Wie lange braucht das Auge, um sich nach grellem Licht völlig an tiefe Dunkelheit anzupassen?

a) 15 bis 60 Sekunden
b) 3 bis 4 Minuten
c) etwa 10 Minuten
d) 30 bis 45 Minuten

Antwort:

Nach 30 bis 45 Minuten Dunkeladaptation hat das Auge seine maximale Empfindlichkeit erreicht.

Erklärung:

Männer, die auf einer Party die Frau ihrer Träume erblicken und planen, sie mit profundem Wissen über Sternbilder zu beeindrucken, sollten schon ein bisschen Zeit und Gesprächsstoff mit nach draußen nehmen, wenn sie die Verehrte aus dem grellen Diskolicht auf den nächtlichen Balkon führen. Bis das Auge sich an die zum Sternegucken nötige Dunkelheit gewöhnt hat, dauert es nämlich ein Weilchen.

Wer aus dem Hellen ins Dunkle tritt, ist zwar erst einmal fast blind. Nach einer Minute aber hat sich die Sensitivität der Netzhaut schon um das hundertfache gesteigert. Dieser recht flotte Anstieg der Empfindlichkeit erklärt sich durch die Adaptation der Zapfen – den farbtüchtigen Sinneszellen im Auge. Nach drei bis vier Minuten haben sich diese dann vollständig adaptiert, und die Empfindlichkeit verbessert sich für einige Minuten nicht weiter. Trägt man den Anpassungsprozess grafisch auf, erreicht die Empfindlichkeit hier ein Plateau.

Nach insgesamt etwa zehn Minuten geht es aber weiter. Denn jetzt überholen die für das Dämmerungssehen zuständigen Stäbchen – der zweite Rezeptorentyp der Netzhaut – die Zapfen in ihrer Empfindlichkeit. Physiologen nennen den Übergang vom Zapfen- zum Stäbchen-Sehen nach zirka zehn Minuten Kohlrausch-Knick.

Die Stäbchen können keine Farben unterscheiden ("Nachts sind alle Katzen grau") und benötigen eine gute halbe Stunde um sich vollständig an die Dunkelheit anzupassen. Die Empfindlichkeit der Netzhaut ist nun 100 000- bis 1 000 000-mal größer als in hellem Licht. Bei absoluter Dunkelheit genügt schon ein einziges Photon, um die Sehsinneszellen anzuregen.

Viel schneller als die Dunkeladaptation vollzieht sich übrigens der umgekehrte Vorgang – die Helladaptation. Aus der Finsternis kommend, haben sich die Augen dann schon nach 15 bis 60 Sekunden völlig an helles Licht gewöhnt.

Das Weiten und Verengen der Pupille ist eher ein für schnelle Helligkeitswechsel entworfener Mechanismus. Dieser allein steigert die Lichtausbeute maximal um den Faktor 16. Trotzdem dürften die Pupillen auf dem nächtlichen Balkon extrem geweitet sein – gut so, denn große Pupillen machen ja angeblich besonders attraktiv.

Wie lange braucht das Auge, um sich nach grellem Licht völlig an tiefe Dunkelheit anzupassen?