Welches ist der größte Parasit im menschlichen Körper?

von
Bandwurm-Hakenkranz
© Spektrum Akademischer Verlag
(Ausschnitt)
a) Fuchsbandwurm
b) Fischbandwurm
c) Guineawurm
d) Rinderbandwurm

Antwort:

Es ist der Fischbandwurm.

Erklärung:

Der Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum) – auch Breiter Bandwurm genannt – kann im menschlichen Darm eine Länge von bis zu zwanzig Metern erreichen. Sein Körper hat im Maximalstadium über 4000 Einzelglieder. Er wird Fischbandwurm genannt, weil Fische seine Zwischenwirte sind. Durch den Genuss von rohem Fisch werden die Larven des Schmarotzers in den menschlichen Körper aufgenommen, wo sie sich bis zur Geschlechtsreife entwickeln. Im Erwachsenenalter beginnt das Tier dann mit der Eierproduktion, die mit dem menschlichen Kot wieder ausgeschieden werden. Gelangen sie ins Wasser, schlüpfen die Larven, die wiederum zuerst von Kleinkrebsen aufgenommen werden. In diesen entwickeln sie sich weiter. Wird ein derart infizierter Krebs von einem Fisch gefressen, dann befallen die Fischbandwurmlarven die Leber oder die Muskulatur ihres Zwischenwirts und warten hier, bis der Fisch seinerseits vom Menschen verzehrt wird – der Kreis schließt sich. Zumeist verläuft die Infektion beim Menschen ohne äußere Symptome, bei starkem Befall kann es aber zu Durchfällen, Darmverschluss oder einer Anämie kommen.

Ebenfalls sehr lang kann der Rinderbandwurm (Taenia saginata) werden, dessen Endgröße bei zehn Metern liegt. Auch hier werden die Larven mit rohem Fleisch aufgenommen; besonders häufig finden sie sich im Herz- und Muskelgewebe von Rindern – den Zwischenwirten im Lebenszyklus. Die Art ist dabei streng wirtsspezifisch, sodass die vom Menschen ausgeschiedenen Eier unbedingt von Kühen aufgenommen werden müssen, was häufig in der Nähe von Autobahnraststätten und Zeltplätzen der Fall zu sein scheint. Weltweit gelten 50 Millionen Menschen als infiziert, wobei in Deutschland nach Schätzungen nur 0,5 bis 1,2 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus granulosus) wird dagegen nicht besonders groß. Seine Gefährlichkeit bezieht er weniger aus den vier Millimetern maximaler Länge; vielmehr ist der Mensch ein Fehlwirt, in dem der Bandwurm seine Umwandlung von der Larve – der Finne – zum Erwachsenen nicht vollenden kann. In der Folge durchsetzt die Finne die gesamte Leber des befallenen, unbehandelten Menschen und zerstört sie. Gehirn oder Lunge können in seltenen Fällen ebenfalls betroffen sein. Der Mensch nimmt die Eier zumeist durch den Verzehr ungenügend erhitzter, kontaminierter Waldbeeren auf oder atmet sie nach Aufwirbelungen ein. Als Hochrisikogebiet in Deutschland gilt vor allem die Schwäbische Alb, aber auch in Bayern ist eine Ausbreitung des Fuchsbandwurms erkennbar. In Baden-Württemberg schätzt man die Neuinfektionsrate auf etwa fünfzig Menschen pro Jahr. In frühen Stadien lassen sich die Finnen operativ entfernen, später helfen nur Medikamente, die das Wachstum der Larven hemmen.

Der Guineawurm (Dracunculus medinensis) gehört zu den Fadenwürmern und ist mit einem Meter auch der längste Nematode, der den Menschen befallen kann. Nur die Weibchen können allerdings diese Länge erreichen, die Männchen bleiben dagegen sehr klein. Seine Heimat sind die Trockengebiete Afrikas und Asiens bis Pakistan, sowie Nord- und Südamerika. Beim Menschen wird vor allem das Unterhautbindegewebe des Unterschenkels und des Fußes befallen. Äußerliches Anzeichen ist eine Blase, aus der tausende Larven ins Wasser entlassen werden können. In früheren Zeiten entfernte man den Wurm genau an dieser Blase, indem er auf ein Stöckchen aufgewickelt und innerhalb von zehn Tagen langsam aus der Haut gezogen wurde – literarisch verewigt in T.C. Boyles Roman "Wassermusik".
Bandwurm-Hakenkranz

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