Wo ist Deutschlands wärmster Ort?

Daniel Lingenhöhl
Sonnenbrille
© pixabay / Marion Beraudias / CC0 CC0
(Ausschnitt)
a) Gärmersdorf/Oberpfalz
b) Ihringen/Breisgau
c) Laacher See/Eifel
d) Baden-Baden
e) Duisburg

Antwort:

Je nach Definition ist es Duisburg, Gärmersdorf, Ihringen oder der Laacher See.

Erklärung:

"Kommen Sie nach Ihringen am Kaiserstuhl, dem wärmsten Ort Deutschlands", so wirbt der kleine badische Weinbauort Ihringen um Touristen. Möglicherweise zurecht: Denn im äußersten Südwesten Deutschlands gelegen, weist er ein fast schon mediterranes Klima auf und erreicht im Jahresschnitt eine Temperatur von über 11 Grad Celsius. Selbst im tiefsten Winter sinken die Werte selten unter Null – und wenn dann nur kurze Zeit, so dass auch der Januar durchschnittlich knapp im Plus liegt. Im Juli rangieren die Temperaturen im langjährigen Mittel bei 19 Grad Celsius.

Ursache für diese Klimagunst ist die besondere Lage des westlichen Oberrheingrabens, in dem Ihringen steht: Wetterfronten von Westen bleiben an den in Frankreich vorgelagerten Vogesen hängen, sodass der Oberrheingraben in den Genuss eines Regenschattens kommt und dadurch mehr Sonnenstunden erhält. Gleichzeitig treiben warme Fallwinde – ähnlich dem Alpenföhn – die Temperaturen hoch. Und zudem erreichen Wetterlagen, die aus Südwesten heranstreichen und meist Wärme mit sich bringen, immer zuerst diese Region.

Der Titel von Ihringen dürfte international allerdings nicht anerkannt werden, denn er umfasst keine offizielle Klimanormalperiode. Sie dauert normalerweise dreißig Jahre und gilt für die standardmäßige Auswertung von weltweiten Klimadaten. Und ihr liegen auch die Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zugrunde. Gegenwärtig befinden wir uns in einer neuen Messperiode, die 1991 begann und 2020 endet; die letzte und offiziell noch gültige dauerte von 1961 bis 1990. Und während dieser Zeit war sage und schreibe Duisburg Deutschlands wärmster Ort mit 10,9 Grad Celsius – einen Titel, den sich die Metropole am Niederrhein mit Heidelberg teilen muss.

Allerdings schränkt der DWD ein, dass dies auch vom exakten Standort der Klimastation abhängt: Städtische Wärmeinseln verzerren die Werte etwas, denn sie heizen sich stärker auf als kleine Orte oder Lagen in freier Natur. Gleichzeitig kühlen sie im Winter weniger stark aus. Dass Duisburg überhaupt im Konzert der deutschen Hotspots mitmischen darf, verdankt es neben seiner eigenen Abwärme dem milden winterlichen Klima am Niederrhein, der noch vom ausgleichenden Einfluss der relativ nahen Nordsee und den atlantischen Tiefs mit im Winter vergleichsweise warmer Luft profitiert.

Ihren Titel wird die Stadt wohl nicht mehr halten können, denn nach den vorläufigen Daten des DWD macht sich nun Freiburg in der neuen Messperiode daran, Erster zu werden. Eine Spitzenposition nimmt die Breisgau-Kapitale ohnehin schon ein: Zusammen mit Gärmersdorf bei Amberg in der Oberpfalz und Karlsruhe kann sie sich der höchsten Temperatur rühmen, die jemals in Deutschland offiziell gemessen wurde. Ganze 40,2 Grad Celsius maßen hier überall die Thermometer im Schatten.

Doch während dies im Badischen jeweils erst im berühmt-berüchtigten Hitzesommer 2003 geschah, trägt das kleine Oberpfälzer Dorf diesen Titel bereits seit dem 27. Juli 1983. Dies wiederum hört vielleicht das saarländische Perl-Nennig nicht gerne, denn dort notierten die Messgeräte des DWD-Konkurrenten Meteomedia am 8. August 2003 nochmals 0,1 Grad Celsius mehr – ein Wert, der allerdings nicht von allen Meteorologen anerkannt wird. Und sogar auf 41,2 Grad brachte es ein Temperaturfühler in Brauneberg an der Mosel, der jedoch wegen seiner unzulässigen Position auf einem Schieferberg ebenfalls nicht in den Hitlisten geführt wird: Das Gestein heizt sich auf und treibt die Gradzahlen nach oben.

Klimatisch betrachtet hat der Laacher See in der Eifel in dieser Auflistung hier nichts verloren, denn dafür ist das Gebiet sommers wie winters zu kühl. Zu einem Land gehört aber auch der Untergrund – und der hat es hier in sich, denn er ist der vulkanologisch aktivste Deutschlands. Geologisch gesehen sitzt die Eifel auf einem tatsächlichen Hotspot: einem Zentrum thermischer Anomalien im tieferen Erdmantel, aus dem mehr als tausend Grad Celsius heißes Gesteinsmaterial nach oben in die Kruste quillt, das bisweilen an der Oberfläche als Lava austritt.

Am Laacher See traf die aufsteigende Magma auf Grundwasser, was zu einer gewaltigen phreatomagmatische Explosion führte. Der schlagartig entstehende Wasserdampf mit zigfachem Wasservolumen sprengt das umgebende Gestein und reißt einen Krater in den Gesteinsuntergrund. Zuletzt geschah dies hier vor 11 000 bis 13 000 Jahren, doch momentan scheint sich die Gegend wieder aufzuheizen, denn Geologen beobachten vermehrte vulkanische Aktivität in der Eifel. So hebt sich die Region um rund einen Millimeter pro Jahr, und aus dem Laacher See blubbert seit 2007 verstärkt Kohlendioxid – noch bestünde aber keine Gefahr, entwarnen die Fachleute.

Wem die sommerliche Hitze in Teilen Deutschlands noch nicht genug ist und wer sich nicht im Laacher See, im Freibad oder unter der Dusche abkühlen möchte, dem sei Baden-Baden empfohlen. Dort sprudelt Deutschlands heißeste Thermalquelle: bis zu 68 Grad ist das Wasser warm.

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