DenkMal | Drucken | Teilen

Welches Lebewesen weist das größte bekannte Genom auf (gemeint ist die Zahl der Basenpaare)?

Georg Neulinger
a) der Marmorierte Lungenfisch Protopterus aethiopicus
b) die Gemeine Fichte Picea abies
c) der Mensch Homo sapiens
d) die Japanische Einbeere Paris japonica
e) der Zwergwasserschlauch Utricularia gibba

Antwort:

Es ist die Japanische Einbeere (Paris japonica).

Erklärung:

Der Titel des Lebewesens mit dem größten bekannten Genom gebührt ausgerechnet einer eher unscheinbaren Pflanze: Im Erbgut von Paris japonica, einer Einbeere aus Japan, tummeln sich unvorstellbare 150 Milliarden Basenpaare - das sind 50-mal so viele wie im menschlichen Genom. Im ausgerollten Zustand würde die DNA der Pflanze den Big Ben an Höhe übertreffen. Warum die Pflanze ein so riesiges Genom besitzt, ist bislang unklar.

Ein Einzeller könnte jedoch die Einbeere noch bei weitem übertreffen: Die Amöbe Polychaos dubium verfügt nach älteren Schätzungen über ein Riesengenom mit 670 Milliarden Basenpaaren - deutlich mehr als bei jedem anderen Lebewesen. Jedoch ist dieses Resultat umstritten, da zum Zeitpunkt der Untersuchung noch keine modernen Sequenziermethoden zur Verfügung standen. Dass ausgerechnet ein einzelliges Lebewesen über ein derart großes Erbgut verfügt, wäre einerseits überraschend - zeigt andererseits jedoch deutlich, dass die Genomgröße allein in keiner Weise mit der Komplexität eines Organismus zusammenhängt.

So übertrifft auch der allseits bekannte Weihnachtsbaum, die in unseren Breiten häufige Gemeine Fichte (Piscies abia), mit zirka 20 Milliarden Basenpaaren das menschliche Erbgut um den Faktor Sieben, jedoch ist die Anzahl der funktionalen Gene nicht größer als im Menschengenom. Ein großer Teil des Erbmaterials besteht aus sich wiederholenden DNA-Sequenzen ("Repeats"), die das Genom enorm "aufblähen". Koniferen scheinen nicht über effektive Mechanismen zur Eliminierung sich wiederholender Sequenzen zu verfügen.

Der Zwergwasserschlauch (Utricularia gibba), eine fleischfressende Wasserpflanze mit einer raffinierten Saugfalle, ist hingegen ein echter Minimalist: Mit 82 Millionen Basenpaaren weist er das kleinste bekannte Pflanzengenom auf - 2000-mal kleiner als jenes der Japanischen Einbeere. Jedoch enthält es nur 3 Prozent nichtcodierende Abschnitte und ist daher sehr kompakt. Die komplexe Pflanze scheint mit dem überraschend kleinen Erbgut jedenfalls gut auszukommen.

Der Marmorierte Lungenfisch (Protopterus aethiopicus) verfügt über das größte bekannte Genom aller Wirbeltiere (130 Milliarden Basenpaare). Lungenfische sind sehr ursprüngliche Fische, die sich bei Trockenheit im Schlamm eingraben und in der Lage sind, Sauerstoff aus der Luft aufzunehmen. Viele deutlich höher entwickelte Wirbeltiere weisen ein viel kleineres Erbgut auf - so auch wir Menschen: Mit 3,2 Milliarden Basen ist unser Genom wohl "durchschnittlich", zumal 98,5 Prozent nichtcodierende Abschnitte sind, deren Funktion - falls es tatsächlich eine gibt - noch weitgehend im Dunklen liegt.

Einbeere <em>Paris japonica</em>
  Einbeere Paris japonica
Bei dieser Pflanze fand man das größte bekannte Genom - 50 mal größer als jenes des Menschen.

Welches Lebewesen weist das größte bekannte Genom auf (gemeint ist die Zahl der Basenpaare)?

Anzeige