Welches dieser Tiere ist Zweitautor einer wissenschaftlichen Publikation über Tieftemperaturphysik?

Elena Bernard
a) der Pinguin N. Olav
b) der Kater F.D.C. Willard
c) die Taube G.I. Joe
d) der Hund G. Mirkwood

Antwort:

Gemeinsam mit seinem Herrchen, dem Physiker Jack H. Hetherington, ist der Kater F.D.C.  Willard Autor einer Publikation, die 1975 in der Fachzeitschrift Physical Review Letters veröffentlicht wurde.

Erklärung:

1975 wollte der Physiker und Mathematiker Jack H. Hetherington von der Michigan State University in East Lansing einen Aufsatz über Tieftemperaturphysik in der Fachzeitschrift "Physical Review Letters" veröffentlichen. Obwohl er der einzige Autor war, hatte er häufig die Wir-Form verwendet. Als ein Kollege ihn darauf aufmerksam machte, dass der Artikel in dieser Form nicht angenommen würde, stand Hetherington vor der Wahl, entweder in seinem gesamten Aufsatz das "wir" durch "ich" zu ersetzen oder einen weiteren Autor hinzuzufügen. Statt einen Kollegen zu fragen, entschied er sich für seinen Siamkater Chester. Der Name Willard stammt von dem Vater des Tieres. Da in den USA mehrere Vornamen üblich sind, fügte Hetherington die Gattungsbezeichnung Felis domesticus, Hauskatze, hinzu. Somit ergab sich der volle Name Felis Domesticus Chester Willard, kurz F.D.C. Willard. Die Publikation "Two-, Three-, and Four-Atom Exchange Effects in bcc ³He" wurde unter den Namen der beiden Autoren im November 1975 publiziert.

Der Schwindel flog auf, als die beiden Autoren 1978 zu einer Fachkonferenz eingeladen wurden. Hetherington sah sich gezwungen, seinen Zweitautor zu enttarnen und signierte die Publikation mit einem Pfotenabdruck von Chester. Damit war F.D.C. Willards Karriere aber nicht beendet. 1980 erschien unter seinem Namen ein Text in der französischen populärwissenschaftlichen Zeitschrift "La Recherche", und in mehreren anderen Publikation danken ihm die Autoren etwa für "hilfreiche Diskussionsbeiträge".

Während Hetheringtons Publikation durch ihren tierischen Zweitautor an Berühmtheit gewann, bekam die Immunologin Polly Matzinger ernsthaftere Konsequenzen zu spüren, als bekannt wurde, dass es sich bei ihrem Koautor Galadriel Mirkwood um einen Hund handelte: Die Fachzeitschrift "Journal of Experimental Medicine", in der sie und ihr Hund 1978 den Aufsatz "In A Fully H-2 Incompatible Chimera, T Cells of Donor Origin Can Respond to Minor Histocompatibility Antigens in Assocaition With Either Donor or Host H-2 Type" publiziert hatten, nahm bis zum Tod des Herausgebers keine Aufsätze mehr von ihr an. Dabei soll Matzinger behauptet haben, dass ihr Afghane nicht weniger Anteil an der Publikation gehabt hätte, als einige ihrer früheren Koautoren.

Zu militärischen Ehren hat es der Königspinguin Nils Olav gebracht. Wohnhaft im Zoo von Edinburgh, ist er Maskottchen und Ehrenoberst der königlichen Garde von Norwegen. 2008 wurde er sogar von König Harald V. zum Ritter geschlagen und heißt seither Sir Nils Olav II. Norwegens Beziehung zu den Pinguinen im Zoo von Edinburgh entstand bereits 1913, als der norwegische Entdecker Roald Amundsen nach seiner Südpolexpedition dem Zoo den ersten Königspinguin schenkte. 1972 wählte das norwegische Militär einen Königspinguin aus Edinburgh zum Maskottchen und verlieh ihm den Dienstgrad eines Lance Corporals. Immer, wenn sich die königliche Garde anlässlich des Edinburgh Military Tattoo, einem Zapfenstreich beim Edinburgh Festival, in Schottland aufhielt, besuchte sie ihren Schützling und beförderte ihn. Als der erste Nils Olav in den 1980er Jahren starb, trat der damals zweijährige Nils Olav II. seine Nachfolge an. Dank weiterer Beförderungen ist er heute Ehrenoberst und Ritter, hat eine eigene Statue und trägt mehrere Medaillen.

Während Nils Olav seine Auszeichnungen vor allem seiner langen "Dienstzeit" verdankt, hat die Taube G.I. Joe tatsächlich Menschenleben gerettet und wurde dafür mit der Dicking Medal geehrt, der höchsten britischen Kriegsauszeichnung für Tiere. Schon kurz nachdem G.I. Joe im März 1943 geschlüpft war, wurde sie im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten als Brieftaube eingesetzt. Am 18. Oktober 1943 hatte sie ihren wichtigsten Einsatz. Überraschend schnell hatten britische Truppen die kleine italienische Stadt Calvi Vecchia eingenommen. Da die Alliierten mit größeren Widerständen gerechnet hatten, waren amerikanische Luftangriffe auf die Stadt geplant, um die Besetzung der Stadt zu erleichtern. Als die Briten in der Stadt waren, schlugen alle Versuche, mit den Verbündeten Kontakt aufzunehmen, fehl. So wurde G.I. Joe mit der Überbringung der wichtigen Nachricht betraut. In nur 20 Minuten flog sie die 30 Kilometer bis zum amerikanischen Stützpunkt und kam gerade noch rechtzeitig, um den Start der Flugzeuge zu verhindern. So rettete sie die Leben von tausenden Menschen in Calvi Vecchia. Ihren Lebensabend verbrachte sie zunächst in der "Racing Pigeon Hall of Fame" bei New York City und später im zoologischen Garten von Detroit, wo sie im Alter von 18 Jahren verstarb.

Welches dieser Tiere ist Zweitautor einer wissenschaftlichen Publikation über Tieftemperaturphysik?