Viele Leute kaufen sich ein Teleskop und stellen beim ersten Beobachten enttäuscht fest, dass sie die meisten Objekte – wenn überhaupt – nur mit größter Mühe finden. Woran liegt das? Meist daran, dass sie sich mit bloßem Auge noch nicht gut genug am Himmel orientieren können und unzweckmäßige Karten verwenden. Hier ein paar einfache Tricks, wie Sie sich schnell am Himmel zurechtfinden und sich solche Enttäuschungen ersparen.

Großer Wagen
© Foto: Akira Fujii; Zeichnung: Sky & Telescope
(Ausschnitt)
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Zu Anfang benötigen Sie eine einfache Übersichts-Sternkarte für die Orientierung mit dem bloßen Auge. Diese sollte nur die hellsten Sterne und Sternbilder für Ihren Breitengrad zeigen, dazu vielleicht noch einige wenige Messier-Objekte, also Sternnebel und Galaxien, die von Charles Messier im 18. Jahrhundert in einem Katalog zusammengefasst wurden.

Der Rand einer jeden Übersichtskarte zeigt den Horizont so, wie Sie ihn sehen, wenn Sie auf freiem Feld stehen und sich einmal im Kreis drehen. Die Himmelsrichtungen sind immer auf der Horizontlinie am Rand der Karte vermerkt. Der Mittelpunkt der Karte zeigt den Teil des Himmels direkt über Ihnen – den Zenit. Einen Stern, der auf halber Strecke zwischen Rand und Zentrum der Karte liegt, findet man am Himmel auf halbem Weg zwischen Horizont und Zenit.

Die richtige Sternkarte

Viele Sternkarten sind nicht optimal gestaltet. Ob Sie Ihre Sternkarte im Laden kaufen, aus dem Internet herunterladen oder sie als Beilage zu einer Zeitschrift erhalten: Bevorzugen Sie Karten mit kleinen, feinen, sorgfältig gearbeiteten Linien und Sternpunkten sowie unaufdringlicher Beschriftung. Damit lassen sich die Sterne am Himmel leichter auffinden. Nachtleuchtende Sternkarten sollten Sie meiden, denn die Leuchtsubstanz kann nicht sehr präzise an die jeweiligen Sternörter gedruckt werden. Das führt den Benutzer eher in die Irre, statt ihm zusätzlich Klarheit zu verschaffen.

Sternkarten, die all das berücksichtigen, finden Sie in der Heftmitte einer jeden Ausgabe von "Sterne und Weltraum" sowie in den Monatskapiteln von "Ahnerts Astronomisches Jahrbuch". Sie funktioniert nach demselben Prinzip wie alle Übersichtskarten und ist für die am rechten oberen Rand der Karte angegebenen Zeiträume gültig.

Wenn Sie viel von heimischen Gefilden aus beobachten, empfiehlt sich die Anschaffung einer drehbaren Sternkarte. Solche "Planisphären" für bestimmte Regionen, wie 50 Grad nördlicher Breite, verraten Ihnen an jedem Tag im Jahr, zu welcher Uhrzeit Sie welches Sternbild in welcher Himmelsrichtung beobachten können. Wie das genau geht, können Sie im Beitrag "Die drehbare Sternkarte" nachlesen.

Fortgeschrittene Beobachter benötigen schließlich weiterführendes Kartenmaterial, wie es beispielsweise in Sternatlanten zusammengestellt ist. Auch Planetariums-Computerprogramme für den PC, in denen unzählige lohnenswerte Beobachtungsziele gespeichert sind, erfüllen diesen Zweck. Die ausgefeilteren unter ihnen zeigen den sichtbaren Himmelsausschnitt für jeden Zeitpunkt und jeden Standort auf der Erde. Bei manchen können Sie sich als Beobachter sogar auf den Mond oder einen anderen Planeten versetzen lassen!

Unter freiem Himmel

Damit Sie die Sternkarte auch im Dunkeln sehen können, sollten Sie immer eine Taschenlampe dabeihaben. Die beste Taschenlampe für diesen Zweck leuchtet allerdings nicht weiß, sondern rot. Denn weißes Licht macht die Anpassung der Augen an die Dunkelheit zunichte. Wenn Sie nicht extra eine Rotlichtlampe kaufen wollen, so können Sie alternativ den vorderen Teil Ihrer Taschenlampe mit einer roten Papier- oder Plastikfolie abkleben.

Wenn Sie mit Ihrer Karte im Freien sind, orientieren Sie sich zunächst an den hellsten Sternen. Am Himmel ist der Unterschied zwischen den hellsten und den schwächsten Sternen viel größer, als ihn die Größe der Symbole auf der Karte erscheinen lässt. Falls Sie in einem dicht besiedelten Gebiet mit viel Lichtverschmutzung leben, müssen Sie allerdings damit rechnen, die schwächsten Sterne auf Ihrer Karte überhaupt nicht sehen zu können.

Beachten Sie auch, dass die Sternbilder auf der Himmelskarte viel kleiner erscheinen, als sie es in Wahrheit sind. Manche der Sternmuster, die Sie am Nachthimmel suchen, erstrecken sich über Ihr ganzes Gesichtsfeld!

Nehmen Sie eine Sternkarte mit, wann immer Sie bei Dunkelheit draußen unterwegs sind. Schauen Sie bei klarem Wetter so oft es geht nach oben und machen Sie sich mit möglichst vielen Sternbildern vertraut. Sobald Sie sich mit bloßem Auge am Nachthimmel orientieren können, kommen Sie auch mit Feldstecher, Teleskop und detaillierteren Karten zurecht.

Alan M. MacRobert ist Redakteur bei "Sky & Telescope" und begeisterter Amateurastronom.