Welches Tier war den Germanen als erstes heilig?

a) Hund
b) Drache
c) Rabe
d) Kuh
e) Wolf

Antwort:

Es war die Kuh.

Erklärung:

Die Kuh Audhumla (auch Audhumbla) erscheint in der germanischen Mythologie als eines der ersten Lebewesen zu Beginn der Schöpfung, die mit dem Ginnungagap – der gähnenden Leere – startet. Aus Ginnungagap entstanden die Reiche Muspelheim, in dem das Feuer herrschte, und Niflheim, die Welt von Eis und Kälte. Funken aus Muspelheim schmolzen das Eis von Niflheim, und aus einem der Tropfen entwickelte sich Audhumla, deren vier Milchströme ihres Euters dem aus einem weiteren Tropfen geborenen Riesen Ymir als Nahrung dienten.

Die Kuh galt daher den Germanen als Mutter der Welt. Sie selbst ernährte sich vom Schlecken salzigen Eises, bis sie damit eines Tages langes Menschenhaar freilegte, das dem Stammvater der Götter Buri gehörte. Sein Nachkomme Bör, den er mit sich selbst zeugte, schenkte wiederum mit einer Nachfahre Ymirs einem der wichtigsten Götter der Germanen das Leben: Odin.

Auch ein Synonym für das Wort Kuh stammt aus der germanischen Götterwelt: Eine der Gemahlinnen Odins war Rind (Rinda): Sie galt als die Göttin der Erde und der Fruchtbarkeit.

Wölfe streunen zahlreich durch die Sagen der Germanen. Allerdings hatten sie – wie heute – meist keinen guten Leumund. Einer der wichtigsten Vertreter des Wolfsgeschlechts und ein Geschöpf des Feuergotts Loki war Fenris, der die Lüge symbolisierte und alles einst verschlingen sollte. Er wurde entführt und nach Agard (dem Sitz der Götter) gebracht, wo er gefesselt und bis Ragnarök, dem Tag der germanischen Götterdämmerung, gefangen gehalten wurde. An Ragnarök kam er frei und verschlang Odin. Daneben gab es noch Fenris Söhne Hati (Hass) und Skalli (Schatten), die Sonne und Mond nachstellten, sowie Odins Begleiter Geri (Gier) und Freki (der Gefräßige).

Neben den Wölfen waren die beiden Raben Hugin und Munin (Gedanke und Erinnerung) treue Begleiter Odins (Synonym: Wotan).

Auch Hunde hatten ihren Platz in der Mythologie wie Managarm, der Mondhund, der am Tag des jüngsten Gerichts der Germanen, dem Ragnarök, den Mond verschlingen sollte. Und ein weiterer Hund – Garm – bewachte das Totenreich der Germanen: die Hel, in die allerdings nur das einfache Volk wie Bauern gelangte, während die Krieger nach Walhall auffuhren.

Drachen kommen nur am Rande der Mythologie der Germanen vor. Sie tauchten vornehmlich als Furcht erregende Monster auf, die meist den germanischen Helden zum Opfer fielen. Die Ausnahmen waren Nidhögg, der an den Wurzeln des germanischen Weltenbaums lebte und dort die Toten fraß, und Fafnir, aus dessen Geschichte ein Teil der Nibelungensage entstand, denn er hütete einen wertvollen, aber verfluchten Ring.