Welcher Stoff wurde als Mittel zur Befreiung einer verstopften Nase eingeführt?

a) Benzedrin
b) Kokain
c) Heroin
d) Psilocibin
e) Phencyclidin

Antwort:

Das Amphetamin Benzedrin sollte einst gegen verstopfte Nasen helfen.

Erklärung:

Auf der Suche nach einem Mittel gegen Asthma war der Apotheker Chen Anfang der 1920er Jahre auf den Wirkstoff eines Strauches der Gattung Ephedra gestoßen. Da sich die Gewinnung seines Wirkstoffes aus dem Strauch als wenig ökonomisch erwies, suchte man nach synthetischen Ersatzstoffen – die Geburtsstunde der Amphetamine. Als erster Stoff dieser Art wurde 1927 Benzedrin synthetisiert und zunächst nur gegen eine verstopfte Nase eingesetzt. Bald darauf entdeckte man auch die aufputschende, appetitzügelnde und stimmungsaufhellende Wirkung von Amphetaminen, was die Verbreitung des bis dahin rezeptfreien Medikaments förderte. Allerdings zeigten sich auch gravierende Nebenwirkungen wie Verwirrung, übersteigerter Aktivität, Herzrasen, Aggression und drastischer Gewichtsverlust. Heute kann Benzedrin in Deutschland zwar vom Arzt noch verschrieben werden, ist jedoch in Apotheken nicht mehr als Fertigprodukt erhältlich.

Kokain setzten Mediziner auf Grund seiner lokalanästhetischen Wirkung ebenfalls ein. Die Synthetisierung aus den Blättern der Koka-Pflanze gelang 1844 zum ersten Mal. Einer der berühmtesten Konsumenten des Kokains – Sigmund Freud – war anfänglich von der Wirkung begeistert und setzte es in der Psychoanalyse ein. Später schwand sein Enthusiasmus, als er erkannte, dass das Mittel statt Glücksgefühlen auch psychotische Zustände auslösen kann und darüber hinaus abhängig macht. Die wohl bekannteste Quelle für Kokain trägt das Mittel noch heute im Namen: Die Originalrezeptur von Coca-Cola enthielt seit der Entwicklung 1886 bis zum Verbot des Wirkstoffs in den USA 1906 Kokain.

Auch das Heroin hat eine lange Geschichte medizinischer Nutzung: Auf der Suche nach einem Ersatz für das abhängig machende Morphium entwickelten Ärzte und Chemiker im späten 19. Jahrhundert das Morphiumderivat. Sie nahmen an, es habe eine ähnlich schmerzlindernde Wirkung, ohne allerdings süchtig zu machen. Daher wurde es unter anderem ausgerechnet gegen Morphinsucht eingesetzt – ein fataler Irrtum, wie sich herausstellte, denn Heroin führt schneller in die Abhängigkeit, die auch noch schwerer zu überwinden ist. Als Schmerzmittel war Heroin frei erhältlich, unter anderem als Saft gegen die Schmerzen zahnender Kinder. Das Mittel erfreute sich so großer Beliebtheit, dass es als GOM – God's own medicine – bezeichnet wurde.

Auch die Halluzinogene, zu denen der Wirkstoff Psilocibin aus dem Pilz Psilocybe mexikana zählt, wurden für verschiedene medizinische Anwendungen getestet. Federführend auf dem Gebiet waren Timothy Leary und Richard Alpert von der Harvard-Universität. In einer Studie an Häftlingen zeigten sie, dass diese seltener rückfällig werden, wenn sie während der Haft Psilocibin zu sich genommen hatten. Daneben testeten die Wissenschaftler die Wirkung verschiedener Halluzinogene auch an sich selbst und ihrer stetig wachsenden Anhängerschaft. Vor allem Leary setzte sich vehement für das Recht ein, bewusstseinserweiternde Mittel einnehmen zu dürfen. Nach zunehmenden Kontroversen und Problemen mit der Justiz wegen ihrer Experimente mussten Alpert und Leary 1963 Harvard verlassen.

Phencyclidin entwickelte die Firma Parke Davis und Co. 1956 als Narkosemittel. Als solches verfehlte es seine Wirkung durchaus nicht, allerdings waren die Patienten, wenn sie aus der Narkose erwachten, seltsam motorisch unruhig und desorientiert. Auf Grund dieser unerwünschten Nebenwirkungen wurde das Mittel 1965 vom Markt genommen. In illegalen Labors produziert, ist das Mittel nach wie vor als Betäubungsmittel unter Namen wie PeaCePill (PCP), Engelsstaub oder Balsam im Umlauf. Die Wirkungen einer geringen Dosis des Mittels sind vielfältig und unberechenbar. Sie können beispielsweise zu einer erhöhten Sensibilität aller Sinne, körperlicher Unruhe, Fehlwahrnehmungen und Desorientierung führen. Blutgefäße können platzen, schließlich kommt es zum Tod durch Versagen der Atmungsmuskulatur.