Welches blutrünstige Wesen kann man heute ausgestopft in Chicago bestaunen?

Nils Ehrenberg
a) Menschenfresser von Tsavo
b) Teufel von Jersey
c) Ziegensauger von Puerto Rico
d) Bestie von Gévaudan

Antwort:

Den Museumsbesucher erwarten die Menschenfresser von Tsavo: zwei männliche Löwen, die im Jahre 1898 in Kenia für den Tod von fast 140 indischen Bahnarbeitern verantwortlich waren. Die Tiere stehen heute ausgestopft in der Zoologie-Abteilung des Field Museum of Natural History in Chicago.

Erklärung:

Die Geschichte des berühmten Museumsexponats beginnt im Jahr 1898. Der Ingenieur und Oberstleutnant der britischen Armee John Henry Patterson wird von der British East Africa Company beauftragt, den Bau einer Eisenbahnbrücke über den Tsavo-Fluss im heutigen Kenia zu leiten. Kurz nach seiner Ankunft werden die ersten indischen Bahnarbeiter des Nachts von zwei Löwen aus ihren Zeltunterkünften gezogen und in die Dunkelheit der Savanne geschleppt. Patterson reagiert sofort: er führt im Lager Sperrstunden ein, versucht durch nächtliche Feuer die Löwen abzuschrecken und lässt Bomas, improvisierte Zäune aus Dornenbüschen, errichten. Dennoch schaffen es die Tiere immer wieder in das Lager einzudringen und weitere Arbeiter zu töten. Vertrauend auf seine Erfahrung als Tigerjäger in Indien, stellt Patterson Fallen auf und sitzt nächtelang mit seinem Gewehr auf Bäumen um den Bestien aufzulauern. Nach zahllosen vergeblichen Versuchen gelingt es ihm endlich, zunächst ein Tier und knapp drei Wochen später seinen mörderischen Begleiter zur Strecke zu bringen.

Beide Löwen verbrachten die nächsten 25 Jahre als Teppiche vor dem Kamin von John Patterson, der inzwischen durch sein Buch "Die Menschenfresser von Tsavo" zu einiger Berühmtheit gelangt war. Im Jahre 1924 verkaufte er die zwei Felle und die Schädel für 5000 Dollar an das Field Museum in Chicago, das die Häute zu lebensgroßen Präparaten verarbeiten ließ. Beide Exemplare gehörten einer mähnenlosen Unterart an, weshalb sie von Besuchern häufig für Weibchen gehalten werden.

Bis heute wird darüber spekuliert, warum die Tiere zu Menschenfressern wurden. Möglicherweise gewöhnten sich die Löwen an menschliche Beute, weil sie am Tsavo-Fluss immer wieder auf nicht begrabene Leichen stießen, die dort von Sklavenkarawanen zurückgelassen wurden.

Beim Teufel von Jersey handelt es sich um ein legendäres Wesen, das in den Pine Barrens, einem dicht bewaldeten Gebiet im südlichen New Jersey leben soll. Augenzeugen, welche die Kreatur gesehen haben wollen, beschreiben es meist als ein auf zwei Beinen laufendes Huftier mit Flügeln, das große Ähnlichkeit mit einer Giraffe oder einem Pferd hat. Der Legende nach soll der Teufel von Jersey das dreizehnte Kind einer gewissen Mrs. Leeds sein, das sich kurz nach der Geburt in ein schreckliches Wesen verwandelte und dann, nachdem es zuvor noch die Hebamme tötete, durch den Kamin des Hauses geflohen sein soll.
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© Philadelphia Evening Bulletin
(Ausschnitt)
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Bis heute tauchen immer wieder skurrile Berichte angeblicher Sichtungen auf. Ähnlich wie bei dem Yeti sind es meist Spuren im Schnee, die Augenzeugen als Beweise für die Existenz der Kreatur anführen. Da diese oft an Hufspuren erinnern und auch auf Dächern und anderen unzugänglichen Orten gefunden werden, könnte sich im Zuge der Legendenbildung auch die Optik des Teufels, eben ein Huftier mit Flügeln, an die Beobachtungen angepasst haben.

Der Ziegensauger (span.: Chupacabra) trieb in Puerto Rico sein Unwesen, tötete aber wenigstens nur Ziegen und Schafe. Die Kadaver, die in den Jahren 1975 und 1995 von Bauern aufgefunden wurden, wiesen punktförmige Wunden im Brustbereich auf und waren vollständig blutleer. Kurz nachdem das zweite Ereignis durch die Presse ging, prägte ein puertoricanischer Comedian den Begriff Ziegensauger. In den folgenden Jahren tauchten viele ähnliche Fälle in anderen mittelamerikanischen Ländern und den USA auf die auf Chupacabras zurückgeführt wurden.

Ähnlich wie beim Teufel von Jersey gibt es auch für die Existenz des Ziegensaugers, der meist als Reptil, das wie ein Chamäleon die Farbe wechseln kann, beschrieben wird, keine Beweise. Die gelegentlich von Bauern präsentierten, meist stark verwesten Funde eines Chupacabras, stellten sich später als verendete Wildhunde oder Kojoten heraus. Vielleicht, so eine gängige Vermutung, steckt hinter dem Chupacabra ein Ritual des Voodookultes, der in der Karibik verbreitet ist.

Die Bestie von Gévaudan war vermutlich ein Wolf oder ein wolfähnliches Tier, das zwischen 1764 und 1767 für eine Mordserie in der Auvergne im Süden Frankreichs verantwortlich war.

König Ludwig XV schickte schließlich eine ganze Dragonereinheit in die Region, die das Tier erlegen sollte. In der Folge wurde eine Reihe von Treibjagden veranstaltet, die im Februar 1765 mit dem gleichzeitigen Einsatz von 20  000 Personen einen Höhepunkt fand. Im September 1765 schoss ein persönlicher Beauftragter des Königs einen ungewöhnlich großen Wolf, den er ausstopfen ließ und Ludwig XV in Paris als Mörderbestie vorführte. Dennoch ging das Morden ungebremst weiter, bis schließlich der vom König beauftragte Wildhüter Jean Chastel im Juni 1767 ein riesiges Tier erlegte. Ein Notar beschrieb es in einem Bericht als wolfsähnliche Kreatur von riesigen Ausmaßen.

Danach hörte das Töten auf, der Kadaver verweste und Chastel behielt nur eine Pfote als Trophäe. Kurz nach Ende der Mordserie machten Gerüchte die Runde, Chastel selbst habe einen Mischling aus Wolf und Hund gezüchtet und auf Menschen abgerichtet.

Welches blutrünstige Wesen kann man heute ausgestopft in Chicago bestaunen?