Welches dieser Tiere wird nur ein bisschen schwanger?

a) Marder
b) Reh
c) Dachs
d) Braunbär
e) Gürteltier

Antwort:

Von den genannten Tiere können alle (!) über eine Keimruhe ihre Schwangerschaft hinauszögern und damit ein "bisschen schwanger" sein.

Erklärung:

Bei der Keimruhe wird nach der Befruchtung des Eies dessen weitere Entwicklung sowie die feste Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut gehemmt und damit der Zeitpunkt der Geburt des Nachwuchses verzögert. Ein schlauer Schachzug, denn so verhindern die Weibchen die Aufzucht ihrer Jungen während widriger Umstände wie zum Beispiel bei im Winter herrschender Kälte und Nahrungsknappheit.

Die Länge der Keimruhe kann durchaus unterschiedlich ausfallen:
So findet bei Rehen die Paarung in den Monaten Juli bis August statt, der Embryo aber entwickelt sich erst ab Dezember zu seiner vollständigen Größe. Im Mai, wenn es für Mutter und Kind frisches Gras in Hülle und Fülle gibt, wird das Kitz dann geboren. Erstaunlicherweise erblickt auch der Nachwuchs der so genannten Spätbrunft zur selben Zeit das Licht der Welt. Hier fällt die Verlängerung der Trächtigkeit einfach aus, da sie durch die späte Befruchtung im Dezember nicht mehr nötig ist. Die Keimruhe scheint also keinesfall obligatorisch zu sein, sondern ermöglicht vielmehr den Nachkommen vieler Tierarten den bestmöglichen Start ins Leben.

Überraschend ist auch das Verhältnis von Keimruhe zu tatsächlich stattfindender Embryonalentwicklung bei Mardern. Von den insgesamt neun Monaten Trächtigkeit dienen ganze sechs bis sieben Monate dazu, den Nachwuchs in Form von befruchteten Eiern in einer Art Märchenschlaf zu halten. Danach dauert es nicht einmal zwei bis drei Monate, bis der Wurf von zwei bis sieben Marder-Welpen vollständig entwickelt ist und seiner Zukunft als KfZ-Mechaniker der besonderen Art entgegenblicken kann.

Beim Dachs, einem nahen Verwandten der Marder, verhält es sich ähnlich. Nach wenigen Teilungen wird die Embryonalentwicklung einfach für mehrere Monate gestoppt.

Bei den Bären endet die Keimruhe nach vier bis sechs Monaten. Noch während ihrer Winterruhe, nach nur wenigen Wochen Entwicklungszeit kommen die zu Anfang blinden Jungen auf die Welt. Bei der Geburt sind sie dabei nicht größer als ein Meerschweinchen.

Zu den Keimruhe einhaltenden Tieren zählen aber auch solch exotische Exemplare wie das Gürteltier, dessen Verbreitung hauptsächlich auf den amerikanischen Kontinent, und hier besonders auf Südamerika, beschränkt ist. Von diesen sehr ursprünglichen Tieren ist eine weitere Besonderheit bekannt: Sie gebären nur eineiige Mehrlinge, dass heißt, aus einer einzigen Eizelle gehen mehrere genetisch identische Nachkommen hervor.

Welches dieser Tiere wird nur ein bisschen schwanger?