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Welches Wasser löscht den Durst am besten?

Ines Eckermann
Wasserglas
a) Königswasser
b) Grauwasser
c) Granderwasser
d) Mercurialwasser
e) Kammerwasser

Antwort:

Granderwasser ist im Prinzip nichts anderes als gewöhnliches Trinkwasser.

Erklärung:

Manchmal wird es auch als belebtes, vitalisiertes oder levitiertes Wasser bezeichnet und bisweilen als Gänsewein. Und etwas kurios erscheint vielleicht, dass Jesus Christus persönlich das Rezept für Granderwasser seinem "Erfinder" Johann Grander übergeben habe. Um Wasser zu vitalisieren, bedürfe es nur etwas "Informationswasser", das in einen Metallzylinder gesperrt werde. Dieses habe sich die ursprüngliche Struktur des Wassers gemerkt und könne nun die Erinnerung mit normalem Leitungswasser teilen, das am Zylinder vorbei fließe - zudem habe das Abfüllen bei Vollmond eine besondere Wirkung auf den Trunk. Das so belebte Wasser solle die Gesundheit und das Wohlbefinden fördern.

Soweit, so esoterisch: Es existieren jedoch keinerlei wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Granders Zauberwasser sich in irgendeiner Weise von herkömmlichem Leitungswasser unterscheidet, geschweige denn ein "Gedächtnis" hat. Selbst eingefleischte Granderjünger versagten übrigens in einer Blindstudie, in der sie beide Wasser unterscheiden sollten.

Vom Genuss des Königswassers ist dagegen auf alle Fälle strikt abzuraten: Es ist ein Gemisch aus Salz- und Salpetersäure und, da es sehr ätzend ist, als Durstlöscher keine gute Wahl. Es oxidiert und löst sogar Edelmetalle wie Gold und Platin. Ersteres reagiert mit dem im Königswasser enthaltenen elementaren Chlor zu Tetrachlorogold-(III)-säure, HAuCl4, die sich in Wasser und Ethanol leicht löst. Diese Säure findet Verwendung in der Fotographie und wird auch für die Vergoldung und in der Porzellanmalerei eingesetzt.
Seinen Namen bekam das brandfördernde Königswasser durch seine Fähigkeit "königliche Metalle" zu trennen. Einige andere Materialien wie Silber und Titan sind jedoch durch ihre chemische Struktur vor dem Angriff des adeligen Wassers bis zu einem gewissen Grad geschützt.

Für Alchemisten wäre Königswasser wahrscheinlich Teufelszeug gewesen, war es doch eines ihrer Hauptziele Gold herzustellen. Dazu glaubten sie zunächst andere Materialien auflösen zu müssen, aus denen sie dann das edle Metall hervorbringen wollten. Das so genannte Mercurialwasser diente ihnen dabei als universales Lösungsmittel. Die zersetzten Grundstoffe sollten anschließend mittels des "Steins der Weisen", einer anderen alchemischen Flüssigkeit, in Gold und andere Edelmetalle verwandelt werden. Da sie diesen Stein der Weisen jedoch nie fanden, stellten sie ihren Versuch mit Ende des 18. Jahrhunderts ein. Dem Mercurialwasser hingegen - dessen Zusammensetzung unbekannt ist - wurden in der Volksdichtung über die Jahrhunderte viele wundersame Wirkungen nachgesagt, zum Beispiel dass es Tote zum Leben erwecken könne.

Als Grauwasser bezeichnet man Abwasser, das sich zumindest im äußersten Notfall trinken ließe. Wenn wir uns die Hände säubern, die Zähne putzen, duschen oder Wäsche waschen, verschwindet nur leicht verschmutztes, "graues" Wasser im Ausguss. Da es jedoch zum Teil mit Waschmittel, Seife oder Ähnlichem versetzt ist, sollte es als Erfrischungsgetränk nicht unbedingt die erste Wahl sein. Bestimmte Reinigungsanlagen können das Grauwasser wieder so aufbereiten, dass es zum Beispiel zum Reinigen oder als Wasser für die Toilettenspülung benutzt werden kann. Das Abspülen hingegen verunreinigt das Wasser durch Fettreste so sehr, dass es genauso behandelt wird, wie das, was unsere Wohnung durch die Toilette verlässt. Die Kläranlage macht aber auch dieses Wasser wieder tafelfein - und so munkelt man, dass jeder Liter Wasser, der im Ruhrgebiet aus der Leitung plätschert, zuvor schon acht Mal getrunken wurde.

Kammerwasser ließe sich wohl ohne gesundheitliche Nebenwirkungen trinken. Jedoch ist seine Gewinnung zum Einen eher schwierig, zum Anderen ethisch äußerst fragwürdig: Kammerwasser ist die Flüssigkeit, mit der ein Teil unserer Augen gefüllt ist und wovon unser Körper am Tag etwa 3 bis 9 Milliliter produziert. Diese Mischung aus Wasser und Blutbestandteilen füllt die hintere Augenkammer, die durch die Linse vom Glaskörper getrennt ist. Durch die Pupille gelangt es auch in die vordere Augenkammer und kann so die Linse sowie die Hornhaut mit Nährstoffen versorgen.

Das Glaukom oder grüne Star, eines der häufigsten Augenleiden, wird mit dem Kammerwasser in Verbindung gebracht: Wenn das Wasser weniger zwischen vorderer und hinterer Kammer zirkuliert und entsprechend nicht mehr abfließt, kann der Augeninnendruck zu hoch werden. In der Folge kann es zu Sehstörungen und sogar zum Erblinden kommen.
Wasserglas

Welches Wasser löscht den Durst am besten?






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