Wo klebte man seinerzeit "Ochsenaugen" auf Briefe?

a) Schweiz
b) Großbritannien
c) Bayern
d) Brasilien
e) USA

Antwort:

Die ersten brasilianischen Briefmarken, verausgabt 1843, wurden "Ochsenaugen" genannt.

Erklärung:

Den Spitznamen erhielten die Briefmarken durch ihr Aussehen: Der Wert der Marken – 30, 60 oder 90 Reis – war in großen Ziffern in ein Oval eingebettet. Währungsangabe und Landesname fehlten, da die Wertzeichen zunächst nur für den Inland-Postweg gedacht waren. Schon 1842 hatte der damals 16-jährige Kaiser Dom Pedro II. und sein Innenminister einheitliche Portogebühren für das ganze Land diktiert, in dem seinerzeit immerhin schon über 300 Postämter aktiv waren.

Mit regelmäßiger Post nach Übersee, auf die immerhin der doppelte Betrag pro Unze zu entrichten war, gerieten die Ochsenaugen jedoch an ihre Grenzen: Sie waren schlicht zu groß, denn für eine Sendung mussten nicht selten mehrere hundert Reis berappt werden. Also wurden die Wertzeichen bereits 1844, nur elf Monate nach ihrer Einführung, durch eine neue Variante, die "Ziegenaugen", ersetzt, denen dann 1848 die "Katzenaugen" folgten – immer noch im selben Design. Erst 1866 besannen sich die Brasilianer darauf, ihren Kaiser und auch ihren Landesnamen auf den Wertzeichen zu verewigen.

Die allerersten Briefmarken stammen aus Großbritannien und erschienen dort nur drei Jahre zuvor, nämlich 1840. Sir Rowland Hill, seines Zeichens Minister, hatte dort die Idee des schottischen Druckereibesitzers und Zeitungsverlegers James Chalmers (1782–1853) aufgegriffen, nicht der Empfänger, sondern der Absender solle für die Beförderung bezahlen. Hill schuf ein einheitliches Portosystem und wählte außerdem als Vorlage für die erste Marke überhaupt – den One-Penny-Black – eine bereits existierende Gedenkmünze von 1837 mit dem Bildnis der Königin Viktoria.

Bayern zog 1849 mit den ersten Briefmarken nach: dem so genannten "Bayern-Einser schwarz". Er zeigt den damals regierenden König Leopold I. auf einem Papier mit Wasserzeichen, um das Fälschen zu erschweren.

In den USA gab es zunächst keine landesweiten Briefmarken, sondern einzelne Städte und Bundesstaaten brachten ihre eigenen Wertzeichen heraus.
Bild
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(Ausschnitt)
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Die brasilianischen "Ochsenaugen" zu 30 und 60 Reis.

Wo klebte man seinerzeit "Ochsenaugen" auf Briefe?