Welche Droge ist als Medikament in deutschen Apotheken erhältlich?

Melinda Baranyai
Doping
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(Ausschnitt)
a) Heroin
b) Kokain
c) Cannabis
d) LSD

Antwort:

Cannabis kann in Deutschland tatsächlich als Arzneimittel verschrieben werden.

Erklärung:

Hanf gibt es beim Apotheker nicht in Form von getrockneten Blüten(blättern), sondern als Mundspray mit dem Wirkstoff Nabiximols. Dieser wird aus den Extrakten der Hanfpflanze (Cannabis sativa) gewonnen und enthält somit Tetrahydrocannabinol (THC) – den psychoaktiven Stoff, der die Droge für ihre Konsumenten so attraktiv macht. Doch THC kann noch mehr, als den Bewusstseinszustand verändern. Es lindert chronische Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie spastische Symptome. Regulär verordnet werden darf Cannabis jedoch nur bei Patienten mit Multipler Sklerose, die auf keine andere antispastische Therapie ansprechen. Darüber hinaus erlaubt die Bundesopiumstelle in seltenen Ausnahmefällen eine Cannabistherapie bei Krebs oder chronischen Schmerzen.

Auch Heroin zählt in Deutschland zu den verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln. In Spezialeinrichtungen wird es unter strenger staatlicher Aufsicht an Personen abgegeben, die über 23 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren opiatabhängig sind. Diese so genannten Diamorphin-Ambulanzen bieten Schwerstabhängigen so die Möglichkeit, sich regelmäßig reines, künstliches Heroin zu injizieren. Obwohl die Betroffenen dadurch den Konsum der Droge fortsetzen, fällt es ihnen mit Diamorphin leichter, ein geregeltes Leben zu führen, als mit der Ersatzdroge Methadon. Heroin ist ein Opioid mit sehr hohem Abhängigkeitspotential und starker schmerzstillender Wirkung. Es wird halbsynthetisch aus Morphin hergestellt – einem Auszug aus dem getrockneten Saft des Schlafmohns.

Ebenfalls aus einer Pflanze extrahiert wird die Droge, deren leistungssteigernde Wirkung bereits südamerikanische Ureinwohner um 3000 vor Christus entdeckten. Kokain liegt nach Cannabis und Heroin auf Platz drei der weltweit am meisten konsumierten illegalen Drogen. Es kann geschluckt, geschnupft oder in den Blutkreislauf injiziert werden – je nachdem, wie schnell das Rauschgefühl eintreten und wie lang es andauern soll. Kokain euphorisiert und steigert die Leistung, indem es die Wiederaufnahme von Transmittern im Gehirn hemmt und somit verstärkt Rezeptoren erregt. An peripheren Nerven wirkt es schmerzstillend und ist das älteste bekannte Lokalanästhetikum. Noch heute verwenden Augenärzte bei bestimmten Operationen Kokain als Lösung oder Salbe mit einem Gehalt von 20 beziehungsweise 2 Prozent.

Im Gegensatz zu den vorigen Stoffen ist Lysergsäurediethylamid (LSD) in Deutschland als nicht verkehrsfähig eingestuft und damit verboten. Es genügen bereits geringe Dosen der erst in den 1940er Jahren entdeckten Droge, um lang andauernde Halluzinationen hervorzurufen, da LSD mit großer Vorliebe an Rezeptoren im Gehirn andockt, die für psychedelische Räusche verantwortlich sind. Das Zeitempfinden ist verzerrt, und der Konsument erlebt Umweltreize intensiver und in veränderter Form. In den 1950er Jahren benutzten Psychiater das LSD-Präparat Delysid für Forschung und Therapie. Die Ampullenlösung diente laut Beipackzettel zur seelischen Auflockerung im Rahmen einer analytischen Psychotherapie, um verdrängte Erinnerungen wieder ins Bewusstsein zu rufen. Alkoholkranke wurden zu Forschungszwecken ebenfalls mit LSD behandelt und auch Therapeuten ließen sich von Delysid in so genannte Modellpsychosen versetzen – sie wollten besser verstehen, wie psychiatrische Patienten die Welt wahrnehmen. Da der medizinische Nutzen von LSD bereits damals umstritten war, wurde die Droge in den 1960er und 1970er Jahren verboten. Vor allem bei psychisch Labilen besteht die Gefahr eines "Horrortrips", der Wahnvorstellungen und Panik auslöst – ähnlich wie bei schizophrenen Psychosen.