Welches Element gibt es nicht?

Andreas Jahn
a) Glucinium
b) Didymium
c) Cassiopeium
d) Niton
e) Centurium

Antwort:

Alle (heute nicht mehr gebräuchlichen) Namen stehen für ein Element - bis auf Didymium, das sich als Mischung zweier Elemente entpuppte.

Erklärung:

Die "seltenen Erden" waren für die Chemiker des 19. Jahrhunderts eine harte Nuss. Nicht nur, weil sie – wie ihr Name verrät – nur spärlich vorkommen, sondern auch weil sie sich chemisch ähnlich verhalten und daher nur schwer in ihre Bestandteile zerlegt werden können.

Als Elementjäger besonders hervorgetan hat sich der schwedische Chemiker und Chirurg Carl Gustav Mosander (1797-1858): Im Jahr 1839 untersuchte er angeblich reine Ceriterde und konnte dabei einen darin verborgenen Stoff nachweisen, der heute als Lanthan (lanthanein, griech.: verborgen sein) bekannt ist.

Mosander ließ nicht locker, suchte nach weiteren unbekannten Substanzen – und wurde fündig: 1842 präsentierte er in Stockholm auf einer Tagung skandinavischer Naturforscher das neue chemische Element Didymium. Im Namen spiegelt sich die zwillingshafte Ähnlichkeit zu Lanthan wider (didymos, griech.: Zwilling).

Doch nicht alle Kollegen waren überzeugt. Insbesondere Friedrich Wöhler (1800-1882) fand die deutsche Bezeichnung "Didym" ziemlich albern und spottete, Mosander hätte mit dem Elementnamen lediglich seine eigenen Sprösslinge – zwei Zwillingspaare – verewigen wollen. Doch der Name sollte sich für die nächsten vier Jahrzehnte halten.

Erst 1879 isolierte der französische Chemiker Paul Emile Lecoq de Boisbaudran (1838-1912) aus Didymerde das Element Samarium. 1885 konnte schließlich sein österreichischer Kollege Carl Auer von Welsbach (1858-1929) nachweisen, dass in dem restlichen Didym immer noch zwei Elemente steckten: das "grünliche" Praseodym (Element 59; prasios, griech.: lauchgrün) und das "neue" Neodym (Element 60).

Glucinium nannte der französische Chemiker Louis Nicolas Vauquelin (1763-1829) die von ihm 1798 in dem Mineral Beryll entdeckte Substanz – wegen ihres süßlichen Geschmacks. Durchgesetzt hat sich jedoch für Element 4 der von Martin Heinrich Klaproth (1743-1817) vorgeschlagene Name Beryllium.

Der Didym-Spalter Carl Auer von Welsbach gehörte auch zu den Entdeckern von Element 71, das er Cassiopeium nannte. Der Name und das Elementsymbol Cp blieben im deutschen Sprachraum bis Ende der 1940er Jahre üblich. Dann konnte sich auch hier der Vorschlag von Georges Urbain (1872-1938) behaupten, der die Substanz ebenfalls 1907 aufgespürt hatte und mit dem Namen Lutetium seine Heimatstadt Paris verewigte.

1910 isolierte der schottische Chemiker und Nobelpreisträger William Ramsey (1852-1916) ein radioaktives Edelgas und schlug den Namen Niton vor (nitens, lat. glänzen). Heute ist Element 86 als Radon bekannt.

1953 gelang Forschern des Stockholmer Nobel-Instituts die Synthese des 100. Elements des Periodensystems, dem sie den Namen Centurium (centum, lat.: hundert) geben wollten. Doch ein Jahr zuvor hatten amerikanische Kollegen um Albert Ghiorso das Element bei Kernwaffen-Tests entdeckt, die ihre Ergebnisse wegen militärischer Geheimhaltung erst 1955 publizieren konnten. Zu Ehren des italienisch-amerikanischen Kernphysikers und Nobelpreisträgers Enrico Fermi (1901-1954) wählten sie den Namen Fermium.

Welches Element gibt es nicht?