Welcher Stoff gehört nicht zu den "Urstoffen" von Paracelsus?

a) Schwefel
b) Salz
c) Quecksilber
d) Gold

Antwort:

Gold gehört nicht zu den drei "Urstoffen" nach Paracelsus.

Erklärung:

Philipp Theophrast Bombast von Hohenheim, alias Paracelsus, gilt als einer der maßgebenden Erneuerer der Medizin – mit Hilfe seiner Lehren zur arzneilichen Behandlung der Krankheiten erzielte er geradezu sensationelle Heilerfolge. Der von 1493 bis 1541 lebende Arzt und Naturforscher markierte damit den Übergang von der mittelalterlichen Alchemie zu einer naturwissenschaftlich geprägten Heilkunde und gilt damit als Wegbereiter der modernen Biochemie und Ernährungsphysiologie.

Aus der galenischen Medizin des Mittelalters übernahm Paracelsus die Lehre von den vier Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde, welche die Materie zusammensetzen. Er lehnte dieses Lehrmodell keineswegs ab, wie manchmal zu lesen ist. Jedoch entwickelte er ein fortschrittlicheres System, nach dem er die in der Welt existierenden Dinge einteilte: Sowohl die realen Stoffe, aber auch die Wesensart der Krankheiten, den Weg zur Heilung und die dafür richtigen Arzneimittel.

Die Urstoffe, welche seinem System zugrunde liegen, nannte er die Drei Prinzipien: Mercur (Quecksilber) und Sulphur (Schwefel) übernahm Paracelsus aus der arabischen Alchimie. Neu hinzu kam seine Formulierung eines dritten Prinzips, des Sal (Salz).

Nach unserer heutigen materialistischen Denkweise mag es sehr seltsam anmuten, Quecksilber, Schwefel und Salz als die drei Grundprinzipien der Natur zu bezeichnen. Für Paracelsus war Salz jedoch nicht irgendein bestimmtes Stoffgebilde; sondern alles, was feste Form annahm auf der Erde, bedeutete Salz. Ebenso war Mercur nicht allein das metallische Quecksilber, sondern alles, was lebendig, flüssig, wässerig die Natur durchflutete, trug das mercurialische Prinzip in sich. Und Sulphur bedeutete nicht nur das, was man heute unter Schwefel versteht: Überall, wo in der Natur Festes und Flüssiges unter dem Einfluss der Wärme in die Höhe stieg, überall wo ein aromatisches Duftelement sich von der Erde loslöste, da wirkte das sulphurische Prinzip.

Unter "Elementen" verstand Paracelsus also noch nicht die vielen groben Einzelstoffe der Welt. Die Begriffe, wie er sie verwendete, waren noch nicht materialistisch hart und starr geworden, sondern vielmehr geistiger Natur. Schon vor Entstehung der materiellen Welt existent, wurden sie nach deren Erschaffung aber an die Materie gebunden: "Das Sichtbare und Greifbare ist der Körper der Welt, der da aus den drei Urstoffen besteht, dem Schwefel, Quecksilber und Salz."

Von großer Bedeutung für Krankheit und Heilung war dabei ein harmonisches Verhältnis der Prinzipien zueinander: "Sind die drei vollkommen miteinander verbunden, so steht es um die Gesundheit gut. Wenn sie aber zerfallen, sich zertrennen und sondern, wenn die eine fehlt, die andere brennt und die dritte sonst irgendeinen Weg geht, so sind das die Anfänge der Krankheiten", wie Paracelsus schrieb. Deshalb zeigten alle wirksamen komplizierten Arzneizubereitungen Eigenschaften aller drei Prinzipien in harmonischer Beziehung zueinander.

Durch sein experimentelles Geschick im Labor wurde er zudem zum Begründer der Iatrochemie, auch Chemiatrie genannt. Diese Lehre erklärte alle Lebensprozesse und Krankheiten mit rein chemischen Vorgängen und führte zur Entwicklung von mineralischen und auf chemischem Wege hergestellten Arzneimitteln. Die Alchimie war demnach für Paracelsus keine Methode zur Gewinnung von Gold, sondern ein unentbehrliches Verfahren zur Herstellung besonders wirksamer Arzneien. Er lehrte, therapeutisch aktive Natursubstanzen künstlich zu verbessern und inaktive, beziehungsweise giftige Stoffe in Arzneien zu verwandeln.

Zwar hatte man schon seit der Antike umgewandelte Naturstoffe oder Kunstprodukte als Arzneien verwendet, doch geht die systematische Verwendung dieser – alchimistischen – Produkte auf Paracelsus zurück. Besondere Verdienste erwarb er sich durch die richtige Anwendung gefährlicher Stoffe als Arzneien: "Alle Dinge sind ein Gift und nichts ist ohne Gift, nur die Dosis bewirkt, dass ein Ding kein Gift ist." Ein Ausspruch, der bis heute seine Gültigkeit behalten hat.
Paracelsus
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Philipp Aureolus Theophrast Bombast von Hohenheim (1493-1541), genannt Paracelsus: Arzt, Alchimist und Philosoph