Welche Pflanze löste einen Vernichtungskrieg aus?

a) Vanille
b) Kautschukbaum
c) Muskatnuss
d) Brotfrucht
e) Pfeffer

Antwort:

Es war die Muskatnuss.

Erklärung:

Es gab Zeiten, da wogen Händler die Muskatnuss (Myristica fragrans) mit Gold auf, so wertvoll war sie als Gewürz. Dieser natürliche Reichtum weckte im 16. Jahrhundert dementsprechend gewisse Begehrlichkeiten bei den großen Kolonial- und Seefahrernationen, die sich alle die lukrative Einnahmequelle sichern wollten. Als Fluch wie Segen für die designierten Händler wirkte sich dabei das damalige Verbreitungsgebiet des Gewürzbaums aus, denn es beschränkte sich auf die Gewürzinseln (sic!) – die heutigen Molukken im Staate Indonesien.

Diese verstreut in der Bandasee liegenden Eilande waren bis dato eher selten von Schiffen angesteuert worden. Als allerdings der holländische Kaufmann Jacob van Neck die namensgebenden Banda-Inseln erreichte, dort eine Schiffsladung Muskatnüsse an Bord nahm und sie in Amsterdam mit 32 000 Prozent Preisaufschlag unter die Leute brachte, setzte ein Wettlauf um die Inseln ein – mit leichten Vorteilen für Holland. In der Folge wollten die Niederlande den Handel monopolisieren und gründete dazu die Holländisch-Ostindische Kompanie. Die Nation trat in Konkurrenz zu den Spaniern, Portugiesen und vor allem den Briten, die gleich in der Nachbarschaft auf der Insel Run einen eigenen Handelsposten errichteten.

In der Folge kam es zu einigen blutigen Scharmützeln, die sich zumeist an den Preisen für die Muskatnüsse entzündeten. Die Holländer lynchten sogar 18 Briten, denen sie eine Verschwörung gegen die niederländische Kolonialverwaltung nachsagten. Um den Streit beizulegen, tauschten Holländer und Briten schließlich Run gegen eine andere Insel vor Amerikas Ostküste – das heutige Manhattan.

Doch die wahren Leidtragenden der Streitigkeiten waren die Bandanesen selbst: Nicht nur wurden alle Muskatnussbäume, die sich außerhalb der direkten Kontrolle der Niederländer befanden – etwa auf entlegenen Inseln –, abgeholzt, sondern sie wurden auch blutig von den Kolonialherren unterdrückt. Vor allem der Generalstatthalter Jan Pieterszoon Coen begann ab 1621 einen regelrechten Vernichtungsfeldzug gegen die einheimische Bevölkerung. Er eroberte die Insel Lonthor mit Gewalt und ließ ihre Bewohner ermorden und vertreiben.

Am Ende des 18. Jahrhunderts zerbrach schließlich das Monopol und in der Folge auch die Handelskompanie. Was den Niedergang genau herbeiführte, verläuft sich im Dunkel der Geschichte: Vermutet wird Schmuggel von Samen auf andere Inseln und von dort aus in die Welt, sodass die Preise für Muskatnuss einbrachen. Aber auch die Briten zahlten es den Niederländern heim, indem ihre wachsende Seemacht die holländischen Häfen in Ostindien blockierte.

Kautschuk unterlag einst ebenfalls einem Monopol – einem brasilianischen. Wiederum einem Engländer – Sir Henry Wickhem – gelang es, dieses zu brechen: Er schmuggelte, angeblich in einem Spazierstock und unter den Augen argwöhnischer Militärs, 70 000 Samen des Latex spendenden Baums Hevea brasiliensis außer Landes. Sie wurden in englischen Treibhäusern großgezogen und in den britischen Kolonien Südostasiens in Plantagen angepflanzt. Diese Massenproduktion pulverisierte den Kautschukboom Brasiliens.

Die Brotfrucht (Artocarpus altilis) erlangte Berühmtheit durch die Meuterei auf der "Bounty", dem Schiff, welches das nahrhafte Obst zur Stärkung von Sklaven in die Karibik bringen sollte. Viele Matrosen um den Anführer der Revolte Christian Fletcher schätzten das süße Leben der Südsee allerdings mehr als die harte Knute ihres Kapitäns William Bligh und wollten folglich vor Ort bleiben. Bligh zwang sie aber auch unter Einsatz von Gewalt zur Abreise mit den Brotfrüchten, deren bevorzugte Behandlung unter Deck schließlich die Stimmung endgültig zum Kippen und Bligh ausgesetzt in ein Beiboot brachte.

Pfeffer wurde lange ebenfalls zu hohen Preisen und unter Monopol gehandelt, dessen Umgehung unter anderem Christoph Kolumbus zu seiner Entdeckungsfahrt nach Westindien brachte.

Die einzigen historischen Schwierigkeiten, die bislang mit Vanille in Zusammenhang zu bringen sind, betreffen die Bestäubung dieser Orchideen der Gattung Vanilla. Sie war lange Zeit außerhalb Mexikos nicht möglich, da die entsprechenden Insekten andernorts nicht lebten. Erst Handbestäubung erbrachte die Lösung.

Welche Pflanze löste einen Vernichtungskrieg aus?