Woher stammt die Bezeichnung "Melancholiker"?

a) Melanconiales
b) Cholesterin
c) Melas chole
d) Philip Melanchton

Antwort:

Die Bezeichnung "Melancholiker" stammt von melas chole ("schwarze Galle").

Erklärung:

Der Name geht auf die Humoralpathologie, die Lehre von den Körpersäften zurück. Danach setzt sich der Körper – ähnlich wie die Erde aus den vier Elementen – aus vier Körpersäften zusammen: Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Ein Ungleichgewicht in den Komponenten dieser Mischung (die so genannte Dyskrasie) gilt als Ursache für Krankheiten und soll den Menschen ihren individuell ausgeprägten Charakter – ihr Temperament (temperare, lat.: mischen) – verleihen.

So gibt es demnach Choleriker (chole, griech.: Galle), die zu Wutausbrüchen neigen, oder eher schwermütige Gesellen – Melancholiker (melas, griech.: schwarz). Der Sanguiniker ist eine lebhafte Frohnatur (sanguis, lat.: Blut) und der Phlegmatiker (phlegma, griech.: Schleim) geht das Leben ziemlich gemächlich an.

Der griechische Arzt Hippokrates entwickelte neben anderen die Humoralpathologie, die auch von Aristoteles anerkannt wurde, Ende des fünften Jahrhunderts vor Christus. Aber erst rund 500 Jahre später war es Galenos von Pergamon, der die medizinische und die philosophische Lehrmeinung zusammenführte und den vier Körpersäfte auch die Eigenschaften der vier Elemente zuwies. Er sieht den Choleriker als Feuerteufel, den Sanguiniker als Luftikus, den Melancholiker als traurigen Erdhaufen und den Phlegmatiker als dicken Wassertropfen. Seine Theorien gelten heute als Abschluss der antiken wissenschaftlichen Medizin und behielten ihre Gültigkeit bis weit ins Mittelalter.

Dementsprechend etablierten sich auch die daraus abgeleiteten Therapieprinzipien wie beispielsweise der Aderlass, der Blut, Schleim und Galle aus dem Körper spülen und so das natürliche Gleichgewicht wieder herstellen soll. Bei Kinder unter 6 Jahren und Greisen über 70 wurden dafür schonenderweise gerne Blutegel benutzt.

Melanconiales heißt eine Gruppe der Pilze, zu der viele Erreger von Pflanzenkrankheiten gehören.

Cholesterin – bestens als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt – ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen und Ausgangsstoff für die Synthese von Hormonen und Gallensäure.

Philip Melanchton war Professor für griechische Sprachen an der Universtität Wittenberg und enger Freund seines Kollegen Martin Luther.

Die klassische Lehre von den vier Temperamenten

Woher stammt die Bezeichnung "Melancholiker"?