Vielleicht sind Sie der Meinung, dass in der heutigen Zeit, in der Computer schon in allen Dingen des täglichen Lebens zu finden sind, sicher auch schon jemand Computer in Fernrohre eingebaut hat. Und Sie haben Recht! Genauer gesagt sitzt der Computer nicht im Fernrohr selbst, sondern in der Montierung – zusammen mit der elektronischen Nachführung beider Achsen. Ein motorisiertes Teleskop auf einer "smarten" azimutalen Montierung kann Himmelsobjekte genauso gut nachführen wie eines auf einer sperrigeren äquatorialen Montierung. Und es kommt noch besser: Hat man das Teleskop erst einmal aufgestellt, den Computer hochgefahren und Datum, Uhrzeit und Ort eingegeben, kann man damit automatisch Tausende von Objekten ansteuern.
Go-to-Fernrohr
© Sky & Telescope / Craig Michael Utter
(Ausschnitt)
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Bis vor Kurzem hätte man für solche futuristischen Fähigkeiten mehrere tausend Euro berappen müssen. Mittlerweile gibt es aber eine neue Generation batteriebetriebener Go-to-Teleskope zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt. Diese Instrumente führen Aufgaben durch, die ein Teleskop noch nie zuvor hat meistern können: Mit ein oder zwei Tastendrucken nennt es Sonnenauf- und -untergang, den Auf- und Untergang des Monds, die Zeitpunkte für Meteoritenschauer, Sonnenwenden, Tag-und Nacht-Gleichen und die Termine von Bedeckungen. Oder Sie lassen sich ganz einfach die besten Prachtstücke am Himmel nacheinander vollautomatisch vorführen, wie in einem privaten Live-Planetarium. Zusätzlich erhalten Sie zu jedem Objekt einen Text auf dem Display angezeigt, der Sie über wissenswerte Fakten informiert. Solche Teleskope geben Ihnen buchstäblich einen Anfängerkurs in Astronomie.

Ein tolles Angebot für Einsteiger, denn zu viele neue Fernrohrbesitzer können selbst mit gut justiertem Sucherteleskop nicht mehr als den Mond und ein paar helle Sterne finden. Schließlich geben sie ihr Hobby bald frustriert auf und motten das Teleskop ein. Solche Rückschläge könnten bald der Vergangenheit angehören, wenn zukünftige Amateurastronomen mit einem Tastendruck fast jedes beliebige Objekt finden.

Trotzdem sind diese Hightech-Fernrohre nicht für jeden das Richtige. Erstens haben die bezahlbaren Modelle kleinere Öffnungen als Instrumente ohne Elektronik. Zweitens dreht sich bei azimutaler Montierung das Bildfeld im Okular, während das Teleskop dem Lauf der Gestirne am Himmel folgt. Wenn Sie also Deep-Sky-Aufnahmen mit langen Belichtungszeiten machen wollen, brauchen Sie eine stabile und genau ausgerichtete äquatoriale Montierung – Computer hin oder her. Drittens verbrauchen diese Go-to-Montierungen sehr viel Strom. Bei manchen Modellen sind die Batterien schon innerhalb einer einzigen Beobachtungsnacht aufgebraucht. Und zu guter Letzt: Falls in Ihrem "Smart-Scope" ein bestimmtes Himmelsobjekt nicht auftaucht, könnte die Entscheidung, ob es an Ihren Augen oder an Ihrem Gerät liegt, schwierig werden. Damit ist klar, dass Sie sich auch beim Umgang mit solchen Teleskopen gut genug am Himmel und mit den Karten auskennen müssen, um beurteilen zu können, ob Ihr Instrument an die richtige Stelle zeigt.

Informieren Sie sich vor dem Kauf

Nun kennen Sie sich mit den wichtigsten Begriffen und Fernrohrsystemen aus. Nehmen Sie sich die Zeit und studieren Sie die Anzeigen und Produktbewertungen in "Sterne und Weltraum". Sollte kein Fachhändler in Ihrer Nähe sein, lassen Sie sich Kataloge oder Broschüren von den Herstellern zuschicken. Darin sollten die meisten Ihrer Fragen beantwortet werden. Bleibt noch etwas unklar, dann scheuen Sie sich nicht, bei den Herstellern anzurufen und nachzufragen.

Am besten kann man sich jedoch auf einer Volkssternwarte oder der "Star Party" eines örtlichen Astronomieklubs mit der großen weiten Welt der Teleskope vertraut machen. Dort kann man eine großen Anzahl verschiedener Modelle ausprobieren und seine Fragen loswerden. Sie können natürlich auch ein gebrauchtes Fernrohr erwerben. Der Kauf eines Secondhand-Geräts bringt die üblichen Risiken mit sich, wie zum Beispiel einen verborgenen, durch den letzten Besitzer verursachten Schaden oder das Fehlen der Garantie. Aber man kann hier auch wahre Schnäppchen machen. Gebrauchte und neue Teleskope werden auch im Internet angeboten. Lassen Sie hier beim Kaufen oder Ersteigern alle nötige Sicherheit walten wie bei jedem anderen Onlinekauf.

Viele Käufer werden zu dem Schluss kommen, dass ein neues Gerät die richtige Wahl für sie ist. Ein solches Instrument sollte unbedingt bei einem Fachhändler gekauft werden, der sich auf astronomische Teleskope spezialisiert hat. Auch Fotogeschäfte oder Optiker können eine gute Anlaufstelle für Astronomieprodukte sein.

Wenn Sie sich für den Kauf eines neuen Fernrohrs entschieden haben, müssen Sie damit rechnen, mindestens 400 Euro dafür auszugeben. Falls dies Ihre Finanzen übersteigt, ist Ihren astronomischen Ambitionen wahrscheinlich am besten gedient, wenn Sie sich einen guten Feldstecher und einen bequemen, stabilen Gartenstuhl mit Armlehnen zulegen.

Auf Herz und Nieren prüfen
Dobson-Teleskop 2
© Sky & Telescope / Craig Michael Utter
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Leider können Sie die optischen Qualitäten eines Fernrohrs im Normalfall nicht in einem Laden testen. Für Teleskope per Katalogversand gilt dies natürlich erst recht. Daher ist es sehr wichtig, sich von jedem Verkäufer die Rücknahmebedingungen nennen zu lassen – möglichst schriftlich. Vergewissern Sie sich, dass Ihnen genügend Zeit bleibt, um das Gerät unter freiem Himmel auszutesten, und dass es auch dann möglich ist, das Instrument zum vollen Preis zurückzugeben, wenn es einfach nur Ihren Anforderungen nicht gerecht wird. Eine weiterer Punkt, auf den Sie achten sollten: Falls Sie das Teleskop im Versand bestellt haben, klären Sie vorher, wer die Rücksendekosten trägt, falls Sie das Gerät zurückgeben wollen. Rechnen Sie damit, dass Sie zumindest einen Teil des Portos übernehmen müssen.

Ob neu oder gebraucht, sobald Sie das Teleskop in Händen halten, sollten Sie gleich damit anfangen, seine mechanischen Teile zu überprüfen. Das Stativ muss stabil genug sein, damit das Teleskop nicht umfällt, wenn man es im Dunkeln anrempelt. Stoßen Sie das montierte Teleskop leicht an, während es auf ein entferntes Objekt zeigt. Bewegt sich das Blickfeld kurz und stabilisiert sich dann wieder? Gut. Bewegt es sich aber noch Sekunden nach dem Stoß, wird das Beobachten damit unendlich frustrierend sein. Schließlich sollte sich das Fernrohr auf der Montierung leicht und gleichmäßig ohne Ruckeln drehen lassen, sowohl bei sanftem Druck auf den Teleskoptubus als auch durch die manuelle oder elektronische Nachführung per Getriebe oder Schneckenantrieb.

Für einen Neuling ist es nicht leicht, die optischen Qualitäten eines Fernrohrs zu bewerten. Aber jedes Teleskop sollte folgende einfache Tests bei Nacht bestehen: Richten Sie Ihr Teleskop auf ein Gebiet in der Milchstraße. Nehmen Sie das Okular mit der kleinsten Vergrößerung. Die Sterne im Zentrum des Bildfelds sollten sich als Punkte ohne farbige Halos oder Streifen darum herum scharf stellen lassen. Solche Erscheinungen darf es nur am Rand des Gesichtsfelds geben, von der Bildmitte bis mindestens zur Hälfte des Radius sollten sie unsichtbar sein.

Stellen Sie nun einen relativ hellen Stern scharf ein. Drehen Sie dann die Fokussierschraube erst in die eine und anschließend genauso weit in die andere Richtung. Die beiden unscharfen Bilder des Sterns sollten sich gleichen und ungefähr kreisförmig aussehen. Noch ein wichtiger Hinweis: Brillenträger mit Astigmatismus sollten bei diesem und dem vorherigen Test ihre Brille aufbehalten.

Und schließlich richten Sie Ihr Fernrohr auf den Mond: Er sollte scharf aussehen, nicht verschwommen, abgesehen vom Flimmern der Atmosphäre. Und es sollten keine zusätzlichen Geisterbilder sichtbar sein. Dies wäre der Fall, wenn die Beschichtung eines der optischen Teile fehlerhaft oder von minderer Qualität wäre.

Denken Sie immer daran, dass hochwertige Komponenten ihren Preis haben. Vieles kann man aber auch schon mit einem günstigen Teleskop sehen. Haben Sie Geduld mit Ihrem neuen Instrument und mit sich selbst. Scheuen Sie sich aber nie, vermeintlich "dumme" Fragen zu stellen oder versierte Beobachter um Tipps zu bitten! Sie werden Ihnen gerne sagen, wie Sie mit Ihrer Ausrüstung die besten Beobachtungsergebnisse erzielen können.