Welcher Kontinent liegt durchschnittlich am höchsten?

a) Europa
b) Asien
c) Afrika
d) Antarktis
e) Nordamerika

Antwort:

Es ist die Antarktis.

Erklärung:

Ein Blick auf die topografische Karte eines Atlas täuscht, denn es gibt zwei große Gebiete, in denen die braunen und rötlichen Farbtöne als Synonym für große Höhenlagen dominieren: Afrika und Zentralasien. Die Antarktis wird dagegen bis auf wenige braune Tupfer weiß abgebildet. Diesen Eisschild bilden die Kartografen jedoch nicht in den typischen Farben der Höhenkartierung ab, um zu zeigen, dass die Gletscher an und für sich nichts Beständiges sind und sie sich wesentlich schneller verändern könnten als steinerne Gebirge.

Aber die über die Jahrmillionen aufgebauten Eisschichten führten zu einer riesigen schildförmigen Erhebung, die im Schnitt 2400 Meter über dem Meeresspiegel liegt – durchbrochen lediglich von wenigen Bergen wie dem Vinson-Massiv mit knapp 4900 Meter Höhe. Der Panzer aus gefrorenem Wasser hat allerdings ebenso ein immenses Gewicht, dass das darunter verborgene Festland tiefer in die Asthenosphäre – die plastische Unterlage der Erdkruste – drückt. Würde nun das Eis plötzlich vollständig entfernt, was selbst bei extremster Klimaerwärmung utopisch wäre, so läge der Südkontinent plötzlich 500 Meter unterhalb des Meeresspiegels: Er wäre der mit Abstand tiefste Festlandsbereich der Erde – falls da wegen Überflutungen überhaupt von festem Land gesprochen werden könnte.

Mit dem Schmelzen des Eises setzt jedoch immer ein Prozess ein, der Isostasie genannt wird: Des aufliegenden Gewichts entledigt, hebt sich das Festland langsam wieder – seine Kruste ist insgesamt leichter ist als die der Ozeane: Das Gebiet taucht langsam aus seiner Position in der Asthenosphäre auf. Dieser isostatische Ausgleich findet auch zur Zeit noch im Ostseegebiet statt, wo Skandinavien seit der letzten Eiszeit langsam, aber stetig aufsteigt, während andere Küstengebiete der Region leicht absinken. Der von Geologen prognostizierte Aufstieg würde die Antarktis um etwa 1000 Meter heben, sodass sie im Schnitt wieder 500 Meter über dem Meeresspiegel läge – gemessen im heutigen Maßstab, denn unberücksichtigt bleibt dabei natürlich der extreme Meeresspiegelanstieg durch die Schmelze.

Der höchste dauerhaft bewohnte Kontinent ist dagegen Asien, was im Anbetracht der zahlreichen Gebirge wie des Himalajas mit dem Hochland von Tibet, des Karakorums, der iranischen Bergwelten oder des Altais weniger verwundert. Jedoch prägen ebenso riesige Tiefländer den Raum – etwa in Westsibirien, in Zentral- und Ostasien oder entlang der großen Flüsse Chinas oder des Indischen Subkontinents. Deshalb erreicht die durchschnittliche Höhe über dem Meer "nur" 960 Meter.

Wer nun aber glaubt, dass etwa Nepal oder Bhutan absolut die höchst gelegenen Länder der Erde sind, der täuscht. Dieser Titel gebührt dem Staat Lesotho in Afrika, denn kein Punkt seines Territoriums liegt unterhalb von 1000 Metern Höhe. Für den Kontinent als Ganzes reicht es bei Einebnung aller Erhebungen und Senken zu 560 Metern. Und das obwohl es hier kaum richtige Gebirgszüge wie in Asien gibt: Die Ursache sind die ausgedehnten Hochebenen in Ost- und Südafrika.

Am flachsten sind dagegen Europa und Australien: Trotz zahlreicher Gebirge wie den Alpen, den Pyrenäen, den Skanden und Karpaten kommt unser Kontinent nur auf einen Durchschnittswert von etwa 340 Meter Höhe, denn mehr als die Hälfte der Fläche wird von Tiefebenen wie der Norddeutschlands oder Osteuropas eingenommen, die kaum die 200-Meter-Marke überschreiten. Australien liegt in einem ähnlichen Bereich: Auf dem Fünften Kontinent liegen nur etwa 13 Prozent der Landesfläche über 500 Meter Höhe – die kleinste Festlandmasse ist auch die mit dem geringsten Gebirgsanteil.

Welcher Kontinent liegt durchschnittlich am höchsten?