Welcher dieser Staatsmänner litt zeitlebens an der tödlichen Stoffwechselkrankheit Morbus Addison?

Vera Kühne
©
(Ausschnitt)
a) Napoleon Bonaparte
b) Gustav Stresemann
c) Erich Honecker
d) John F. Kennedy
e) Ronald Reagan

Antwort:

John F. Kennedy hatte schon als Jugendlicher schwere Gesundheitsprobleme, die jedoch weitgehend aus der Öffentlichkeit herausgehalten wurden.

Erklärung:

Ein bekanntes Bild zeigt John F. Kennedy auf Krücken – bei einer Wahlkampfrede für den Senatorposten in Massachusetts. Während seiner Präsidentschaft hat sich seine Gesundheit zwar nicht verbessert, trotzdem kann man lange in den Archiven suchen, ohne ein ähnliches Bild aus dieser Zeit zu finden: Es war verboten, den Präsidenten auf Krücken zu fotografieren.
Kennedy auf Krücken, 18. Mai 1952, Sheraton Hotel, Worcester, Massachusetts.
© John Fitzgerald Kennedy Library, Boston
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernKennedy auf Krücken, 18. Mai 1952, Sheraton Hotel, Worcester, Massachusetts.
Das Leiden des ehemaligen US Präsidenten blieb weitgehend im Verborgenen, bis es einem Historiker und einem Arzt im Jahr 2002 erlaubt wurde, seine Krankenakten einzusehen: Die Unterlagen zeigten, dass bei John F. Kennedy schon 1947 eine Unterfunktion der Nebennierenrinde - die Addison Krankheit - diagnostiziert wurde. Die Autoimmunerkrankung, bei der es zu einer Entzündung und einer damit einhergehenden Gewebszerstörung der Nebennierenrinde kommt, war der Grund für seine schweren Durchfälle, hohes Fieber und Koliken, Prostatabeschwerden und Harnweginfektionen. Möglicherweise führte die Einnahme von Kortison, ein Hormon, das die Unterfunktion der Nebennierenrinde ausgleichen soll, auch zu seiner Osteoporose, die wiederum Grund für Kennedys starke Rückenprobleme war. Gewebsaufschwemmungen, die nach der Behandlung mit dem Steroid einsetzten, ließen das Gesicht des durch die Addison Krankheit schmächtig gewordenen Manns zumindest weniger eingefallen aussehen.

Kennedy litt zeitlebens stark an seinem Rückenleiden und der Stoffwechselkrankheit. Mit Korsett, Krücken und Schmerztabletten war das werben um Stimmen bei der Präsidentenwahl für ihn tatsächlich ein Wahlkampf. Sein Studium musste er zweimal wegen gesundheitlicher Probleme abbrechen und hat es am Ende doch zu einem Abschluss von der Harvard University gebracht. Ebenso brauchte er krankheitsbedingt mehrere Anläufe, um beim Militär einzusteigen: Von der Armee wurde er zunächst ausgemustert. Erst die Beziehungen seines einflussreichen Vaters halfen ihm in die Marine einzutreten, wo er später zum Kriegshelden avancierte - sicherlich ein Faktor, der seine politische Karriere positiv beeinflusst hat.

Auch der Außenminister und Reichskanzler der Weimarer Republik Gustav Stresemann litt an einer Stoffwechselkrankheit. Man nimmt an, dass es sich um die Basedownsche Krankheit handelte, eine entzündliche Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Im Gegensatz zu Kennedy musste er den Ausschluss aus dem Militär wegen seiner gesundheitlichen Verfassung akzeptieren; seiner politischen Karriere hat das jedoch nicht geschadet. Ihm wird eine hektische Betriebsamkeit nachgesagt – möglicherweise ein Symptom seiner Krankheit, die, wie eine Schilddrüsenüberfunktion, eine erhöhte Stoffwechselrate und Übererregbarkeit hervorrufen kann. Doch der Eifer des Friedensnobelpreisträgers wurde immer wieder von Kuraufenthalten gebremst. Stresemann, für viele einer der bedeutendsten Staatsmänner der Weimarer Republik, starb früh durch einen Schlaganfall. Sein "Tod war der Anfang vom Ende", schreibt der Publizist Sebastian Haffner in seinen Erinnerungen: Ein halbes Jahr später wurden zum ersten Mal die Präsidialkabinette einberufen, die letztendlich in der Machtübernahme der NSDAP mündeten.

Im Vergleich zu Kennedy, dem am jüngsten verstorbenen Präsidenten der USA, lebte Ronald Reagan länger als alle anderen Staatschefs der Vereinigten Staaten – er wurde 96 Jahre alt. Nach einer schweren Alzheimer Erkrankung starb Reagan 2004 an einer Lungenentzündung. Der ehemalige Schuhverkäufer und Schauspieler ist neben JFK einer der beliebtesten Präsidenten in den USA.

Napoleon Bonaparte war, das lassen zumindest viele Quellen vermuten, Epileptiker. "Er stöhnte und speichelte, er hatte eine Art Konvulsionen, die nach einer Viertelstunde aufhörten..." beschrieb 1805 sein Außenminister Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord einen Krampfanfall des damaligen Kaisers von Frankreich. Auch in der Biografie von Napoleon aus dem Jahre 1838 wird ein solcher Vorfall geschildert: Als er in der Schule dazu verdonnert wird, auf den Knien zu essen, erlässt man ihm gnädigerweise die Strafe, denn er liegt heftig krampfend am Boden. Skeptiker führen an, dass keinerlei ärztliche Zeugnisse Napoleons Krankheit belegen. Andererseits könnte das - ähnlich wie bei Kennedy auch - mit dem Respekt vor dem Staatoberhaupt zu tun gehabt haben.

Der langjährige Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) Erich Honecker erfuhr, nachdem ihn eine Ärztekommission untersucht hatte, wohl erst aus dem Fernsehen, dass er an Nierenkrebs litt. Als er nach der deutschen Einheit für die Erschießungsbefehle an der Mauer angeklagt wurde, ließ man ihn schlussendlich wegen seiner schweren Krankheit frei und stellte die Verhandlung ein.

Welcher dieser Staatsmänner litt zeitlebens an der tödlichen Stoffwechselkrankheit Morbus Addison?