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Welcher Pilz hielt im Mittelalter den Antoniter-Orden auf Trab?

Julia von Sengbusch
a) Bierhefe
b) Satansröhrling
c) Champignon
d) Mutterkorn

Antwort:

Die Antoniter-Mönche kämpften gegen die Folgen von Mutterkornvergiftungen - wenn auch ohne es zu wissen.

Erklärung:

Es begann mit einem Kribbeln in den Gliedern, das zu einem Brennen wurde. Wahnvorstellungen setzten ein. Hände und Füße faulten ab, das Herz versagte. Im Mittelalter hielten die Menschen das Antoniusfeuer für eine Strafe Gottes. Der Pflege der davon Befallenen hatten sich die Mönche des Antoniter-Ordens verschrieben. Sie unterhielten im 15. Jahrhundert über 350 Spitale in ganz Europa. Es sollte jedoch bis zum 18. Jahrhundert dauern, bis eine Ärztekommission in Paris entdeckte, dass ein Pilz hinter der vermeintlichen Seuche steckt.

Die Erkrankten hatten arglos Getreide gegessen, das mit Claviceps purpurea, dem Mutterkornpilz, vermischt war. Besonders in feuchten Sommern bildet dieser Pilz an Roggenähren schwarze Strukturen, die Getreidekörnern ähneln und giftige Ergot-Alkaloide enthalten. Dabei wussten die Menschen durchaus, dass die falschen Körner auf den Körper wirken: Heiler des Mittelalters setzten sie bei Schwangeren ein, um die Wehen auszulösen. So kam der ungewöhnliche Pilz zu seinem Namen, obwohl Mutter und Kind die Behandlung oft genug nicht überlebten. Heute haben moderne Fungizide und Agrartechnik die Mutterkörner weitest gehend aus den Getreidefeldern verbannt. Ihre Wirkstoffe stecken jedoch in verschiedenen Medikamenten, beispielsweise gegen Migräne oder Parkinson.

Der Satansröhrling (Boletus satanas) erhielt seinen unheiligen Namen nicht von einem Kirchenmann, sondern von Harald Othmar Lenz. Der Doktor erforschte die giftigen Eigenschaften des Pilzes gleich mehrfach am eigenen Leib und hielt seine Erlebnisse im Buch "Die nützlichen und schädlichen Schwämme, nebst einem Anhange über die isländische Flechte" fest. Auch heute erleben Pilzfreunde immer wieder eine "eine bange, grausenvolle Nacht" mit Erbrechen und Durchfall, wie Lenz sie 1931 beschrieb. Denn da der Satansröhrling dem Steinpilz recht ähnlich sieht, landet er gerade bei unerfahrenen Sammlern ab und an im Kochtopf. Die Folgen sind zwar höchst unangenehm, aber zum Glück nicht tödlich.

Liquida non frangunt ieunum - Flüssiges bricht das Fasten nicht. Dieser Leitsatz eröffnete Saccaromyces cerevisiae, der Bier- und Bäckerhefe, ihren Siegeszug durch die mittelalterlichen Klöster. Besonders starkes und nahrhaftes Bier sollte den Ordensbrüdern durch die Fastenzeit helfen. Einer Chronik aus dem Jahre 820 zufolge lebten die ersten brauenden Mönche im Schweizer Kloster St. Gallen. Dort verordnete der Dekan, dass jedem Bewohner "sieben Essen mit reichlich Brot und fünf Zumessungen Bier" pro Tag zustehen. Die älteste heute noch bestehende Brauerei der Welt steht, wie könnte es auch anders sein, in Bayern. Einer Urkunde nach erhielt das Benediktinerkloster Weihenstephan vom Freisinger Bischof 1040 das Brau- und Schankrecht - ihre Echtheit ist jedoch nicht zweifelsfrei belegt. In der Geschichte der Antoniter spielte die Braukunst jedenfalls keine nennenswerte Rolle.

Champignons (Agaricus bisporus) mögen zwar das kühle, feuchte Klima, das auch in manchen alten Klöstern vorkommt. Für ihre Zucht sind jedoch traditionell Bauern und Gärtner verantwortlich. Im 17. Jahrhundert begannen sie in Frankreich damit, den Pilz auf Beeten mit Pferdemist heranzuziehen. Die "Champignon de Paris" waren eine echte Delikatesse. Heute gibt es Fertigkulturen, mit denen jeder im Zimmergewächshaus seine eigene kleine Pilzfarm starten kann. In deutschen Wäldern kommen darüber hinaus über 60 wildlebende Verwandte, die Egerlinge, vor. Die meisten von ihnen sind essbar. Da einige aber dem hochgiftigen Knollenblätterpilz ähneln, empfiehlt es sich für Laien dennoch, auf den Kulturchampignon aus der Gemüsetheke zurückzugreifen.

Welcher Pilz hielt im Mittelalter den Antoniter-Orden auf Trab?

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