Genauso wie der Motor eines Autos ohne ein Chassis nutzlos ist, ist die Optik nur das halbe Teleskop. Denn selbst wenn man nur mit einem Feldstecher "spazieren guckt", muss man sich wenigstens auf eine Fensterbank aufstützen oder sich in einen Gartenstuhl mit Armlehnen niederlassen, damit das Bild nicht verwackelt. Auch vergrößern Feldstecher typischerweise nur sieben- bis zehnfach. Im Gegensatz dazu verfügen selbst die kleinsten Teleskope mindestens über eine 30-fache Vergrößerung. Bei solchen Werten ist es ohne Stativ unmöglich, ein ruhiges Bild zu erhalten oder Objekte am Himmel zu finden.
Äquatoriale Gabelmontierung
© Sky & Telescope / Chuck Baker
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Eine Äquatorialmontierung erlaubt Bewegungen in zwei Richtungen: in der Deklination (Himmels-Nord-Süd-Richtung) und der Rektaszension (Himmels-Ost-West-Richtung). Da sich die Erde im Lauf eines Tages nur in Ost-West-Richtung dreht, können Objekte am Himmel allein durch Drehung um die Stundenachse nachgeführt werden. Daher sind viele äquatoriale Montierungen mit einer elektrischen oder mechanischen Nachführung ausgestattet, die die Achse in 24 Stunden um 360 Grad dreht. Dies ist besonders bei hohen Vergrößerungen nützlich oder dann, wenn man in einer größeren Gruppe einer Person nach der anderen dasselbe Himmelsobjekt am Fernrohr zeigen will. Es ist auch eine Grundvoraussetzung für lange Belichtungszeiten in der Astrofotografie.

Bei einer Azimutalmontierung dagegen liegen die Bewegungsrichtungen senkrecht (Höhe) und waagrecht (Azimut) zum Horizont. Ein Kamerastativ ist ein geläufiges Beispiel für eine azimutale Montierung, und in der Tat kann man ein stabiles Kamerastativ für ein leichtes, schwach vergrößerndes Fernrohr verwenden. Eine andere heute weit verbreitete Variante ist die unten dargestellte Dobson-Montierung.
Azimutale Montierung
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Azimutale Montierungen sind prinzipiell leichter als ihr äquatoriales Pendant, schon allein deswegen, weil sie keine Gegengewichte brauchen, um das Teleskop auszubalancieren. Besonders die Dobson-Montierungen sind extrem preiswert und stabil. Allerdings gibt es für viele Kompakt-Fernrohre auch sehr leichte äquatoriale Gabelmontierungen. Das Foto ganz oben zeigt eine solche Bauart.

Azimutale Montierungen machen es dem Anfänger allerdings nicht leicht, Objekte am Himmel nachzuführen. Denn der Sterngucker muss das Teleskop in zwei Richtungen gleichzeitig schwenken. Während dies manchen Beobachtern schon bald in Fleisch und Blut übergeht, treibt es andere fast zur Verzweiflung. Eine innovative Hightech-Lösung für dieses Problem findet sich im Abschnitt über Go-to-Teleskope.

Lassen Sie bei der Wahl der Montierung Ihre persönlichen Vorlieben mit einfließen. Macht es Ihnen nichts aus, mit Geräten umzugehen, für die man zum Aufstellen Werkzeug und einen Hang zur Mathematik braucht? Oder suchen Sie die astronomische Entsprechung zu einer Schnappschuss-Kamera? Für äquatoriale Montierungen braucht man in der Regel mehrere Minuten zum Aufbauen, Ausbalancieren und Ausrichten. Fernrohre auf azimutalen Dobson-Montierungen sind hingegen schneller aufgebaut, als Sie diesen Absatz hier lesen können. Auch einige Go-to-Teleskope sind fix aufgestellt und beobachtungsbereit.

Das Muss an Zubehör

Mittlerweile haben wir zahlreiche Punkte behandelt, und hoffentlich ist Ihnen dadurch der Fachjargon mancher Verkäufer oder Beobachter schon etwas verständlicher geworden. Doch bevor Sie zum Kauf schreiten, müssen noch ein paar letzte Themen angesprochen werden. Die meisten von uns denken beim Stichwort "Teleskop" an etwas Großes. Dies ist auch das Erste, was einem in Katalogen und Anzeigen entgegenspringt. Aber genauso wie man ein Auto nicht ohne Zündschlüssel vom Parkplatz des Autohändlers fahren kann, braucht man für ein Teleskop ein paar kleine Dinge, bevor die Reise zu den Sternen beginnt.

Okulare

Verschiedene Lichtstrahlen von einer bestimmten Stelle eines entfernten Objekts werden vom Objektiv eines Fernrohrs in einem einzigen Brennpunkt gebündelt. Auf diese Weise entsteht in der Brennebene ein lichtstarkes Abbild des gesamten betrachteten Objekts – die Summe aller Brennpunkte. Um sich dieses Bild nun ansehen zu können, benötigt man Okulare, also die dem Auge zugewandten Linsen des Fernrohrs. Wechselt man ein Okular aus, so ändert sich dadurch die Vergrößerung des Teleskops. Diese ergibt sich rein rechnerisch aus der Brennweite des Objektivs geteilt durch die Brennweite des Okulars. Jeder Fernrohrbesitzer sollte mehrere Okulare haben, so wie ein Fotograf verschiedene Objektive für seine Kamera hat.
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Okulare gibt es in unüberschaubar vielen Modellen mit exotischen Namen. Generell gilt: Je teurer ein Okular ist, desto mehr Linsen besitzt es. Komplexe Ausführungen mit vielen Linsen können das Blickfeld vergrößern und zu einem gewissen Grad auch die Aberrationsfehler (Abweichungen von der Parabolform) ausgleichen, die Teleskope mit "schnellen" Objektiven (großes Öffnungsverhältnis) aufweisen. Für viele Amateurastronomen, die mit "langsamen Teleskopen" (kleines Öffnungsverhältnis, zum Beispiel das klassische 15-Zentimeter-f/8-Newton-Spiegelteleskop) beobachten, sind die einfachen Okularmodelle wie Kellners, Plössls und orthoskopische Okulare aber völlig ausreichend.

Bei den meisten Fernrohren werden ein oder zwei Okulare mitgeliefert. Ideal wäre es, wenn Sie sich darüber hinaus einen Satz an Okularen zulegen, der den ganzen Vergrößerungsbereich abdeckt. Die Preise für hochwertige Okulare liegen typischerweise zwischen 50 und 250 Euro. Eine höchst sinnvolle Anschaffung ist eine Barlow-Linse. Diese verdoppelt oder verdreifacht die Vergrößerung eines Okulars und erweitert damit Ihre Okularsammlung mit einem Schlag beträchtlich.

Noch ein wichtiger Hinweis: Die besseren Okularmodelle sind nur in 3,2-Zentimeter-Ausführungen (1¼ Zoll) erhältlich. Wenn Sie diese benutzen möchten, sollten Sie beim Teleskopkauf darauf achten, kein Gerät mit einem 2,4-Zentimeter-Okularauszug (0,96 Zoll) zu kaufen.

Sucher

Sie haben sich nun für Ihr erstes Fernrohr entschieden, haben es aufgebaut und das Okular eingesetzt. Jetzt wollen Sie mit der Himmelsbeobachtung beginnen. Durch einfaches Zielen am Teleskoptubus entlang finden Sie den Mond und vielleicht ein paar ganz helle Sterne und Planeten – vorausgesetzt, Sie haben ein kleines Fernrohr mit großem Blickfeld. Aber genauso wie ein Jäger ohne Zielvorrichtung nicht sehr weit kommt, kann auch ein Teleskop ohne Sucher nicht sinnvoll genutzt werden.
Teleskop-Sucher
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Die drei abgebildeten Suchertypen sind überall erhältlich. Bei manchen kleinen Weitwinkelteleskopen wird ein linsenloses Visier mitgeliefert, mit dem man einfach einen kleinen Himmelsausschnitt unvergrößert und unaufgehellt in einem Zielkreis sieht. Eine Stufe besser sind die so genannten Reflexvisiere. Diese projizieren einen roten Punkt oder einen roten Kreis in das Auge des Beobachters. Für ihn erscheint der Punkt beziehungsweise der Kreis virtuell am Nachthimmel. Die wenigsten Teleskope verfügen über ein solches Visier. Allerdings kann man damit anderen Beobachtern in die Quere kommen. Die meisten Fernrohre werden deswegen gleich mit einem Sucherfernrohr verkauft. Das ist ein kleines Linsenfernrohr, das huckepack auf dem eigentlichen Teleskop sitzt. Im Okular des Suchers ist ein Fadenkreuz angebracht, das man mit dem Ziel zur Deckung bringt, womit man das Hauptfernrohr ausrichtet.

Ein Sucherfernrohr hat mehrere Vorteile: Da sein Objektiv größer ist als die Pupille unserer Augen, werden die Sterne heller. Durch die stärkeren Sucher kann man sich sogar einige Sternhaufen und Nebel direkt anschauen. Und mit einem gut justierten Sucherfernrohr lässt sich das Teleskop viel genauer ausrichten als mit Kimme und Korn oder einem Reflexvisier. Dies ist besonders für Fernrohre mit langer Brennweite und kleinem Gesichtsfeld wichtig.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass die meisten Sucherfernrohre die Bilder verkehrt herum zeigen und dass viele der einfachen Modelle nur schlecht für Brillenträger geeignet sind. In jedem Fall sollten Sie Sucher vermeiden, die Ihnen keine scharfen Bilder liefern.

Sternkarten

Wenn Sie mit Ihrem Auto auf eine Fahrt ins Blaue gehen wollen, brauchen Sie Karten, um sich zurechtzufinden. Das Gleiche gilt für einen astronomischen Ausflug mit einem Fernrohr. Vielleicht haben Sie schon eine drehbare Sternkarte, die sehr hilfreich ist, um Sternbilder zu identifizieren. Sie sollten sich auf jeden Fall mit einer solchen Karte vertraut machen, bevor Sie mit Ihren Teleskopbeobachtungen beginnen. Unser Begleitartikel "Wie benutze ich eine drehbare Sternkarte?" hilft Ihnen dabei. Bedenken Sie aber deren Maßstab: Eine drehbare Sternkarte führt Sie genauso wenig zum Katzenaugennebel (NGC6543) wie eine Autobahnkarte zum Schuhgeschäft Ecke Parkstraße und Schlossallee. Um die ganzen Deep-Sky-Reichtümer des Himmels zu erkunden, brauchen Sie schon einen Satz astronomischer Karten.
Sky Chart
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Die meisten astronomischen Atlanten zeigen Sterne bis zu einer bestimmten Größenklasse und dazu die entsprechenden Nebel, Sternhaufen und Galaxien. Ein Atlas, der bis zur 6. Größe geht – das entspricht in etwa der Sichtbarkeitsgrenze des bloßen Auges –, reicht für jemanden, der mit Feldstecher oder kleinem Teleskop unterwegs ist. Der Besitzer eines Fernrohrs mit großer Öffnung und kleinem Blickfeld sollte einen Atlas bis zur 8. Größe heranziehen.

Einsteigern und Hobbyastronomen, die bisher noch nicht mit Sternkarten vertraut sind, sei gesagt, dass auch die Beobachtung mit einem Feldstecher dafür einen sehr guten Einstieg bietet. Denn Ferngläser bieten zwei Vorteile: Die Bilder stehen nicht auf dem Kopf, und das Blickfeld ist groß genug, um sich am Himmel leicht orientieren zu können.