Wofür stand der Begriff "Zipperlein" ursprünglich?

Daniel Lingenhöhl
a) althochdeutsch für Zittern
b) für Trippelschritte
c) gekrümmter Zeh im Volksmund
d) verniedlichend für Verschluss

Antwort:

Das Zipperlein beschreibt den Trippelschritt von manchen Gichtkranken.

Erklärung:

"Der Dicke aber – 'Autsch! mein Bein!' – hat wieder heut das Zipperlein!", so dichtete Wilhelm Busch in seinem "Neidischen Handwerksburschen" von 1867 und deutete dabei in seinem Werk bereits an, dass es sich um eine schmerzhafte Krankheit handelt und was ihr zugrunde liegen könnte. Schließlich bezeichnete das Zipperlein ursprünglich eine besondere Ausprägung der Gicht: die Podagra oder Fußgicht, medizinisch Arthritis urica, bei der das Großzehengrundgelenk akut entzündet ist, sodass der Betroffene nur unter Schmerzen gequält laufen kann und sich daher zumeist trippelnd vorwärts bewegt.

Plötzliche Anfälle rühren oft von zu engen Schuhen, aber auch starkem Stress, mangelnder Durchblutung oder überhöhtem Alkoholkonsum her. Starke Schmerzen mit Schwellungen, Rötungen, Erhitzung sowie eine ausgeprägte Berührungsempfindlichkeit begleiten üblicherweise die Podagra, aber sie sind letztlich nur die Symptome eines schleichenden Entzündungsprozesses, der vorwiegend Männer zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr betrifft – sie bekommen die Veranlagung dafür häufig vererbt. Im Rahmen einer Stoffwechselerkrankung produziert ihr Körper vermehrt Harnsäure oder scheidet sie nur noch in geringem Umfang über die Niere aus. In schlecht durchblutetem Gewebe – wie beispielsweise den Gelenken – fallen dann bei überhöhten Konzentrationen die Urate genannten Salzkristalle der Säure aus und entzünden das umliegende Gewebe.

Neben dem Großzehengrundgelenk betreffen diese Reizungen häufig ebenso die Fingergelenke oder den Bereich des Ohrknorpels, aber auch Bänder, Sehnen und sogar Weichteile in der Nähe der Gelenkoberflächen. Schreitet die Krankheit unbehandelt fort, droht zudem die Entwicklung einer so genannten Gichtniere mit Salzablagerungen im Nierenmark, die vermehrt Nierenbeckenentzündungen und Nierensteine verursachen und bis zum Versagen des Organs führen können. Gichtkranke leiden außerdem häufig unter Diabetes, hohem Cholesterinspiegel, Übergewicht und Bluthochdruck, was bereits auf einen engen Zusammenhang mit Ernährungsgewohnheiten schließen lässt.

Weiteres Indiz: Gerade rund um Festtage wie Weihnachten häufen sich die Fälle von Zipperlein-Geplagten in den Praxen, da das deftige Essen in Tateinheit mit erhöhtem Konsum von Hochprozentigem akute Schübe der Malaise auszulösen vermag – wie bei Buschs schmausendem Gasthausbesucher. Derartige Anfälle dauern meist drei Tage an, gefolgt von längeren symptomfreien Intervallen, die jedoch im weiteren Verlauf dieser chronischen Krankheit zunehmend kürzer werden. Neben der medikamentösen Behandlung der Gicht empfehlen Mediziner daher zusätzlich eine möglichst Harnsäure arme Ernährung, die unter anderem auf Innereien, Wild, Sardinen oder Fleischextrakte verzichtet. Generell sollte der Fleischkonsum zurückgefahren und auf Kaffee sowie Alkohol verzichtet werden. Um Nierensteinen vorzubeugen, sei es zudem ratsam, viel zu trinken, so die Empfehlungen der Ärzteschaft.

Der Begriff Zipperlein taucht laut Grimm'schem Wörterbuch bereits im 15. Jahrhundert auf und stammt eventuell vom Verb "zipfern", das wiederum für eine zitternde, unsichere, trippelnde Art der Fortbewegung steht und damit primär das Krankheitsbild der Gicht zum Inhalt hätte. Die Gebrüder Grimm halten allerdings ein zweite Bedeutung für wahrscheinlicher, die sich nicht auf die Symptome der Krankheit bezieht: "… als spottname für einen, der trippelt, und deutet damit auf den gefühlsgrund, aus dem der name entsprossen ist, hin." Und weiter: "… dasz die vom zipperlein nicht heimgesuchten arbeitsamen volksschichten zur auslösung ihrer schadenfreude durch ein eindrucksvolles schauspiel angeregt werden muszten, den trippelgang eines vornehmen lebemanns."

Heute ist der Ausdruck "Zipperlein" aus der Mode gekommen oder wird allenfalls noch allgemeiner verwendet: Nicht mehr nur die Gicht fällt darunter, alle möglichen Krankheiten und Symptome werden nun damit bedacht.

Wofür stand der Begriff "Zipperlein" ursprünglich?