Welches Tiermännchen ist mit einem doppelten Penis ausgestattet?

Daniel Lingenhöhl
a) Speikobra
b) Ameisenigel
c) Bananenschnecke
d) Argentinische Ruderente

Antwort:

Es ist die Speikobra.

Erklärung:

Schlangenbeschwörung und Kampf mit der Giftschlange auf Leben und Gefangenschaft gehören zum Standardprogramm südostasiatischer Reptilienshows. Doch bevor sich der wagemutige Dompteur in das Gefecht mit der Kobra und vorhersehbar glücklichem Ende wirft, bekommt das Publikum noch eine biologische Lehrstunde. Gezeigt wird: der doppelt vorhandene Penis des Kobra-Kombattanten.

Wie alle anderen Schuppenkriechtiere (Squamata) – darunter fasst man die Eidechsen und Schlangen zusammen – besitzen die Kobras einen so genannten Hemipenis: eine Einstülpung in der Kloakenwand auf beiden Seiten der Schwanzwurzel, die während der Paarung nach außen ausgestülpt wird. Artabhängig ist der Hemipenis kolbenförmig bis sehr tief gegabelt, je nachdem welchen Gegenpart das Weibchen bietet. Manchmal existieren komplexe Faltenstrukturen, so genannte Calyces, die klein und einzellig sind. Bisweilen besitzen die Doppelpenise auch Stacheln, die teilweise verhornen oder verkalken. An der Innenseite des Geschlechtsorgans befindet sich eine Rinne, in der bei der Begattung die Spermien vom Männchen zum Weibchen fließen.

Die Schlangen und Echsen setzen allerdings stets nur eine Hälfte ihrer Phalli ein, da sie ihre Partnerin nicht besteigen können, sondern sich seitlich anschmiegen müssen. Folglich gelangt nur der zum Weibchen weisende Part zur Fortpflanzung. Auf der anderen Seite bedeutet auch ein Verlust einer der Penishälften kein Ende der Zeugungsfähigkeit, da das Männchen auf das zweite Exemplar zurückgreifen kann. Und das ist auch gut so, denn Ausfälle dieser Art sind durchaus nicht selten: Durch den berüchtigten Hemipenisvorfall – der nicht mit einer gewollten Paarung zusammenhängen muss – und anschließender Abschnürung des Glieds durch Kloakenschließmuskel kann das Geschlechtsteil austrocknen, absterben und letztlich abfallen.

Entzündungen oder Verletzungen lösen diese Malaise häufig aus, bei Schlangen spielen aber auch unwillige Partnerinnen eine große Rolle. Sie fliehen während des Aktes und ziehen das Männchen an dessen Geschlechtsorgan hinter sich her. Dabei dehnt oder dreht sich der Hemipenis häufig oder wird anderweitig beschädigt, was seine Rückzugsfähigkeit beeinträchtigt.

Seine Sonderstellung im Reich der Säuger unterstreicht der Ameisenigel, der als Kloakentier Merkmale von Säugern und Reptilien vereint – etwa das Legen von Eiern. Bislang unbekannt war dagegen, dass auch sein Penis jenem der Squamata ähnelt. Mit einer Verdoppelung begnügt sich der Australier jedoch nicht: Er setzt auf eine vierfache Verzweigung an der Spitze seines Glieds. Davon penetrieren jedoch stets nur zwei Ausstülpungen, während ihre beiden Kollegen eingezogen werden, sodass die Anatomie des Fortpflanzungsorgans perfekt zu jener der Weibchen passt. Der Ameisenigel geht dabei nach dem Zufallsprinzip vor und legt abwechselnd jeweils zwei Phalli still, bis er schließlich die passende Stellung gefunden hat.

Als Grund für diese Mehrfachausstattung vermuten die Forscher den hohen Konkurrenzdruck: Es bewerben sich bis zu zehn Männchen um eine potenzielle Mutter – um möglichst schnell möglichst viel Sperma absetzen zu können, könnten die Tiere deshalb auf ihre Verdoppelung setzen. Entdeckt haben die Biologen diesen Mechanismus ohnehin nur durch Zufall: Ein im Zoo-Ameisenigel reagierte stets mit einer Erektion, wenn man ihn am Bauch berührte, was letztlich den Wissenschaftlern zu Ohren und vor die Augen kam. Den Igel hat dieses exhibitionistische Verhalten jedoch seinen Platz im Tierpark gekostet: Er wurde in ein Naturschutzgebiet umgesiedelt.

Einen Rekord der ganz anderen Art hält dagegen die Bananenschnecke (Ariolimax dolichophallus), die nur in einem winzigen Gebiet in Kalifornien rund um Santa Cruz haust: Im Vergleich zu ihrer Körpergröße besitzt sie den größten Phallus des gesamten Tierreichs. Der Mollusk selbst erreicht die für eine Nacktschnecke bereits stattliche Länge von 15 Zentimetern – sein Penis kann sich jedoch bis zu über achtzig Zentimeter ausdehnen. Diesem Wert trägt auch der lateinische Name des Weichtiers Rechnung, denn dolichophallus bedeutet langer Penis.

Ein Nachteil hat dieses stattliche Gemächt jedoch. Denn mitunter kann sich der einsetzende Partner nach der Paarung nicht mehr befreien, sodass der Penis vom Gegenüber abgekaut wird, um sich zu befreien. Nach bisherigem Wissen wächst das gute Stück jedoch nicht mehr nach, sodass sich die zwittrige Schnecke zukünftig stets den weiblichen Part geben muss.

Immerhin den Spitzenwert unter den Wirbeltieren hält schließlich die Argentinische Ruderente, die den verhältnismäßig längsten Phallus ihr Eigen nennt. In erschlafftem Zustand rollt er sich im Körperinneren auf, im erigierten Zustand erreicht er aber bisweilen die selbe Länge wie der Vogel selbst. An seiner Spitze trägt er zudem Borsten, weshalb Biologen annehmen, dass er gezielt ausgebildet wurde, um die Spermien der Konkurrenz aus dem weiblichen Körper auszukehren und dem eigenen Samen dadurch einen Startvorteil zu verschaffen. Wie die Ameisenigel stehen auch die Ruderentenerpel unter hohem Konkurrenzdruck und müssen sich zahlreicher Nebenbuhler erwehren.

Welches Tiermännchen ist mit einem doppelten Penis ausgestattet?