucht entwickelt sich nicht aus dem Fruchtblatt, sondern aus der Blütenachse – dem Blütenorgan, auf dem das Fruchtblatt sitzt. Die Erdbeere trägt ihre Samen außen. Weil sie verholzt sind, nennt man sie Nüsschen. Die Erdbeere ist also eine Nussfrucht.

[1] Fitschen, Jost: Gehölzflora mit Knospen- und Früchteschlüssel, 11.Aufl. Quelle und Meyer Verlag Wiebelsheim, 2002
Beerensalat

Welche der folgenden ist die einzig wahre Beere?