Welcher Organismus imitiert Vogelkot?

Anna Siever
a) Lithops
b) Ulmen-Harlekin
c) Zipfelfrosch
d) Kerfstendel

Antwort:

Der Ulmen-Harlekin (Abraxas sylvata) tarnt sich als Vogelkot.

Erklärung:

Hüllt sich eine satt gefressene Raupe in einen Kokon, der sich wochenlang nicht bewegt, so könnte man meinen, ihre Stunde hätte nun endgültig geschlagen. Doch plötzlich flattert aus der scheinbar toten Hülle ein quicklebendiger Falter. Dass Schmetterlinge in der Antike als Sinnbild für Unsterblichkeit galten, überrascht hier wohl kaum.

Doch die Tiere sind alles andere als unsterblich: Ungestört können sie nur einige Tage bis Monate leben. Wären da nicht noch zahlreiche Fressfeinde – vor allem Vögel und Fledermäuse haben es auf Schmetterlinge abgesehen.

Um den Mägen der Räuber zu entgehen, haben sowohl Raupen als auch die erwachsenen Falter zahlreiche Strategien entwickelt. Einige Larven, wie etwa die Eichenprozessionsspinnerraupe, sind von giftigen Haaren bedeckt. Wie Widerhaken setzen sie sich in der Haut sowie den Atemwegen von Angreifern fest und lösen dort zum Teil gefährliche Entzündungsreaktionen aus.

Andere Schmetterlinge setzen dagegen auf den altbewährten Trick der Tarnung: Individuen aus der Familie der Weißlinge etwa ähneln sehr stark bestimmten, für Vögel ungenießbaren Edelfaltern – eine Art der Mimikry.

Wiederum andere Falter sehen toten Blättern oder Ästen zum Verwechseln ähnlich. Eine Form der Mimese – so heißt das Imitieren von toten Objekten – hat der Ulmen-Harlekin (Abraxas sylvata) für sich entdeckt: Der Nachtfalter, der tagsüber auf Baumstämmen und Blättern sitzt, sieht aus wie das Exkrement der eigenen Feinde. Seine Flügel sind wie Vogelkot bräunlich-weiß gemustert.
Ulmen-Harlekin
© Walter Schön
(Ausschnitt)
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Mimese und Mimikry gibt es aber nicht nur bei Schmetterlingen. Exemplare der Pflanzengattung Lithops etwa entgehen ihren Fressfeinden, indem sie Steine imitieren. Auch der Zipfelfrosch (Megophrys nasuta) ist ein Tarnkünstler. Durch seine braune Färbung und den namensgebenden Zipfeln über den Augen sieht er aus wie ein vertrocknetes Blatt.

Mimikry kann auch der Fortpflanzung dienen: Die Blütenlippen des Kerfstendels (Ophrys ssp.), einer Orchideengattung, ahmen beispielsweise den Hinterleib von Insektenweibchen nach - für die männlichen Individuen der imitierten Arten ein unwiderstehliches Signal. Diese setzen sich folglich auf die Blüte, streifen dort unwissentlich Pollenkörner ab und tragen sie zum "Hinterleib" der nächsten vermeintlichen Insektendame. Und so sichern die betörten Männchen statt ihrer eigenen Gattung den Orchideen den Nachwuchs.

Welcher Organismus imitiert Vogelkot?