Woraus besteht das "Ketchup der Antike"?

a) Getrocknete Tomaten
b) Eingelegte Krötenaugen
c) Vergorene Fischinnereien
d) Marinierte Oliven
e) Ranziges Wildschweinfett

Antwort:

Es handelt sich um vergorene Fischinnereien.

Erklärung:

Die beliebteste Würzsoße in der Antike war das Garum oder Liquamen. Einerlei, was die Römer kochten, ob Wildschwein oder Gehacktes aus Siebenschläferfleisch, die mufflige Fischsoße durfte bei keinem Festschmaus fehlen. Insbesondere im Binnenland ersetzte sie vollständig das Salz und verlieh süßen und sauren Speisen eine typische Note.

Garum entstand dadurch, dass man Fische und ihre Innereien zusammen mit Salz monatelang der Sonne aussetzte. Je nach Gusto verwendeten die Römer unterschiedliche Fische, wie etwa Sardellen oder Makrelen. Die salzhaltige, braune Sauce, die nahezu unbegrenzt haltbar war, reichte der Römer von Welt entweder pur oder mit Wein verdünnt – von der Dosierung kann man an die heutige Sojasauce denken. Da auch der Römer im barbarischen Gallien nicht auf sein Garum verzichten wollte, wurde es in kleinen Amphoren versiegelt, bis in die entlegendsten Winkel des römischen Imperiums verschifft.

Der Gedanke, Fische in der Sonne auf einen Haufen zu schichten und sie in mediterraner Hitze tagelang schmoren zu lassen, erscheint dem heutigen Gaumen wohl eher fremd. Anschließend die Überreste durch ein Sieb zu streichen und das trüb-braune Filtrat auch noch als Delikatesse zu verehren, lässt bei dem einen oder anderen sicherlich leise Zweifel am Geschmack der alten Römer aufkommen. Doch das Geheimnis des antiken Garum ist, dass die Fische nicht in der Sonne verfaulten, sondern vermutlich durch fischeigene Enzyme des Verdauungstraktes – die bei 40 Grad Celsius in der Sonne zur Hochform auflaufen – abgebaut wurden. Die Salzlake verhinderte dabei Fäulnis- und Gärprozesse. Angeblich soll die Soße ein sehr exquisites, leicht scharfes Aroma entwickelt haben, das den Gaumen verwöhnte. In den Städten wurde die Herstellung von Garum indes wegen des strengen Geruchs recht schnell verboten. Meistens lagen die Produktionsstätten direkt am Strand.

Für alle, denen beim Gedanken an die römische Delikatesse das Wasser im Munde zusammenläuft: Ein handelsüblicher "Jogurtbereiter" eignet sich wohl hervorragend für die gewöhnungsbedürftige Fisch-Essenz. Na denn, guten Appetit!

Woraus besteht das "Ketchup der Antike"?